Kultur

Lokiboi – über Gehirnwäsche und Partykultur

Am Freitag war der junge Produzent Lokiboi im Kong. Die Jungs von On The Drop haben ihn geholt und sagen selbst: „Wir hatten noch nie so einen gesprächigen DJ im Kong.“ Wir waren zusammen essen und haben anschließend mit Bier und etwas Gras einen sehr witzigen Abend eingeleutet.

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Vor zwölf Jahren ist Lokiboi nach London gezogen. Er ist dort zur Schule gegangen, hat Musik studiert und ist zur Zeit einer der Untergrundstars in der londoner Clubszene. Gebürtig ist er aus Moskau und ihn verbindet noch viel mit seiner Heimat. Er produziert seine eigene Musik und verschenkt davon richtig viel. Eigentlich läuft er auf namhaften Labels, wie TopBillin aber über das Webmagazin XLR8R und dessen Soundcloudaccount kann man sich viel von Lokiboi saugen.

„I´m here for everyone.“

Gerade in der Musikszene ist es wichtig, immer präsent zu sein, den Leuten immer wieder einen Happen hinzuwerfen und sich auf keinen Fall zu verstecken. Dass Lokibois Sound richtig krass nach UK klingt, liegt daran, dass London zu einer neuen Heimat für ihn wurde. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wird er in Russland richtig gefeiert. Aber auch in Berlin war er schon viel unterwegs. Für ihn ist das viele Reisen und die Verbindung von Gigs im Osten und Westen Europas sein Antrieb und eine Lebensentscheidung.

„You just see things, different cultures and different people. Especially in club scenes. The german party people are very rough by the way. It´s different styles and different drugs.“

Vier Tage durchfeiern und immernoch dastehen wie ne Eins. Da hat er im Sisyphos in Berlin wohl einige Gestalten gesehen. Aber so ein richtiger Drogentyp à la Väth ist er nicht. Nur die tiefe Liebe zum Kiffen ist auch schon auf seinem Facebookprofil erkennbar. Gerade in der Partyszene ist es nicht leicht, sich davon zu distanzieren. Für ihn ist aber das Zusammenkommen verschiedenster Leute, die gemeinsam etwas auf die Beine Stellen und gemeinsam in der Musik versinken das Faszinierende daran.

Foto: Christoph Kürbel Lokiboi (links), Jens Milkovsky von "On the Drop" (rechts)

Foto: Christoph Kürbel
Lokiboi (links), Jens Milkowski von „On the Drop“ (rechts)

Nachdem er im Kong gespielt hat, fliegt er am nächsten Tag gleich weiter und spielt in einem Frisörsalon in Kiew. Gerade für ihn als Russen eigentlich zur Zeit kein gutes Pflaster könnte man meinen. Aber da merkt man eben, wie Musik tiefe Gräben überwindet. In Lokibois Augen gibt es keinen Grund sich zu bekriegen, aber er sieht auch, wie die Staaten immer expansivere Politik betreiben. Gerade die Einflussnahme europäischer Staaten im Konflikt in der Ukraine ist für ihn nicht nachvollziehbar. Als sehr internetaffiner Typ merkt er auch, welche Rolle die Medien dabei einnehmen und dass auf beiden Seiten wahrscheinlich viel vertuscht und schöngezeichnet wird.

„What about the government media? Do they brainwash you as well here? „Putin is bad, Putin is bad“ all the time and it´s big time watching.“

Als das Flugzeug MH17 in der Urkaine abgeschossen wurde war Putin wohl auf den Titelseiten vieler britischer Tageszeitungen. Und sofort war er der Schuldige. Es ist vor allem so erstaunlich wie viele sich davon wirklich beeinflussen lassen und wie die Stimmung in den Gesellschaften kippt. Die Gesellschaften zwischen Ost und West werden sehr stark polarisiert und dadurch wird grenzübergreifende Freundschaft und Zusammenarbeit verhindert. Ist doch fürn Arsch. Was dagegen hilft ist nur der Austausch und der läuft bei Lokiboi über Musik. Ein kreativer Weg um Barrieren abzubauen und sich zu finden.

MUCBOOK bedankt sich herzlich für das tolle Gespräch. Lokiboi ist ein richtig starker Typ.

 

 

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