Kultur, Was machen wir heute?

Mit den Füßen im Sand

Josephine Musil-Gutsch

Schreibt am allerliebsten ausschließlich über das, was ihr wirklich am Herzen liegt.
Josephine Musil-Gutsch

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Nach drei Monaten geht am Sonntag der Kulturstrand an der Ludwigsbrücke zu Ende. Auch dieses Jahr war wieder reichlich Programm für Jung und Alt geboten. Organisatorin Ulrike Bührlen von den urbanauten hat mit mucbook über die Erfahrung Kulturstrand gesprochen. Während die Kinder im Vater-Rhein-Brunnen planschen und Sandburgen bauen, genießen die Erwachsene Ausstellungen und Livemusik unter freiem Himmel. Der Kulturstrand ist ein Ort, an dem man mitten in der Stadt ein bisschen Urlaub haben kann. Die Besucher des diesjährigen Kulturstrandes begeistert. Uli Steinmair aus München, Mutter einer kleinen Tochter und eine von vielen regelmäßigen Besucherinnen, hat vor allem viel Spaß am Kulturstrand an der Ludwigsbrücke: „Ich finde es hier besser als an der Corneliusbrücke. Für mich als Mutter ist die Lage ideal, der Strand ist nahe an meiner Wohnung und das Konzept mit dem Wasser finde ich toll. Meine Tochter kann sich hier im Brunnen austoben und mit anderen Kindern spielen.“ Zum Abschluss des Kulturstrands hat mucbook mit Ulrike Bührlen von den Urbanauten, Macherin des Kulturstrands, gesprochen.

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Hat das Wetter immer mitgespielt?
Leider nein. Der Sommer war bis jetzt oft etwas verregnet. Veranstaltungen mussten bei Regen leider abgesagt oder verlegt werden. Wenn das Wetter aber schön war, war hier immer eine Menge los. Die Leute haben den Kulturstrand dann sehr genossen.

Wie seid ihr auf die Idee mit dem Lindwurm und den Regenschirmen gekommen?
Letztes Semester war ein Architekturwettbewerb für Studenten für die besten Gestaltungsideen für den Kulturstrand ausgeschrieben. Wir haben sehr viele Einsendungen mit tollen Ideen bekommen. Durchgesetzt hat sich dann Anna Bischoff mit ihrer Idee für den Lindwurm als 112 Meter langen, überdimensionalen, sich über den ganzen Strand ziehenden Sitzsack. Die Schirme sind eigentlich nur zur Beleuchtung da. Wir kamen auf die Idee das Lichtproblem so zu lösen, weil die Regenschirme witzig aussehen und indirektes Licht abgeben.

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Dieses Jahr ist der Kulturstrand zum ersten mal an der Ludwigsbrücke, gewöhnlich ist er ja an der Corneliusbrücke oder vor der Uni. Der neue Standort kam bei den Münchnerinnen und Münchnern gut an. Aber schon nächstes Jahr wird der Strand wieder an die Corneliusbrücke zurückverlegt. Warum kann er nächstes Jahr nicht wieder hier stattfinden?
Das ist eine gute Frage. Es gab einen Stadtratsbeschluss, der den Veranstaltungsort für dieses und das nächste Jahr bereits festlegte. Das eröffnet uns Planungssicherheit und so können wir schon frühzeitig mit Vorbereitungen beginnen.

Gab es bei der Organisations Probleme mit dem Stadtrat?
Dieses Jahr gab es eigentlich kaum Knatsch. Wir wussten ja schon letztes Jahr, dass der Kulturstrand hier stattfinden würde. Daher konnten wir den Architekturwettbewerb auch genau für diesen Ort ausschreiben, uns frühzeitig vorbereiten. Natürlich gibt es immer wieder Angelegenheiten, die noch kurzfristig abgestimmt und angepasst werden müssen. Aber im Großen und Ganzen war die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat sehr gut. Wir hatten hier drei schöne Monate.

Uns hat es hier auch sehr gut gefallen. Vor allem vom Lindwurm waren viele Leute begeistert. Nun sucht er ein Quartier für den Winter. Habt ihr schon Angebote?
Leider nein. Wir suchen immer noch eine Unterkunft für ihn. Er kann auch gerne in Benutzung bleiben. Wir hatten eigentlich schon ein Lager zur Zwischennutzung gefunden. Die würde aber leider schon im Oktober wieder aufhören. Also suchen wir jetzt gleich eine Unterkunft bis Mai. Wer eine Idee hat, wo der Wurm bleiben kann, kann sich gerne bei uns melden.

