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M94.5 kämpft gegen die Bedeutungslosigkeit

Jan Rauschning-Vits

Don't worry, look shabby!
Trägt seit kurzem Schnauzer
Jan Rauschning-Vits

M94.5 ist ein Ausbildungssender. Er ist nach seiner UKW-Frequenz benannt und steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Die BLM, die bayerische Landesanstalt für neue Medien will ihm die begehrte UKW-Frequenz wegnehmen und der Rock Antenne geben.

Am 16. Februar entscheidet der Hörfunkausschuss, der aus 16 Mitgliedern besteht, ob dieser Frequenzwechsel tatsächlich stattfindet. Bei M94.5 sieht man die eigene Existenz bedroht. Beim heutigen Pressegespräch mit Mitgliedern des Senders und Journalisten, sah man den jungen Medienmachern die Verzweiflung deutlich an. Außer in der Öffentlichkeit für ihren Sender zu werben, der im vergangenen Jahr immerhin schon seinen 20. Geburtstag feierte, können sie nichts tun.

Denn die afk, unter dessen Leitung auch M94.5 betrieben wird, ist selbst ein Baby der BLM. Damit kämpft man im Prinzip gegen den eigenen Schöpfer. Dort ist man zwar stolz auf seinen erfolgreichen Ausbildungssender, sieht aber keine Notwendigkeit diesen weiterhin auf einer eigenen UKW-Frequenz senden zu lassen. Ausbildung funktioniere nämlich auch im Digitalradio. Die Macher des Senders fürchten jedoch, dass sie bis zu 90 Prozent ihrer Hörer verlieren könnten. Ohne UKW sind sie über ein normales Autoradio nicht mehr zu empfangen.

Man kämpft gegen die Bedeutungslosigkeit.

Am Wochenende steigt deswegen ein Soli-Festival im Feierwerk. 18 Bands und DJs kommen ins Feierwerk, um dort für den Spartensender Welle zu machen. Der Eintritt ist auf Spendenbasis, die Bands spielen umsonst. Sichtlich gerührt zeigten sich die Jungjournalisten, dass viele Bands von sich aus auf M94.5 zugekommen sind, um zu helfen.

M94.5 sei nicht bloß ein Ausbildungssender, sondern ein wichtiger Bestandteil der Kulturstadt München, sagte ein Vertreter des Feierwerks heute Mittag beim Pressegespräch vor rund einem Dutzend Journalisten. Geladen wurde in einen Seminarraum im Institut für Kommunikationswissenschaft. Auch das Institut ist ein Freund und Mitbegründer des Senders.

Wie es weitergehen soll mit M94.5 wenn die Frequenz tatsächlich wegfallen würde – dass kann sich noch keiner richtig vorstellen. Die Attraktivität des Senders speiste sich vor allem daraus, dass es sich um einen richtigen Sender handelt. Hier wurden bisher nicht nur Trockenübungen gemacht, sondern ein richtiges Radioprogramm über 24 Stunden.

Im digitalen Niemandsland ist diese Attraktivität nicht mehr vorhanden.

Für M94.5 geht es um alles. Ein ehemaliger Praktikant hat eine Petition gestartet. Eine Unterschrift hat nur symbolischen Wert. Der Entscheidung des Hörfunkrates ist man schutzlos ausgeliefert.

1Comment
  • Heinrich. Kultur. Medien.
    Heinrich Rudolf Bruns
    Posted at 08:41h, 07 Februar

    So wichtig und richtig die UKW-Frequenz für M94,5 ist, den Halbsatz „ dass es sich um einen richtigen Sender handelt.“ bekrittele ich doch arg. Auch DAB ist ein richtiger Sender.
    Das halte ich für sehr fahrlässig formuliert.

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