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Meine Halte – Folge 12: Albrechtstraße

Meine Haltestelle

So ziemlich jeder Münchner hat eine und verbringt dort mehr Zeit als ihm lieb ist. Haltestellen sind seltsame Zwischenorte. Wir sind eigentlich nur dort, weil wir woanders hin wollen. Auf dem Heimweg zählen wir den Countdown bis zu unserer Haltestelle. Wir holen dort sehnsüchtig erwarteten Besuch ab. Viel öfter als wir es zugeben wollen, haben wir kurz vor Ladenschluss beim Haltestellenkiosk, -bäcker, imbiss "eingekauft". Regelmäßig sprinten wir ihr entgegen, damit wir doch noch die Bahn, Tram oder den Bus erwischen, der uns zu unserem eigentlichen Ziel bringt. Höchste Zeit, dass wir uns unsere Haltestellen ein bisschen genauer anschauen und deshalb stellen wir euch künftig jede Woche eine Haltestelle des MUCBOOK-Teams vor.
Meine Haltestelle

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Die 43er Nachtlinie rumpelt nachts einmal durch die ganze Stadt. Dabei saugt sie wie ein großer blauer Staubsauger lallende Nachtschwärmer auf und spuckt sie an beliebiger Stelle – Münchner Freiheit, Rotkreuzplatz oder Harras – wieder aus.

Ritterlich

Nach einem einstündigen Höllenritt vom Ostbahnhof über Giesing und das Westend, setzt mich dieser fahrende Ritter von einem Nachtbus an der Albrechtstraße aus. Die lange Fahrzeit und die anderen Betrunkenen sind mir egal – ich bin glücklich, dass in München nach 1 Uhr überhaupt noch etwas fährt.Geblendet vom hell erleuchteten Audizentrum stehe ich auf der Busspur, mitten auf der sonst so viel befahrenen Leonrodstraße. Es ist Nacht, alles ist still. Nur ein paar Autos rauschen vereinzelt links und rechts an mir vorbei. Die beschauliche Kreuzung ist leer, nur der Bäcker wurschtelt schon in seiner Backstube.

Unaufgeregt & unscheinbar

Hier, zwischen Rotkreuz- und Leonrodplatz, wohne ich. Die Haltestelle „Albrechtstraße“ ist genauso unscheinbar wie die Querstraße, nach der sie benannt ist. Hier geht es unaufgeregt und ungentrifiziert zu: Tanke statt Späti, Penny statt BioBasic und eine super Tapas-Bar ums Eck, die ganz ohne schickes Interior-Design auskommt.

Reich & ranzig

An der Grenze zur Maxvorstadt, aber trotzdem noch Neuhausen, liegt meine Haltestelle gefühlt mitten in der Innenstadt. Denn die Anbindung an die Öffis ist ein Traum. Hier hält der 53er Bus, der bekanntlich beste Bus der Stadt. Außerdem zuckelt hier auch die 12er Tram vorbei, die ab und an den Boden in meiner Wohnung im zweiten Stock vibrieren lässt. Sie verbindet die reichen mit den ranzigen Stadtvierteln, Nymphenburg mit Milbertshofen.

Tram und Bus wechseln sich im Drei-Minuten-Takt ab, langen Wartezeiten gibt es hier nicht. Ganz ohne die MVV-App aufzumachen, kann ich einfach aus dem Haus schlendern – irgendwas kommt eh immer. Und für den Heimweg ist dann wieder auf meinen Nachtbus Verlass. Ich bin auf jeden Fall ein Fan.


Text und Beitragsbild: Josephine Musil-Gutsch

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