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Projekt in Haidhausen: Es ist Platz für alle da

Myriam Zeh

Wer in diesen Tagen in die Metzstraße am Bordeauxplatz einbiegt, wird vielleicht erst einmal stutzig: Was macht dieses Holzhaus über den Fahrradständern? 

Kommt man näher, wird aus der ersten Irritation eine Einladung. Drinnen stehen Tische, Blumen, ein paar Stühle. Menschen bereiten etwas für eine Ausstellung vor, bald soll hier ein kleines Konzert stattfinden. Als ich vor Ort bin, trifft sich gerade der Schachclub. Es ist kein Raum, der nur angeschaut werden will. Er soll benutzt, gefüllt und erfüllt werden.

Der Schachclub hat schon ein neues Zuhause gefunden. © Clemens Hoyer

ZuHaus nennt der Architekt Clemens Hoyer das Projekt. Der Name klingt fast zu naheliegend: zuhause eben. Aber darin steckt, wortwörtlich, mehr. Historisch bezeichneten „Zu-Häuser“ kleine zusätzliche Häuser auf Bauernhöfen. Sie wurden gebaut, damit eine weitere Generation Platz hatte und nicht den heimischen Hof verlassen musste. Hoyer übersetzt diese Idee in die Stadt: ein Haus zur Wohnung dazu. Nicht als Ersatz für das eigene Zuhause, sondern als Extra. Als Ort, an dem Nachbarschaft mehr bedeuten kann, als Pakete anzunehmen oder sich ein Ei zu leihen. Als Joker, den man zieht, wenn die eigenen vier Wände zu eng werden.

Und eng sind sie in München oft.

Wer in einer WG lebt, am Küchentisch arbeitet, Yoga zwischen Bettkante und Wäscheständer macht oder für jede Einladung erst überlegen muss, wie viele Gäste überhaupt Platz haben, versteht ziemlich schnell, warum so ein Raum eine interessante Idee ist.

Kostenlos, praktisch und unkompliziert

Profit schlägt Clemens Hoyer aus dem Projekt nicht. Das ZuHaus kann kostenlos gebucht werden: zum Arbeiten, für Workshops, zum Yoga machen, musizieren, Schach spielen, oder für den nächsten Stammtisch. Noch ist ZuHaus ein Experiment auf Zeit, aber angenommen wird es schon jetzt. Hoyer erzählt von vielen Buchungen und Nachfragen. 2.000 gedruckte Info-Flyer seien bereits vergriffen.

Damit aus dem Testlauf mehr werden kann, sammelt das Projekt Rückmeldungen über eine begleitende Umfrage. Auf der Website zuhaus-haidhausen.de können außerdem Zeitfenster gebucht und das aktuelle Programm eingesehen werden. Hoyer hofft, dass möglichst viele Menschen den Raum ausprobieren und ihre Erfahrungen teilen, auch, damit die Stadt später besser diskutieren kann, ob solche „Quartiers-Zimmer“ dauerhaft möglich wären. 

Denn am Ende stellt ZuHaus eine wichtige Zukunftsfrage: Muss Wohnen in München immer höher, enger und teurer werden? Oder könnte es stattdessen auch einfach gemeinschaftlicher werden? Dem Münchner Lieblingsstreitthema „Wem gehört eigentlich der Platz?“ begegnet das Projekt schon mal friedlich: Es nimmt den Autos nichts weg, lässt die Fahrräder da, wo sie sind und schenkt ihnen nebenbei sogar ein Dach.

Beitragsbild: Jens Bluhm