Stadt

Nach dem Terror kommt der Alltag

Jana Edelmann
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Bei einem Terroranschlag ist mitten in Istanbul am Sonntag eine Bombe explodiert: Ein Selbstmordattentäter hat sich im Herzen der Stadt, am Verkehrs-knotenpunkt und Touristentreffpunkt des europäischen Teils, in die Luft gesprengt. Schon 24 Stunden später ist kaum ein Nachhall der Explosion mehr zu spüren.

Der Taksim ist die Schlagader der Stadt – und Sinnbild für die Schnelllebigkeit Istanbuls. Nur ein Tag nach dem Attentat verkaufen die Simitmänner wieder ihre Sesamkringel, hupen und schreien die Taxifahrer, hasten die Passanten über den Platz, staunen die Touristen über den Metropolenflair des Platzes.

Die Polizei war Ziel des Attentäters, wie türkische Medien berichtet haben. Am nächsten Tag ist die Polizeistation großräumig abgesperrt. Dahinter: Trubel und Taxichaos wie jeden Tag.

Dass nicht alles so ist wie immer, ist nur an der verstärkten Polizeipräsenz am Taksim zu merken – mal fährt eine Transporter mit Sirenengeheul über den Platz, dann parkt ein Polizeiauto im Fußgängerbereich. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, weiß noch keiner. Die kurdisch-nationalistische Terrorgruppe PKK hat eine Beteiligung zurückgewiesen.

Der Simitverkäufer auf dem Bild hat miterlebt, wie die Bombe explodierte. Ihm ist nichts passiert,  am nächsten Tag steht er wieder an seinem Arbeitsplatz. Den findet er trotz allem nicht gefährlich: „Ich hatte schon Angst, das gab einen Wahnsinnskrach. Ich bin sofort weggelaufen. Aber heute ist ein anderer Tag. Ich glaube nicht, dass so etwas bald wieder passiert.“

Von Furcht oder Vorsicht ist auch bei den Passanten nichts zu spüren – die Massen wälzen sich wie jeden Tag durch die Einkaufsmeile Istiklal Caddesi, die am Taksim entspringt.

Und auch die Touristen lassen sich nicht abschrecken – wie immer ist der Taksim Kulisse für Erinnerungsfotos und Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. „Terror gibt es doch überall – bei uns in Spanien kann das auch passieren“, sagt eine junge Frau, die gerade in die Tram am Taksim einsteigt. Auch eine belgische Reisegruppe mit älteren Herrschaften teilt diesen Pragmatismus: „Der Taksim ist heute bestimmt der sicherste Ort in ganz Istanbul – bei der Polizei überall. Nur gut, dass wir gestern nicht hier waren. Heute passiert bestimmt nichts.“

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