Rathausschau, Stadt

Kundgebung für Palästina am Sendlinger Tor

Am Samstag fand die dritte Kundgebung für die Freiheit Palästinas am Sendlinger Tor statt. Ein hoch emotionales Zusammentreffen mit der verzweifelten Forderung nach einem Waffenstillstand im Gazastreifen. Politprominenz war hier nicht zu erwarten.

Foto: Sophie Mathiesen

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Ein Pavillon, eine winzige Bühne und links davon ein Friedhof aus symbolischen Kindersärgen, die mit Rosenblättern geschmückt sind. Die Kundgebung steht ganz im Sinne der Opfer des Gaza-Krieges, der seit nunmehr drei Wochen mit aller Härte auf dem Rücken ziviler Opfer geführt wird. Die Veranstaltung beginnt mit einer Schweigeminute, die den Sendlinger Tor Platz in andächtige Stimmung versetzt, während sich am Himmel ein Unwetter zusammenbraut.

Nach einer kurzen Ansprache und dem ausdrücklichen Wunsch der Veranstalter, dem Vorwurf der antisemitischen Hetze mutig und offen entgegenzutreten, betritt eine junge Frau die Bühne. Untermalt von Musik liest sie die Namen vieler getöteter Kinder vor, die in den letzten drei Wochen ums Leben kamen. Name, Alter und Herkunft werden öffentlich gemacht. Keines der Kinder ist über fünf Jahre alt.

Foto: Sophie Mathiesen

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Unter den versammelten Menschen entdecken wir einige bekannte Gesichter. Günther Wimmer ist wieder da, dem wir schon auf der Kundgebung gegen Antisemitismus am vergangenen Dienstag begegnet sind. Er hält immer noch dasselbe Schild hoch. Und auch die beiden palästinensischen Gegendemonstranten treffen wir wieder. Diesmal allerdings in entspannterer Stimmung, nachdem sie das letzte mal so bedrängt wurden.

Aber auch hier ist die Wut spürbar, die den Menschen in den Knochen sitzt. Da treffen Altkommunisten auf verzweifelte Angehörige und sie stehen zusammen für den Frieden. Schnell wird das Ungleichgewicht dieses Krieges zum Thema. Da kritisiert mancher dann nicht mehr nur die Politik der israelischen Regierung, sondern den Einfluss von Juden in den westlichen Gesellschaften generell. Dieser Einfluss sei der Grund, weshalb Israel niemals Sanktionen zu fürchten habe. Weshalb kein westlicher Staat eingreifen werde, ganz gleich ob alle Menschen im Gazastreifen sterben.

Foto: Sophie Mathiesen

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Unterdessen verteilt ein zwölfjähriger Junge einen Stapel zusammengehefteter Informationsblätter. Auf der ersten Seite findet man eine Aufstellung der Kriegsgeschehnisse seit 1946. Darauf folgen seitenweise Bilder von getöteten Kindern, die in keinem deutschen Medium gezeigt werden, weil sie schlichtweg zu brutal und gewalttätig sind. Der Junge, der den Umherstehenden die selbst gedruckten Broschüren in die Hand drückt, scheint die verstörenden Bilder beunruhigender Weise gut zu kennen.

Insgesamt ist es eine sehr friedliche Kundgebung an diesem Samstag, bei der den Menschen ein tiefes Bedürfnis nach einem Ende der blutigen Auseinandersetzung in Nah-Ost anzumerken ist. Als es heftig zu regnen beginnt, stellen sich die Ströme an shoppenden Samstags-Touristen ein, die im Vorübergehen neugierige Blicke auf die Versammelten werfen. Diese bleiben trotz Gewitter stehen, wo sie sind und rufen weiterhin laut „Freiheit für Palästina!“

Foto: Sophie Mathiesen

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