Kinogucken

„Wer immer sie hat, wird sie schnell wieder loswerden wollen“

Thomas Empl

Eine Frau, der ehemalige Kinderbuchstar Amazing Amy (Rosamund Pike), verschwindet an ihrem Hochzeitstag. Ihr Mann Nick Dunne (Ben Affleck) meldet sie als vermisst, wird aber bald selbst des Mordes an ihr verdächtigt… und mehr darf man über die Handlung von David Finchers neuem Film Gone Girl eigentlich nicht verraten.

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Gone Girl basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Krimi von Gillian Flynn, die auch das Drehbuch für die Verfilmung schrieb. Ihr Roman scheint ein perfekter Stoff für Fincher (Fight Club, Seven), wartet er doch mit zahlreichen Wendungen und einem düsteren Grundton auf, vergleichbar mit seinem letztem Werk Verblendung.

Tatsächlich lassen die ersten großen Überraschungen kaum eine Stunde auf sich warten, die Handlung legt mehrere dramatische Richtungswechsel hin – und Gone Girl wird vom düsteren Thriller auch immer mehr zur extrem schwarzhumorigen Mediensatire. Die blasen zur Hetzjagd auf Nick, wodurch die Stimmung von der einer ruhigen Kriminalgeschichte immer mehr in Hysterie umschlägt.

Schreckliche Menschen begehen schreckliche Taten: Gone Girl gibt dennoch immer wieder Anlass zum Lachen, wie etwa im in der Überschrift zitierten Dialog. Man darf durchaus die Frage stellen, ob Fincher sein Film nicht zu humorvoll geraten ist. Dafür dass die Schwarzhumorigkeit durchaus gewollt war, spricht aber schon die Besetzung von „How I Met Your Mother“-Barney Neil Patrick Harris oder Tyler Perry in Nebenrollen.

David Fincher kann beides: Abgründigen Humor (The Social Network) und brutale Spannung (Verblendung). Gone Girl versucht beides zu vereinen, doch gibt es Augenblicke, in denen der eine Teil den jeweils anderen herunterzieht. Wenn gerade noch der ganze Kinosaal auflacht, ist die Blutlache im nächsten Moment schlicht nicht mehr so schockierend. Ein solches gewisses Ungleichgewicht lässt sich immer wieder feststellen – und reißt einen raus aus dieser Welt.

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Das Gesamtwerk besteht aus vielen meisterhaften Puzzleteilen: Die Besetzung ist durchgehend beeindruckend (besonders Rosamund Pike), Trent Reznors und Atticus Ross‘ Soundtrack wieder hypnotisch minimalistisch, jede Einstellung wie in Kleinstarbeit ausgeklügelt – und doch wirkt Gone Girl beizeiten wie weniger als die Summe seiner Teile.
Selbst ein schwächerer Fincher ist natürlich immer noch ein besonderer Film, der es wert ist, mehr als einmal gesehen zu werden. Aber für die Zukunft wünscht man dem Mann mal wieder stärkeres Material als noch mehr Bestseller-Krimis.

(Gone Girl – Ab 02.10.14 im Kino)

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