freiräumen jetzt
Aktuell, Kultur, Nach(t)kritik

„Freiräumen jetzt“ – darum gings bei den Demos am Samstag

Die Forderung nach mehr Nicht-Kommerziellen Räumen in München ist nicht neu. Orte ohne Konsumpflicht an denen Bands, Künstler*innen, Performer*innen und Kollektive Events veranstalten, sich connecten und gemeinsam ausprobieren können, sind weiterhin eher hervorgehobene Einzelbeispiele als die Norm.

Darum ging es den insgesamt 15 Kollektiven, die letzten Samstag am 05.06. ab 12 Uhr an 11 Orten in München zur Demo aufgerufen haben – genauer zum „Dezentralen Aktionstag für Freiräume, Kunst & Jugendkultur.“

„Unser Ziel ist eine lebenswertere Zukunft“

In ihrem Aufruf beschreiben die Organisator*innen die aktuellen Krisenzeit zwischen Pandemie, Klimakatastrophe und Social Rights Bewegungen. All diese Krisen benötigen Freiräume an denen sozialer Zusammenhalt gestärkt, Solidarität gestiftet und Unterstützung geboten werden kann.

„Wir fordern Räume, in denen sich revolutionäre, innovative Ideen potenzieren und Konventionen aller Art infrage gestellt werden können. Unser Ziel ist eine lebenswertere Zukunft.“ Betrachtet man nun allerdings die aktuelle Verteilung von Räumen, gibt es diese Freiheiten nur für die, die es sich auch leisten können. Ökonomische Verwertbarkeit bleibt weiterhin die einzige Existenzberechtigung, während sich anderenorts prekäre Situationen in Ermangelung von Handlungsalternativen weiter verfestigen.

Orte der Selbstentfaltung in einer Stadt des Platzmangels, getrieben durch Gentrifizierungs- und Privatisierungsprozesse, werden verdrängt oder mussten längst schließen. Darum fordern Freiräumen jetzt „Orte, die mitdefiniert und mitgestaltet werden können. Visionen müssen erfahrbar gemacht werden, damit kreativer, kritischer Wandel geschehen kann. Es geht nicht nur darum, wo wir leben können, sondern auch darum, wie wir leben.‍“

Wie kann das aussehen?

Natürlich wurde am Samstag viel gefeiert und getanzt – endlich. Doch daneben ging es auch um all das oben Genannte. Kunst und Kultur als Ausdrucksform einer in der Pandemie vergessenen Jugendkultur, zeigen was möglich ist, in Bewegung kommen und die eigenen Möglichkeiten austesten. Aktivität vorleben und neue Wege kennenlernen.

In einem Interview mit der BR KulturBühne von Anfang Juni zieht der Mit-Initiator Joshua Neumann die Stadtverwaltung Münchens in die Verantwortung, zwar gäbe es Unterstützung aus dem Stadtrat, im Ergebnis allerdings ohne merklichen Fortschritt. Dabei gibt es viele gute Vorbilder in anderen Städten. „Zürich hat ein gutes Modell für freie Flächen, die Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Da gibt auch eine Raumbörse mit circa 70 Hallen oder verschiedene Gebäude und Angebote, die man kostenfrei mieten kann, wenn man unter 30 ist.“

In München ist es bis dahin noch ein weiter Weg, also freiräumen jetzt!


Beitragsbild: © Salomea Wörner

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