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Liebeserklärung an die Schanigärten

Wie konnte ich jemals behaupten, im schönsten Viertel der Welt gewohnt zu haben, bevor ich diesen Ort MIT den neuen Schanigärten kannte? Ganz ehrlich, das Beste, was in den letzten Monaten passiert ist, sind all die kleinen Terrassen, die gerade nach und nach auf den Parkplatzflächen auf Münchner Straßen sprießen. Und während der Sommer in der Stadt Einzug hält, können wir plötzlich gemütlich an der frischen Luft sitzen und den Platz, der einst für Autos da war, einnehmen. Pop-Up Lanes und Schanigärten: Es scheint, als sei die Devise für diesen Sommer „Wir holen uns die Stadt zurück!“. Weniger Platz für Autos, mehr Platz für uns. 

Was Wien schon lang kann, können wir plötzlich auch

Wer schon einmal in Wien oder einer anderen Stadt war, in der Holzstege und Restaurantterrassen auf der Straße normal sind, kennt das Gefühl von Dolce Vita vielleicht. Es beschleicht uns, wenn wir durch die sommerliche Stadt schlendern und der Sommertag gegen Abend langsam etwas kühler wird. „Ach, lass uns doch mal einkehren!“ Die Straßen sind belebt, aber nicht in der stressigen Art und Weise Richtung „Fußgängerzone am Samstag Nachmittag“, sondern auf eine gemütliche, gelassene Art. Eine Art, die sich ein bisschen nach Urlaub anfühlt. Und genau dieses Gefühl spürt man jetzt auch, wenn man durch München flaniert. Ja, es gab Terrassen auch schon davor. Aber noch im letzten Sommer bedeutete Restaurant-Terrasse auf engstem Raum mit möglichst vielen Leuten auf einem Gehweg zusammengepfercht zu sein. Keinen Meter weiter dann normalerweise parkende Autos inklusive knallender Türen, Abgasen und allgemein stressiger Stimmung.

Dieses Jahr ist das anders: Vorhang auf für die Schanigärten!

Schanigarten bedeutet übrigens nicht Garten im klassischen Sinne. Gemeint sind damit Terrassen und Stege, die vor Restaurants aufgebaut werden. Häufig sind diese umzäunt oder mit Pflanzen dekoriert. Der Name kommt übrigens vom österreichischen Wort Schani, das Kellner und guter Freund bedeutet, damit erklärt sich der Sinn von diesen Orten eigentlich schon von selbst.
Nach Monaten von Isolation können wir jetzt also auf spontan gebauten Holzstegen unter Sonnenschirmen, Pflanzen, Lichterketten und allerlei anderem Schnickschnack gemütlich mit Abstand zueinander sitzen und für wenigstens einen Moment einmal die Zeit vergessen. Wenn schon kein Urlaub, dann eben Dolce Vita vor der Haustür.

Haben wir unsere Lieblingsrestaurants und Bars in den letzten Jahren schon geliebt, wird es jetzt an den meisten Orten noch schöner. Da stellt sich einem die Frage, warum es eigentlich erst eine globale Pandemie braucht, um Freischankflächen auszuweiten. Dass nicht so viele Parkplätze benötigt werden, merkt man ja auch schon im Winter. Sobald es so kalt wird, dass die Scheiben morgens freigekratzt werden müssten, steht plötzlich kaum noch ein Auto auf den Straßen, sondern hat es muckelig warm in der hauseigenen Tiefgarage. Warum kann es da nicht auch im Sommer residieren? 

Egal, wie der Verlauf von Corona weitergeht, können wir nicht einfach diese Schanigärten weiter behalten? Ein bisschen Bayerische Gemütlichkeit verträgt die Münchner Innenstadt doch auch abseits der Biergärten. 


Foto: © Nage und Sauge

Sophia Hösi
2 Comments
  • Ben
    Posted at 22:02h, 11 Juli

    Unterstreiche ich voll und ganz. Ich hoffe, das kann auch in Zukunft so beibehalten werden. Einziger Wunsch wäre, dass Ersatzparkmöglichkeiten für Anwohner erlaubt werden. Ich selbst bin auf das Auto angewiesen und habe teils schon Probleme einen Parkplatz zu finden, der fußläufig im Rahmen ist.

  • Herbert Gerhard Schön
    Posted at 22:51h, 12 Juli

    Ja freilich!
    Von mir aus können wir dieses Wohlgefühl sehr gerne bis zur IAA 2021 aufheben, wenn wir Münchner*innen dann auch noch ein Begrüßungs-Programm „Hallo IAA, herzlich willkommen in München!“ beisteuern werden: LIVING CITY LAB => https://bn-muenchen.de/living-city-lab-verkehrswende-wird-erlebbar/

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