Kultur, Nach(t)kritik

Fuckin‘ fine Folk

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Dieser autoritäre Bart ist der Wahnsinn. Und dann noch die Scheinwerfer, die lange Schatten unter Samuel Beams Wangenknochen malen. Der, der da auf der Bühne steht, sieht aus wie ein Südstaaten-Colonel zu Zeiten des Bürgerkriegs. Und auch die Melodien des Singer-Songwriters sind wie: weites Land, Cowboys, Prärie – die Gitarre sowieso. Natürlich stammt Samuel Beam alias „Iron & Wine“ aus dem Süden, derzeit lebt er in Austin, Texas. Am Freitag spielte er im „Freiheiz“.

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München kommt an bei den Texanern. Auf seinem Blog präsentiert Samuel Beam die „Munich-Setlist“ hinter dem senfigen Konterfei von König Ludwig.

„Hey, Munich“, sagt er nach dem ersten Song. Der Südstaaten Dialekt klingt lakonisch, cool. Hinter ihm auf den langen schwarzen Stoffbahnen kreisen Propeller aus Licht. „It’s been a looong time“. Applaus. Das letzte Mal war er 2006 zusammen mit der Band „Calexico“ in der Stadt.

2011 trägt Samuel Beam ein braunes Samt-Jacket, darunter einen gelben Pullover und ein weißes Hemd. Mit ihm auf der Bühne, ein kleines Orchester samt Saxophon, Banjo und Background-Sängerinnen. Die acht Musiker interpretieren die Songs kraftvoll, sie sind rhythmischer als von der Platte, manchmal tanzbar. Nach dem zweiten Stück bringt ein Roadie Beams dritte Gitarre auf die Bühne. Fortan wechselt er ständig zwischen den Instrumenten.

„Jezebel“, fordert eine laute Frauenstimme aus dem Publikum. „Jezebel? Alright. Ok.“ antwortet Beam. Er tauscht einmal mehr die Gitarre. Dann spielt er Jezebel, den bekanntesten Song von seiner 2005er EP „Woman King“.

Beam singt:

„who’s seen jezebel?
will the mountain last as long as i can wait
wait like the dawn
how it aches to meet the day“

Er singt sanft. Man ist von Neuem erstaunt, dass diese vorsichtigen, hohen Töne aus dieser bärtigen Kehle kommen. Daneben klingt die Rassel wie eine Sanduhr, die das Warten auf Jezebel vertont. Dazu setzt der Trommler spitze Akzente, und ein starkes Saxophon seufzt.

Und wieder ruft eine Frau. Man versteht sie nicht, es muss sich aber um ein eindeutiges Angebot handeln. „I’m gonna tell my wife“, erwidert Beam lachend. Er hebt die linke Hand mit dem goldenen Ehering, die so zielgenau melancholische Akkorde greift.

Beam steht fast zwei Stunden unter den blauen und roten Scheinwerfern. Manchmal, wenn er sich seinen Kollegen zuwendet – er fürs Publikum nur noch ein braunes Sakko ist – wirkt der Schatten seiner Gitarre wie ein Steckenpferd. Es sieht dann so aus, als würde Samuel Beam auf ihr in den Sonnenaufgang reiten. Beam singt: „So may the sunrise bring hope where it once was forgotten / Sons are like birds flying upwards over the mountain“.

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