Clubs schließen wegen Corona
Aktuell, Kultur

aus is‘ – bekannte Münchner Clubs machen erstmal dicht

Sophie Reuel

Harry Klein, Bahnwärter Thiel, Blitz – die Liste, der Clubs die ihre Tore schließen, wächst heute stündlich. So ganz genau beschreiben kann man gar nicht, was den Münchner*innen gerade im Kopf herumschwirrt. Klar ist, dass sich das Leben in München die nächsten Wochen ändern wird. Kitas und Schulen machen zu, Großveranstaltungen werden abgesagt. Deutschlands bekanntester Virologe, Christian Drosten, hat gestern in seinem täglichen NDR Corona-Update an die jungen Menschen appelliert. Man solle daheim bleiben, lieber eine Serie schauen und Veranstaltungen, die nur zum Spaß dienen, meiden. Das heißt, es hat sich erstmal ausgefeiert.

Offiziell gibt es für Clubs noch kein Verbot oder eine Anweisung, dass sie zusperren sollen. Die ersten Münchner Clubs reagieren trotzdem. Wir haben mal nachgefragt, was es bedeutet, wenn das Harry Klein & Bahnwärter Thiel die Türen schließen.

„Wir machen zu, es ist eher präventiv“

Münchens derzeit innovativster Gastronom, Daniel Hahn, erklärt den Schritt damit, dass er sich als Veranstalter auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung sehe. „Wir wollen uns später selbst keine Vorwürfe machen“, betont Daniel Hahn, Betreiber von Bahnwärter Thiel, Minna Thiel und Alte Utting. Er geht nicht davon aus, dass sich die Situation bald ändern wird. „Ich befürchte, dass es Monate dauert“, sagt Daniel Hahn uns am Telefon. Während der Bahnwärter Thiel komplett schließt, bleiben Alte Utting und Minna Thiel zumindest für die Gastro geöffnet. Jedoch findet das auf Facebook angekündigte Event in der Alten Utting nicht statt.

Eine generelle Schließung aller Clubs ist für David Süß (Harry Klein) nur noch eine Frage der Zeit, genau wie Daniel möchte er jetzt selbstständig handeln und die Türen seines Clubs erstmal zumachen. Durch die Schließung werden laut David auch die Behörden und das Gesundheitssystem entlastet. Es gehe ihm auch darum, Risikogruppen, wie ältere und kranke Menschen aus der Verwandtschaft seiner Clubgäste, zu schützen.

David Süß, der übrigens auch Stadtratskandidat der Münchner Grünen ist, fordert im Gespräch mit MUCBOOK auf, „dass wir uns alle den Ernst der Lage bewusst machen“, denn noch funktioniere das Leben der Münchner*innen fast wie gewohnt. Das werde aber nicht so bleiben. Folglich ist es sinnvoll, die Infektionskurve abzuflachen, indem man Veranstaltungen und große Menschenansammlungen absagt.

Gravierende Folgen für Kunst- und Kulturszene

Laufende Kosten hat ein Club wie das Harry Klein zu Genüge. Angefangen beim Personal, bis hin zu ausstehenden Getränke-Rechnungen und vor allem die Miete. Einnahmen fallen auf unabsehbare Zeit erstmal weg. David Süß ist sich sicher, es kommt ein enormer Verlust auf ihn zu.

Nach Einschätzung von David Süß sind wir von einem Untergang der Münchner Kunst- und Kulturorte weit entfernt. Der Vorsitzende des Verbands der Münchner Kulturveranstalter (VdMK) hofft auf Hilfe von öffentlicher Hand. Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt München hat sich heute Vormittag getroffen, um im Stadtrat Maßnahmen zur Unterstützung der Kulturschaffenden zu besprechen. Laut Florian Roth, Fraktionschef der Münchner Grünen im Stadtrat, wurden in dem Gremium bereits Leistungen für die städtischen Kulturhäuser zugesagt.


Beitragsbild: © Unsplash/Sam Mar

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