Aktuell, Kunst

surFACE – Jaemin Lee im Lost Weekend

Ani Makhashvili

Ani Makhashvili

Homesick for places I've never been before
Ani Makhashvili

„Auf der Straße, in der U-Bahn, in der Arbeit, in den Cafés und Restaurants – überall treffe ich gehende, hastende, wartende, in Gedanken versunkene Menschen. Fremde, Freunde, Junge, Alte. Viele inspirierende, flüchtige Augenblicke tragen mich. Ich suche nach Momenten, in denen sich mein Gegenüber mit seinen Gedanken ganz alleine wähnt, in ihnen versunken scheint. Alles verlangsamt sich und wie ein Jäger versuche ich, den inspirierendsten Moment abzupassen und erstmal abzufotografieren. Und dann ab auf die Leinwand damit! Das Reale ist zwar immer Identität des Allgemeinen  —  aber auch des Besonderen…“

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MUCBOOK trifft Jaemin Lee

Wir haben Jaemin Lee (28) im Lost Weekend getroffen, wo er mittwochs und freitags neben dem Studium arbeitet. In der gewohnten Umgebung erzählt er uns beim Kaffee von seinem abenteuerlichen Leben und von seiner kommenden Vernissage im Lost Weekend. Ursprünglich aus Pohang, Südkorea hat er Visuelles Kommunikationsdesign in Seoul studiert. Seine Inspiration hat er schon damals überall gesucht: Während des Studiums hat er auf Dating-Websites nach interessanten Gesichtern gesucht und sie gemalt. Manchmal hat er auch Ärger dafür gekriegt – nicht jeder freut sich darüber, von einem Fremden gemalt zu werden, manche wollten auch nicht identifiziert werden. Andere haben sich aber gefreut, er hat sie ja kostenlos gemalt. Vor vier Jahren hat ihn sein Bedürfnis, mehr zu erleben, nach Deutschland gebracht, das er selbst als kulturelles Zentrum Europas sieht. Nach einem Jahr in Berlin, wo er Deutsch-Sprachkurse besuchte, zog er nach München um und will auch gerne hier bleiben.

SAM_9069Auf unsere Frage, was ihn an München anzieht, zögert er nicht:

„Der Lebensstil. Ich kann mich gut auf mein Studium konzentrieren. Ich glaube in Berlin hätte ich das nicht geschafft – da ist es zu laut und zu chaotisch! Außerdem mag ich die Münchner Kulturszene: Für junge Künstler und Studenten gibt’s hier großen Spielraum.“

Derzeit studiert er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste. Seine Werke werden ab Samstag, den  16.07 auch im Rahmen der Jahresausstellung im Foyer des Altbaus gezeigt. Am Anfang seines Studiums hat er sich größtenteils mit Aktzeichnungen beschäftigt. Er selbst bezeichnet sich als Voyeur. Allerdings hat er bald gemerkt, dass er sich weniger für gestellte Modelle interessiert und lieber die Menschen malt, die nicht wissen, dass sie beobachtet werden. Creepy? Nein. Er meint, die Menschen zeigen nur die Oberfläche ihrer Persönlichkeit, wenn sie wissen, dass jemand sie beobachtet. Er sucht dagegen nach den Momenten, in denen die Menschen wahre Emotionen zeigen.

 

„When I know your soul I’ll paint your eyes.“ – ModiliagniSAM_9074

Für seine Vernissage am 22. Juli hat er hauptsächlich Kollegen oder Gäste des Lost Weekend gemalt, die er persönlich kennt. Er behauptet, seine Werke tragen mehr Charakter und vermitteln mehr authentische Gefühle, wenn er seine Bekannten malt bzw. wenn die Anonymität zwischen dem Künstler und seinem Modell fehlt.“ Er ist nicht der erste Künstler, der dem wahren Charakter seines Modells nachspüren will. Modiliagni hat sich ja auch geweigert, die Augen seiner Geliebten zu mahlen, bis er sie wirklich kannte. Lee’s größte Inspiration ist aber nicht Modiliagni, sondern das russische Genie und der Mitbegründer der abstrakten Kunst Wassily Kandinsky. Insbesondere hat ihn das Buch „Punkt und Linie zu Fläche“ beeinflusst, da er auch selbst im Sinne des Abstraktionismus mit verschiedenen Farben und Linien spielt.

Nach mehreren Ausstellungen in Seoul, Tokyo, Hamburg und Dessau dürfen sich auch die Münchner*Innen auf seine Einzelausstellung im Lost Weekend freuen. Am 22. Juli zeigt er im Rahmen der Vernissage seine neuesten Werke.

TIPP: Anschließend könnt ihr bei ein paar kühlen Bierchen das Lost Weekend Sommerfest genießen!

 

 


In aller Kürze:

Was? Vernissage <surFACE>

Wo? Lost Weekend, Schellingstr. 3

Wann? Am 22. Juli, 20 Uhr

Eintritt frei! 

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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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