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Lenbachhaus: Die neuen Favoriten sind da!

Ani Makhashvili

Homesick for places I've never been before
Ani Makhashvili

Schon zum dritten Mal stellt das Lenbachhaus junge Münchner Kunst vor. Spätestens seit der Gründung des Blauen Reiter gilt München als eine der wichtigsten Kunstmetropolen. Mit der Ausstellung Favoriten III: Neue Kunst aus München will das Lenbachhaus wieder einmal beweisen, dass die Münchner Kunstszene nicht nur eine Plattform für internationale Star-Künstler bietet, sondern auch selbst etwas Neues, vielleicht auch Geniales, produzieren kann. Zu diesem Zweck präsentieren die Münchner KünstlerInnen: Andreas Chwatal, Babylonia Constantinides, Robert Crolta, Hedwig Eberle, Beate Engl, Philipp Gufler, Flaka Haliti, Florian Huth, Stephan Janitzky, Anna McCarthy, Carsten Nolte und Franz Wanner eine gemeinsame Ausstellung im Kunstbau.

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ROBERT CROTLA – Archiv, 2006 – 2008 (Detail) Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München Courtesy der Künstler

„Adult creativity is aggressive“ – Robert Crolta

Die multimediale Ausstellung zeigt verschiedenste Werke von Malerei über Keramikskulpturen bis hin zu Videoinstallationen. Ein Motiv ist jedoch erkennbar: Die junge Kunst aus München will die aktuellen politischen Themen in einer ästhetischen Art vermitteln, sich aber auch mit der politischen und pop-kulturellen Vergangenheit auseinandersetzen. So zeigt Robert Crolta in seiner Installation „Archiv“ 80 Collagen, die er mit dem Bildmaterial aus ‚Spiegel‘-Ausgaben von 1948 bis 1995 erstellt hat. Ob Rolling Stones, Andy Warhol, Hitchcock oder Michelle Pfeiffer in ihrem Catwoman-Kostüm, beleuchten die Bildcollagen den Aneignungsprozess westlicher Kultur. Ohne jene chronologische oder thematische Anordnung trifft die Pop-Kultur des vergangenen Jahrhunderts auf Kriegsbilder und erzeugt eine Serie im Sinne einer dadaistischen Absurdität, die jedem im Kopf bleibt. Ursprünglich aus Polen wurde Crolta von Roman Polanski bzw. seinem Film „Der Mieter“ inspiriert. Eine weitere Installation von Crolta, „The Stairs“, verweist in Form eines Gucklochs in einer Betonseule eben auf das Motiv dieses Filmes: Auf einen Raum oder „rabbit hole“, der sich hinter der Säule befinden könnte. Andererseits wirft die Treppe die Problematik von Kontemplation vs. Partizipation in der Kunst auf. Da die Treppe dem Besucher nicht zugänglich ist und nur beobachtet werden kann, stellt sich die Frage, ob ein Werk erst im unmittelbaren Erlebnis als Kunst wahrnehmbar ist oder, ob eine analytische Beobachtung auch reicht?

How to start a revolution

Auch Anna McCarthy thematisiert die aktuellen politischen Ereignisse: In einer Video-Installation zeigt sie die Reaktion Erdogans auf den Putsch-Versuch in der Türkei, die von einem störenden Geräusch übertönt wird. In unserer multimedialen Welt sucht die Künstlerin nach einer neuen Sprache oder nach einem neuen Medium, das über die Informationsflut hinausgeht. Ihre Arbeiten sind interdisziplinär: Zeichnungen, Installationen, Musik, Film oder Performance – Anna McCarthy kann alles. Im Rahmen der Ausstellung wird sie im Oktober ihr Buch „How to start a Revolution“ erstmalig präsentieren.

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PHILIPP GUFLER – Quilts V (Wolfgang M.Faust), 2014 Courtesy der Künstler

I’m desperate

Philipp Gufler, ein junger Münchner Künstler, befasst sich mit Themen wie Geschlechtlichkeit und sexuelle Identität und will sich mit seinen Werken gegen duale Zuschreibungen (schwul/lesbisch, Mann/Frau) wehren. Ähnlich wie McCarthy greift er sozialkritische Themen auf: Mit der früheren Ausstellung „Projektionen auf die Krise – Gauweilereien in München“ hat er die AIDS-Politik Münchens Anfang 1990er Jahren kritisiert. Im Lenbachhaus stellt er Biografien und Texte von Menschen vor, die unter der Krankheit gelitten haben.

In seiner Videoinstallation „Eingebildete Männlichkeit“ hinterfragt er die normativen Vorstellungen von Geschlecht oder Männlichkeit. Die Bilder stammen größtenteils von der westlichen Kunstgeschichte und weisen auf die Fluidität sozialer Konstruktionen hin, in der die männlichen Akteure sich männlich sowie weiblich verhalten: rauchen, schminken etc. Ein Mann hält ein Schild mit der Überschrift „I’m desperate“ auf – der junge Bayer will damit auf die bestehende Ignoranz gegenüber sexuellen Minderheiten hinweisen. Guflers Arbeiten symbolisieren seine Sympathie und Solidarität für ausgegrenzte Gruppen.

 

Favoriten III: Neue Kunst aus München  könnt ihr noch bis zum 30. Oktober im Kunstbau besuchen, die Ausstellung wird von Eva Huttenlauch und Stephanie Weber kuratiert. In der letzten Woche der Ausstellung (26. bis 29. Oktober) laden die Künstlerinnen und Künstler Gäste ihrer Wahl für Performances, Buchpräsentationen, Diskussionen, Konzerte und mehr ein. Während der Ausstellung entsteht zudem ein Blog mit Beiträgen der ausstellenden KünstlerInnen, Kuratorinnen und Gästebeiträgen.


In aller Kürze:

Was? Favoriten III: Neue Kunst aus München

Wo? Im Kunstbau 

Wann? 26. Juli– 30. Oktober 2016

Eintritt? 10 € (ermäßigt 5 €)


Beitragsbild: ANNA MCCARTHY – H.T.S.A.R. TV (1), 2016 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München (c) die Künstlerin. Courtesy of SPERLING, Munich.

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