Rathausschau, Stadt

München ist bunt – und nicht Pegida!

Nora Niedermeier

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Am 12.1.2015 versammelten sich mehrere zehntausend Menschen rund um den Sendlinger Tor Platz um gegen den Aufmarsch der Bagida zu demonstrieren. Mit prominenten Rednern und verschiedenen Instrumenten setzten die Münchner ein Zeichen für eine multikulturelle Gesellschaft und eine bunte Stadt – die Bagida-Anhänger mussten sich letztendlich geschlagen geben.

„München ist bunt!“

Die Demonstration des Pegida-Ablegers Bagida („Bayern gegen die Islamisierung des Abendlandes“) war um 18:30 Uhr auf der Seite des Sendlinger-Tor-Platz-Brunnens geplant. Mit dem Slogan „Platz da! Für ein buntes weltoffenes München“ rief die Stadt München, verschiedene Religionsgemeinschaften und viele Parteien und Verbände eine Stunde früher zu einer Gegendemonstration auf. Und so standen knapp 1.300 Pegida-Demonstranten einer Gegendemonstration gegenüber, die fast zwanzig mal so groß war. Zu der Pegida-Demonstration hatten die NPD und andere rechte Institutionen aufgerufen, laut den München-ist-bunt Veranstaltern waren rund 80-100 bekennende Neonazis anwesend. Gleichzeitig fand am Weißenburger Platz ein Aufmarsch von Mügida statt, allerdings mit wesentlich weniger Teilnehmern: Hier standen etwa 25 Teilnehmer 150 Gegendemonstranten gegenüber und so wurde diese Veranstaltung schon nach ca. 45 Minuten beendet.

Um 17.30 eröffnete Oberbügermeister Dieter Reiter die Veranstaltung: „Wir werden das Feld nicht denjenigen überlassen, die die Gesellschaft spalten wollen. Wenn wir Angst haben, haben sie gewonnen.“ Mit diesen Worten richtet er den Blick bewusst auch nach Paris, dessen aktuelle Geschehnisse eines der zentralen Themen der Veranstaltung waren.

„Wir lassen uns nicht durch Hass spalten!“

Interessant in diesem Zusammenhang war die Instrumentalisierung dieses Themas auf beiden Seiten: Sowohl auf der Pegida Seite als auch auf der Seite der Pegida Gegner sind Schilder mit dem Slogan „Je suis Charlie“ zu sehen. Anhänger der Pegida skandieren: „Ihr Isalm-Verhamloser! Ihr seid nicht Charlie!“ doch Reiter setzt dem entgegen: „Es sind Muslime, Christen und Juden hier und wir sind alle Münchner! Wir lassen uns nicht durch Hass spalten! Nous sommes Charlie, mes amies!“.

Gegen 19:00 Uhr setzten sich die Bagida-Anhänger in Bewegung für ihren „Spaziergang“ in Richtung Stachus. Offiziell war die Gegendemonstration jetzt beendet, doch die Münchner dachten nicht daran, den Pegidas das Feld zu überlassen: Fast eine Stunde versperrten sie dem Zug den Weg. „Kein Platz für Nazis in München!“ wurde gerufen und „Schluss mit eurer Propaganda!“. Klägliche „Wir sind das Volk“-Rufe von der Pegida-Seite gingen im schallenden Gelächter ihrer Gegner unter.

„Ihr seid nicht das Volk!“

Es war eine emotionsgeladene Veranstaltung. Das wird vor allem gegen Ende deutlich, die Stimmung ist auf beiden Seiten merklich aufgeladen. Es hagelt Beleidigungen von der Pegida-Seite, Gegendemonstranten klettern auf Trambahnhäuschen und Ubahn-Absperrungen, es gibt hitzige Wortgefechte an den Absperrungen. Doch trotz sechs Verhaftungen spricht die Polizei insgesammt von einer „kreativen, friedlichen Veranstaltung“.

Im Gegensatz zu der Demonstration am 22.12.2014 waren fast 250 mal so viele Pegida-Anhänger auf der Straße – das macht wütend und nachdenklich. Doch die Münchner haben wieder einmal gezeigt, dass sie dem Fremden- und Religionshass keinen Platz lassen wollen in ihrer Stadt. Doch der Spuk ist noch nicht vorbei: Die nächste „Montagsdemonstration“ ist schon angemeldet.

Fotos: Vanessa Fonth

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