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Einmalige 64-Stunden-Peepshow: Alexander Giesches „New Beginnings“ ab dem 7. Juni an den Kammerspielen

Wann ist eigentlich alles so Porno geworden? Was bleibt von Erotik, Verhüllung und Geheimnis? Genau das fragt Alexander Giesche in seinem 64-Studnen-Happening – einer Art Peepshow im Theater – ab dem 7. Juni in der Kammer 2 der Kammerspiele.

Feuchttücher inklusive

Ich sitze in einer schwarzen Kabine nur für mich, über mir baumeln Kopfhörer von der Decke, neben mir steht eine Box mit Feuchttüchern und ein Mülleimer daneben. Der Ton schwillt an und plötzlich wird das Milchglas vor mir durchsichtig. Ich sehe Menschen tanzen, schreien, weinend Zitronen essen – dazu schnulzige Herzschmerzmusik. Ich muss lachen.

Als nächstes steht ein Stormtrooper inmitten der weißen, runden Bühne und ärgert sich. Er fordere ja auch nicht, Schrumpfköpfe in allen staatlichen Gebäuden aufzuhängen. Ein junger Mann zieht sich unsicher vor mir und den anderen Kabineninsassen aus. Jetzt sehe ich die anderen Zuschauer der privaten Peepshow nämlich auch. Blicke kreuzen sich. Man schaut betreten zu Boden, bevor einen die Dunkelheit erlöst.

Über 154 solcher Szenen hat Alexander Giesche zusammengetragen um sie in einer einmaligen 64-Stunden-Peepshow, die am 7. Juni um 20 Uhr beginnt und am 10. Juni um 12 Uhr mit einer Party endet.

Live-Porno-Peepshows als ein frühes Internet

Der Blick und der einmalige Moment stehen im Zentrum des Happenings. Das sei wichtig, meint Giesche, denn wir leben in einer Zeit, in der alles nur noch wie ein Porno konsumiert werde. Man sitzt da, sieht zu und holt sich einen runter. Was ist aber mit echten Begegnungen geworden?

Es gab mal eine Zeit, in der man Menschen noch nicht mit einem Wisch nach rechts konsumieren konnte. Als die körperliche Präsenz noch verheißungsvoller war als ihre digitale Projektion.

Live-Porno-Peepshows könnte man als ein frühes Internet bezeichnen. Hinter einer Scheibe saßen die Zuschauenden, auf der anderen Seite dieser Scheibe „performte“ das begehrte Objekt, zeigte sich – und existierte erst, sobald jemand dabei zuschaute. Das Internet hat die Möglichkeiten, sich darzustellen und andere bei der Selbstdarstellung zu beobachten, radikal ausgebaut. Alles wird veröffentlicht und offenbart, ist immer und immer wieder verfügbar.

In New Beginnings ist jede aufgeführte Sequenz einzigartig und nur einmal erlebbar. Die Handys werden nämlich oben abgegeben. Dann werden die ZuschauerInnen in eine Kabine geführt und entscheiden dort selbst, wie lange sie bleiben wollen.

Da es nur eine begrenzte Anzahl von Kabinen gibt, wird es zu Wartezeiten kommen, aber auch das ist bereits Teil des vielversprechenden Happenings.


In aller Kürze:

Was? New Beginnings, Inszenierung von Alexander Giesche

Wo? Kammer 2, Falkenbergstraße 1

Wann? Nur am 7. -10. Juni ab 20 Uhr, Karten gibt es nur vor Ort, Kommen und Gehen jederzeit möglich,
Wie viel? Tickets zu 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, die Tickets gelten für 64 Stunden


Fotos: © Julian Baumann

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