Die Urbanauten sorgen immer wieder dafür, dass der öffentliche Raum in München so schön und genießbar wird. Welche Projekte, neben dem Kulturstrand, machen unsere Stadt in nächster Zeit mal wieder besonders lebenswert?
Als nächstes steht das Corso Leopold an, ein Straßenfest auf der Leopoldstraße in Zusammenarbeit mit dem Streetlife Festival. Danach werden wir auch nicht in den Winterschlaf verfallen. Diese Zeit ist immer die kreative Phase zur Ideenfindung für das nächste Jahr.

Was genau wünschen sich die Urbanauten noch für den öffentlichen Raum in München? Wie viel Potenzial hat München noch?
München hat sicherlich noch einiges am Potenzial. Die Bürgerinnen und Bürger genießen den öffentlichen Raum. Darum wollen wir noch mehr Ort schaffen, wo das Platzleben ganz selbstverständlich ist. Das kann so sein wie hier am Kulturstrand, wo man seine Füße in den Sand steckt, sich entspannt, mit seinen Sitznachbarn ins Plaudern kommt. Das können aber auch Orte sein wie der Gärtnerplatz oder der Platz vor der Glyptothek, wo solche Situationen spontan entstehen. Von solchen Orten braucht München einfach noch mehr. Daher wünschen wir uns etwas mehr Mut, etwas mehr Möglichkeiten von Seiten der Stadt. Zusammen mit dem Arbeitskreis Isar Luft, den wir zusammen mit dem Münchner Forum gegründet haben, ist unser größtes Projekt der innerstädtische Isarraum. Dort gibt es noch so viele Möglichkeiten, von Bademöglichkeiten über Flöße bis zu längerfristig angelegten Projekten. Bei unserem Architekturwettbewerb waren viele Ideen für solche dauerhaften Anlagen dabei. Mal sehen, vielleicht wird es eines Tages keinen Kulturstrand mehr geben, dafür aber ein Kulturfloß, das hier andockt und auf dem die Veranstaltungen dann stattfinden.

Was war dieses Jahr dein persönliches Highlight am Kulturstrand?
Für mich ist der Brunnen mit dem roten Sitzsack das Highlight. Das kommt daher, da ich eine kleine Tochter habe. Sie liebt diesen Brunnen. Sobald die Temperaturen es zulassen, ist sie sofort mit den vielen anderen Kindern am Planschen und Spielen. Die Atmosphäre ist dann einfach toll. Abends gehen dann die kleinen Kinder nach Hause und dann spielen die großen Kinder im Sand. Es ist rund um die Uhr was los, die Stimmung ist immer großartig. Ich habe die Zeit hier immer sehr genossen.

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Wie kriegt ihr eigentlich den ganzen Sand wieder weg?
Nächste Woche kommt ein Bagger, der den Sand auf einen LKW schaufelt. Unter dem Sand ist Vlies, so dass wir den Rest dann noch gut zusammenschütteln und wegkehren können. Einmal hatten wir aber schon den Fall, dass wir den ganzen Sand in Schubkarren laden und auf einen Haufen werfen mussten. Erst dann konnte der Bagger den Sand wegschaffen. Hier haben wir solche Probleme aber nicht, da die Fahrzeuge guten Zugang haben.

Was ist ihr Fazit für dieses Jahr Kulturstrand?
Der Ort war genial. Ich würde mir wünschen, dass hier öfter Veranstaltungen stattfinden, auch andere, als der Kulturstrand. Hier an der Ludwigsbrücke, wo München gegründet wurde, ist ja leider sonst nicht sehr viel los. Es war toll, diesen historisch wertvollen Ort zu einem Treffpunkt für Jung und Alt zu machen. Viele haben diesen innerstädtischen Ort neu für sich entdeckt, der lange Zeit überhaupt nicht wahrgenommen wurde.

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Dieses Interview führten: Claudia Riedlberger & Josephine Musil-Gutsch, Fotos: Claudia Riedlberger

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