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Meine Halte – Folge 11: Universität

Meine Haltestelle

So ziemlich jeder Münchner hat eine und verbringt dort mehr Zeit als ihm lieb ist. Haltestellen sind seltsame Zwischenorte. Wir sind eigentlich nur dort, weil wir woanders hin wollen. Auf dem Heimweg zählen wir den Countdown bis zu unserer Haltestelle. Wir holen dort sehnsüchtig erwarteten Besuch ab. Viel öfter als wir es zugeben wollen, haben wir kurz vor Ladenschluss beim Haltestellenkiosk, -bäcker, imbiss "eingekauft". Regelmäßig sprinten wir ihr entgegen, damit wir doch noch die Bahn, Tram oder den Bus erwischen, der uns zu unserem eigentlichen Ziel bringt. Höchste Zeit, dass wir uns unsere Haltestellen ein bisschen genauer anschauen und deshalb stellen wir euch künftig jede Woche eine Haltestelle des MUCBOOK-Teams vor.
Meine Haltestelle

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Für Stadtteil-Patrioten ist sie die letzte U-Bahn-Haltestelle der Maxvorstadt mit verheißungsvollem Namen: Universität! – die Haltestelle zwischen Schickeria-Schwabing, Englischer Garten und Museumsviertel.

Heute geht es wieder los… nach drei Monaten fast gespenstischer Ruhe spucken die Züge im 3-Minuten-Takt wieder Schwärme an jungen Erwachsenen aus, die zielstrebig oder noch zielsuchend dem (meinem) Ausgang entgegenströmen. Es ist Semesterstart, 8Uhr morgens, und wir stehen an der U-Bahn-Haltestelle UNIVERSITÄT.

Die große neue Treppe oder die andere?

Ihre zwei unterschiedlichen Aufgänge spielen gerade bei Studienanfängern eine wichtige Rolle, wenn es um Nachfragen bezüglich der Wegbeschreibung geht: “Muss ich jetzt die große neue Treppe hoch oder die andere?” Vermutlich ist es erst mal enttäuschend, dass gerade nicht diese “schöne Treppe” hinauf zum Wissenstempel führt, sondern die andere, die kleine, bescheidene, dunkelgraue und unscheinbare Treppe. Hier begrüßt dich dann Didi mit einem freundlichen “griaß Di” oder “Servus” vor seinem Obststandl, wenn du ihm nicht eh in den Schoß stolperst, weil er gerade zufrieden lächelnd auf seinem Hocker die Sonne anbetet. 😉 Die Prachttreppe hingegen bereitet dich in südlicher Richtung schreitend auf König Ludwigs Vorzeigestraße mit Ludwigskirche, Staatsbibliothek, Hofgarten und Feldherrnhalle vor!

“Ich muss wieder zurück zur Uni”

…kann aber auch ziemlich seltsam wirken, wenn man das spätabends nach einem feuchtfröhlichen Abend auf die Frage “und wo musst du jetzt hin?” antwortet. Manchmal erntet man von Kommilitonen aber auch ein “Boah cool, du wohnst an der Uni?!”.

An der Universität zu wohnen hat wie überall seine Vor- und Nachteile:
Man kann zum Beispiel bis knapp vor Vorlesungsbeginn noch an der Kaffeetasse daheim schlürfen und dann doch aus dem Haus zu stürzen (auch wenn man dann meist genau knapp zu spät kommt)… Es ist auch ziemlich praktisch, denn wenn du zwischen zwei Vorlesungen schnell daheim aufs Klo rennst, bist du immer noch schneller als deine Kommilitonen, die sich in die Schlange am Uniklo einreihen. Im Sommer wohnt man eben nur einen Katzensprung vom Eisbach, dem Englischen Garten und dem Monopteros entfernt.
Und natürlich kann es schön sein, das Leben zwischen Ludwig- und Leopoldstraße vom Schreibtisch aus mitzukriegen; eben diesem bist du manchmal aber auch ausgeliefert, wie den 9-Stunden-Dauertrommlern während des Stadtmarathons. – Und: wenn du daheim zwischendurch besseren Empfang vom lrz-Uni-WLAN hast als von deinem eigenen Router, dann fällt das “Abschalten” nach Semesterende doch auch irgendwie schwer.

Dann dauert’s halt mal länger…

… wenn man abends unterm Semester mit der U-Bahn fahren will, man aber zwischen all den wissbegierigen und Feierabend ersehnenden Studierenden keinen Sardinendosenplatz in der U-Bahn findet, und man zwischen zwei und drei Züge fahren lässt, bis man sich als erster hineinschlängelt. Meist sind die Züge nach zwei Stationen auch schon leerer – egal in welcher Richtung, denn sowohl am Marienplatz als auch an der Münchner Freiheit steigen viele aus.

Oder: auch das kann das Wohnen an der Universität, du erreichst Innenstadt und Schwabing ganz einfach – und manchmal schneller – auch fußläufig! Man ist hier irgendwie mittendrin, muss es aber auch dank der kleinen Rückzugsorte in den vielen Seitenstraßen sein.

Flaneure braucht die Stadt!

Und allen Studienanfängern sei an dieser Stelle auf den Weg mitgegeben: Streift durch die Straßen, Cafés, Lokale, Plätze in der Uni-Nähe, hier ist schließlich nicht umsonst vor 100 Jahren die Münchner Bohème entstanden und die definierte sich bekanntlich übers Flanieren! 🙂


Text und Beitragsbild: Valerie Kiendl

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