Kinogucken, Kultur

Food Porn mit Herz

Thomas Empl

Filmfest München – „Chef“

Es ist eine offensichtliche, kein bisschen subtile Allegorie. Aber sie sitzt. Jon Favreau spielt in Chef, von ihm selbst geschrieben, produziert und inszeniert, einen Chefkoch. Dieser Koch wird – obwohl kreativ und talentiert – von seinen Vorgesetzten gezwungen, immer nur das zu kochen, was die Leute von ihm sehen wollen. Er hat ein großes Team, alle finanziellen Möglichkeiten, aber keine Chance wirklich das zu tun, was er liebt. Die Online-Kritiker, die ihn einst liebten, schreiben Verrisse über sein Essen. Woraufhin er ausbricht, um in einem Sandwich-Truck wieder auf der Straße zu kochen.

Jon Favreau ist Regisseur. Er hat in den letzten Jahren Blockbuster wie Iron Man oder Cowboys & Aliens gemacht. Und kehrt jetzt zu seinen Indie-Wurzeln zurück, um eine Low Budget – Geschichte ganz ohne Superhelden und Außerirdische zu erzählen.

Favreau-und-Kind

Wie gesagt, subtil ist das nicht. Muss es auch gar nicht sein. Chef ist ein ganz und gar lebensfroher Film, dessen Figuren man schon nach gefühlten zwei Minuten einfach nur gern hat. Favreau als Chef Carl Casper ist jemand, in den man sich sofort hineinversetzen kann. Die Beziehung zu seinem Sohn, den er nach der Trennung von seiner Frau (Sofia Vergara) nur noch selten sehen kann, wird wunderbar klischeefrei dargestellt. Und für die charmanten Nebenrollen hat Favreau doch einige Hollywood-Größen in seine alte, neue Indie-Welt mitgebracht: Dustin Hoffman, Scarlett Johannson oder Robert Downey Jr., der einen gewohnt witzigen Gastauftritt hat.

Nun ist Favreau ein Regisseur, bei dem die Begeisterung fürs Filmemachen eigentlich immer durchscheint, selbst wenn er mit schwächerem Material kämpfen muss (Cowboys & Aliens). Doch hier ist sie durchgehend zu spüren. Das geht schon bei den zahlreichen glorreichen Kochszenen los, die sich nur noch als food porn bezeichnen lassen. Man wird den Kinosaal in jedem Fall hungrig verlassen.

Und genau diese Energie und Freude merkt man dem ganzen Projekt an: Obwohl (man verrät dadurch nichts, keine Sorge) Chef das wohl happiest Happy End hat, das man sich vorstellen kann, findet man selbst als Chefzyniker nichts daran, das einen stören könnte. Denn es ist schlichtweg verdient. Zum Schluss ist John Favreau wieder ein Mann, der das, was er tut, liebt.

crew

„Chef“ läuft an folgenden Tagen auf dem Münchner Filmfest:

Mittwoch, 02.07.2014, 20:00 Uhr
Donnerstag, 03.07.2014, 22:30 Uhr

Jeweils im City-Kino 1. Mehr zum Filmfest:
https://www.mucbook.de/2014/06/27/stars-indies-und-007-das-32-filmfest-munchen/

(Bilder von www.filmfest-muenchen.de)

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