Kultur, Live

Ein Mann, ein Bart

Juliane Becker

Juliane Becker

Theaterwissenschaftlerin, Katzenfreundin und Journalistin. Schreibt bei mucbook über Theater, Konzerte und eigentlich alles, was irgendwie mit Kultur zu tun hat.
Juliane Becker

Großbritanniens bärtigster Export war wieder einmal zu Besuch in München – Alex Clare spielte am Dienstag in der Muffathalle.

Es mag an der lauschigen Atmosphäre der Muffathalle oder am doch recht überschaubaren Publikum liegen, aber der Abend mit Alex Clare wirkt wie ein Abend unter Freunden. Sein Support unterstützt das Ganze noch; ohne großes Trara kommt ein schlaksiger Brite namens Saint James auf die Bühne, winkt kurz und rappt dann zu selbst gemixten Beats, freut sich tierisch über die jubelnde Menge und daraufhin ist Alex auch schon da.

(c) Dan Medhurst

(c) Dan Medhurst

Ein Freund von großen Auftritten ist der Londoner wirklich nicht. Er trägt einen Hut, ein weißes Hemd, das sich ein wenig über die sympathische Plautze spannt und stimmt erst einmal in Ruhe seine Gitarre, weil ihm vorher noch eine Saite gerissen ist.
Von Rampensau-Ego keine Spur. Dabei waren er und sein üppiger Bart 2011 mit der Single Too Close vollkommen überraschend in den Olymp der Musikgötter aufgestiegen, Internet Explorer 9 hatte den Song in den dazugehörigen Werbespot eingespielt und der erste Platz der iTunes-Charts wurde auch von ihm besetzt. Das darauf folgende Album The Lateness of the Hour schlug ein wie eine Bombe, danach wurde es allerdings ziemlich ruhig um ihn und man hörte eine ganze Weile nichts mehr von Alex.

Jetzt steht er wieder auf der Bühne, und er singt sich die Seele aus dem Leib. Wahrscheinlich würde man seine charakteristische Stimme auch problemlos ohne Mikro hören, irgendwie hat die Technik seine Durchschlagskraft ein wenig unterschätzt. Clare setzt auf Einfachheit. Eine Gitarre, ein Schlagzeug, auf dem Saint James ab und an ein wenig herumschlägt, das wars. Kein Dubstep/Soul-Mix, den man auf der ersten Platte zu hören bekam. Das funktioniert bei den meisten Songs wirklich gut, atemberaubend ist auch die unplugged-Version von Relax My Beloved, die uns wahre Gänsehautattacken beschert. Trotzdem fehlt ein bisschen der Pep. Zwischendurch gibt er noch zwei jiddische Lieder zum Besten, die eindrucksvoll seine stimmliche Präzision präsentieren, und als Zugabe darf natürlich Too Close nicht fehlen. Dennoch fehlt die abgedriftete Ekstase, die einen sonst beim Hören seiner bassgeschwängerten Songs packt.

Und so sehr er große Auftritte hasst, so sehr liebt er seine Fans. Nur Minuten, nachdem er die Bühne verlassen hat, begrüßt er uns hüpfend am Merchandise-Tisch, macht Fotos, schüttelt Hände, signiert und schnackt ein bisschen, wahrscheinlich würde er auch noch mit auf ein Bier gehen. Bei ihm weiß man irgendwie: der macht Musik nicht, um Geld zu verdienen, der macht das, weil er damit glücklich wird. Und dass wir dabei auch glücklich werden, ist doch ein netter Nebeneffekt.

 

www.alexclare.com

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