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Kreativer konsumieren

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„Creative Consume“ wirbt am 18. Dezember mit Vorträgen und Screenings für bewussten Konsum. Zu den Rednern gehören Philipp Steinweber und Mirjam Müller. Er ist Mediendesigner, sie Sozialarbeiterin, beide interessieren sich für nachhaltigen Lebenswandel – als Zwei-Mann-Firma verkaufen sie den nun auch.

In New York auf dem Klo entdeckt, und direkt mit nach Hessen genommen: Als Philipp Steinweber dort zum Papierspender griff, sah er den Hinweis „Remember, this was a tree“. Gemeint waren die grauen Tüchlein, die gerne auf dem Boden landen und dann jungfräulich als Müll enden. Er notierte sich die URL der Guerilla-Aktion, und probiert es mit dieser Idee nun in Deutschland. „Wir wollen solche Aufkleber an Unis, Firmen und Behörden bringen, weil man damit wirklich Papier sparen kann – an einer amerikanischen Schule haben sie das getestet, und wurden tatsächlich 30 Prozent weniger Papier verbraucht“, sagt er.

Einen Testlauf im heimischen Rodgau gab es schon. Bei einer Hochzeit auf dem bayerischen Land hat er die Sticker auch erprobt: Als Steinweber eine Stunde später wieder auf die Toilette guckte, war der Hinweis abgeknibbelt. In Szenebars haften sie länger. „In traditionelleren Etablissements denken sie wahrscheinlich, da klebt jetzt eine Skateboard-Marke.“ Den nächsten Versuch mit den Stickern macht Steinweber in München, wenn er für „Creative Consume“ da ist. Dann müsste die deutsche Version – „Denk dran: Es war einmal ein Baum“ – produziert sein. Wenn alles gut geht. Steinwebers Agentur „think. responsible design & ideas.“ will Nachhaltigkeit fördern, und so dauert manches etwas länger, die Suche nach einer nachhaltig arbeitenden Druckerei etwa. Aber das ist für den Mediendesigner nicht die eigentliche Herausforderung. Eine Waschmaschine kann man dahin entwerfen, dass sie weniger Wasser verbraucht – die EU-Öko-Richtlinie wirkt da bereits auf das Design von Elektrogeräten ein. Nur wie trimmt man ein Plakat auf nachhaltig? Druckt es auf Recyclingpapier? „Das sollte selbstverständlich sein“, sagt Steinweber. „Dadurch allein hebt unsere Agentur sich niemals hervor. Echtes Ökodesign sollte auch inhaltlich nachhaltig sein“ – und so sucht er nach zu seiner Vision passenden Kunden.

Sein Vorzeigekunde ist zur Zeit das Projekt „Auroville Village Action Group“. Die NGO leistet indischen Frauen Hilfe zur Selbsthilfe. Gefunden hat er sie durch Zufall. Er begleitete seine Freundin Mirjam Müller, die der zweite Kopf hinter „think“ ist, nach Indien. Die Sozialhelferin machte dort ein Praktikum und ihn mit der Gruppe bekannt. Deren Projekte gefielen Steinweber sofort. „Sie arbeiteten wirklich nachhaltig – nur in Bezug auf sich selbst nicht“, fiel ihm auf. Er entwarf der NGO deshalb eine Webseite, damit sie besser auf sich aufmerksam machen kann, und sie entwickelte die dazu passende Fundraising-Strategie.

Dass „think“ bald nur von nachhaltigen Kunden leben wird, glaubt Steinweber nicht. „Man muss genau gucken, ob die Firmen wirklich gute Intentionen haben – oder ob sie sich nur ein grünes Hemd anziehen wollen.“ Das werde immer schwieriger, findet Steinweber und verweist auf den diesjährigen Nachhaltigkeitspreis. „Rewe, C&A und Daimler – es ist ja schön wenn Rewe mehr Recyclingpapier verwendet, aber wir suchen Unternehmen, die mehr tun.“ Das müssten keine Vorzeigeunternehmen wie „manomama“ sein, die bei der letzten „KarmaKonsum“- Konferenz den Gründerpreis gewonnen haben, auch viele sehr kleine Unternehmen denken grün. „Und ich glaube, dass das zunehmen wird – allein aus Marketinggründen“, sagt Steinweber. Viele Kunden wollen zum Beispiel einen nachhaltigen „Look“ haben, also viel Mattes, viel Grün, und weniger Schmucklaminierungen oder glänzende Beschichtungen, weil die nicht zu 100 Prozent ökologisch machbar sind. „Aber wir verwenden ganz gerne auch andere Farben als Grün“, sagt Steinweber und lacht.

Oder gehen ganz offensiv vor. Zwei Kunden hat „think“ dazu überredet, ihre Webseiten mit Okostrom zu betreiben – mit einem kleinen Kniff. Wenn Steinweber und Müller ein Angebot schreiben, steht im Kleingedruckten, dass sie davon ausgehen, dass die Kampagne auf nachhaltigen Materialien realisiert wird. „Und dann steht da weiter: Falls nicht, wird es 10 Prozent teurer.“

Der Artikel ist erstmals erschienen auf klimaherbst.de, dem Portal für grünen Lebensstil in München: klimaherbst.de – alles was München gut tut.

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