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„München, es ist heeeeeß!“: Bilderbuch auf dem Tollwood

Juliane Becker

Theaterwissenschaftlerin, Katzenfreundin und Journalistin. Schreibt bei mucbook über Theater, Konzerte und eigentlich alles, was irgendwie mit Kultur zu tun hat.
Juliane Becker

Schlappe dreißig Grad hat es draußen, als die vier Jungs von Bilderbuch zum Konzert bitten – macht nichts, die Stimmung in der Tollwood-Musikarena ist trotzdem grandios. Grund dafür ist zunächst einmal, dass es dort Sitzplätze gibt – mit steigendem Alter freut man sich nun mal über sowas – außerdem haben Sänger Maurice und seine Crew einen ganz besonderen Überraschungshappen mitgebracht. Niemand geringeres als die Durchstarter von AnnenMayKantereit spielen als Vorband. Henning Mays unglaubliche Stimme lässt das ganze Zelt erbeben, die Begeisterung ist riesig.

Es wird noch eine Stunde dauern, bis die Österreicher auf der Bühne folgen werden, aber sobald sie das Konzert mit Schick Schock beginnen, ist klar: Bilderbuch ist nicht einfach nur eine Band, Bilderbuch ist ein Erlebnis. Sänger Maurice weiß sich perfekt in Szene zu setzen, hat die selbstüberzeugte Gestik eines jungen Imperators und ist sich auch nicht zu schade, die auf die Bühne geworfenen Rosen einzusammeln – der BH, der später fliegen wird, bleibt allerdings unberührt. Sag es laut, jaul es raus, gib es zu/Du bist hinter meinem Hintern her, die Mädchen in der ersten Reihe schauen verzückt, Maurice auch. Er feiert sich selbst schon sehr ab, das merkt man, aber das gehört wohl zum Erfolgskonzept. Diese unaufgeregte Coolness, die Falco’sche Lässigkeit, die Gewissheit: Wir sind die Rettung der österreichischen Popmusik.

Der Schmäh komplettiert die Show natürlich perfekt. „Wir standen ein halbes Jahr nicht mehr auf einer Bühne“, lassen sie das Publikum wissen. Und dann: „Es ist heeeeeß, München!“ Von der Decke tropft der Schweiß, bei Maschin explodiert das Zelt. Zu OM wiegen Teenies und Mittvierziger die Hüften, als Bilderbuch noch zum Abschluss ihre zehn Jahre alte Discokugel hervorkramen, schwingt jeder Einzelne seine Beine, Baby. Bitte heißt uns ganz bald wieder im Dschungel willkommen. Wir brauchen Musiker wie euch.


Bildquelle: Heribert.com

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