Kultur, Live

„Halt die Fresse, Honey“

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Übermäßiger Alkoholkonsum, die Freude daran, sich über andere lustig zu machen, Sex und Gewalt – es könnte sich auch um einen schlecht verlaufenden Discobesuch handeln… Oder um Edward Albees ersten großen Bühnenerfolg „Wer hat Angst vor Virgina Woolf?“.

Samstag Abend standen u.a. Bibiana Beglau und Norman Hacker als keifendes Ehepaar Martha und George auf der Bühne des Residenztheaters. Der Zuschauer wurde anfangs von einer grellen Neonleiste und den Worten „Fun and Games“ geblendet, der erste Akt begann – und damit auch das unaufhörliche Streiten und Trinken. Der Alkohol rief immer mehr Zerstörung hervor und die Zerstörung wiederum den Konsum von Gin, Brandy und Whisky…

Das zerstrittene Ehepaar bekommt um zwei Uhr nachts Besuch von dem jungen Biologieprofessor Nick und seiner püppchenhaften, etwas dümmlichen Frau Honey. Bis zum frühen Morgen wird die Grenze zwischen Spaß und Ernst immer mehr ausgedehnt und überschritten: Ob mit Händen und Füßen oder mit scharfen, deutlichen Worten. Schimpfwörter fallen genauso oft und laut, wie zerschellende Gläser. Das zersplitterte Glas ist die einzige Bühnenrequisite vor einer erhöhten, schlichten weißen Wand.

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Auffallend waren die häufigen Lacher des größtenteils älteren Publikums bei eigentlich ernsten Szenen scharfer und zerstörerischer Ironie. Lachten sie aus Verlegenheit? Oder war es Verunsicherung? Oder handelte es sich um wirklichen Spaß am Dargestellten? Schwer zu sagen…

Die vier Schauspieler hatten sich den lauten Applaus am Ende jedenfalls sehr verdient – Beglau war gewohnt extrem stark im Ausdruck und verausgabte sich komplett, ob mit nacktem Oberkörper oder im eleganten Party-Outfit. Es ist sicher kein Stück zum Träumen und der Stoff aus Eheproblemen und Kinderlosigkeit auch nicht jedermanns Thema, aber von Martin Kusej gut und klar inszeniert und von den Darstellern mit voller Wucht umgesetzt.

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Wo: Residenztheater
Bis wann: 23. Okt. 2014

Infos:

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