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Nach der Stroke ist vor der ArtMuc

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Kevin Lüdicke auf der Stroke 2014

Kevin Lüdicke auf der Stroke 2014

Knapp vier Wochen nach der Stroke können sich die Münchner auf das nächste Kunstevent freuen – die ArtMuc (29.5 – 1.6).

Das Konzept der ArtMuc ist schnell erklärt. Während der Kunstmarkt in der Vergangenheit von einigen wenigen Akteuren dominiert wurde, besteht heute durch das Internet die Möglichkeit, sich direkt dem Käufern zu präsentieren, ohne eine zwischengeschaltete Galerie.

Die Gebrüder Marco und Raiko Schwalbe, die schon die Stroke Urban Art Fair in München etabliert haben, sehen die ArtMuc als Brücke zwischen Kunstmarkt und Kunstförderung.

Denn „staatliche oder institutionelle Kunstförderung ist lobenswert und notwendig für junge und talentierte Nachwuchskünstler. Sie entlässt jedoch ihre Schützlinge nach einer bestimmten Zeit wieder in ihr alltägliches Leben und in der Regel der Fälle haben sich in der Förderzeit die wenigsten Künstler Gedanken um die wirtschaftlichen Aspekte ihres Künstlerdaseins gemacht“.

Marco und Raiko Schwalbe wollen zwar „das Rad nicht neu erfinden“, zumindest aber „einige Regeln am Markt in Frage stellen“.

Hiermit sind sie nicht die einzigen. Das Bildhauer Netzwerk Sculpture Network, widmet sich seit über zehn Jahren der Aufgabe, Künstler, Sammler und Kunstinteressierte direkt miteinander zu verbinden.

Um das ganze Thema mal etwas näher zu beleuchten, haben wir uns den ehemaligen Stroke Praktikanten und Newcomer der diesjährigen Stroke, Kevin Lüdicke, geschnappt und interviewt.

Kevin Lüdicke

Wie bist du zur Kunst gekommen?
Auf jeden Fall in der Schule. Ich kannte mich nicht besonders gut aus und wusste nicht wie viel Platz für Künstler ist, ob die Welt überhaupt noch einen weiteren Künstler braucht. Ich habe immer sehr viel mit dem Bleistift gezeichnet. Irgendwann kam ich dann auf die Urban Art, kurz danach hatte ich das erste Mal eine Dose in der Hand, obwohl meine Kunst gar nicht in die Kategorie Street Art gehört. Ich habe noch nie etwas auf der Straße gemalt, da ich hauptsächlich Auftragsarbeiten mache.

Du wurdest ja erst kürzlich vom Stroke-Team „entdeckt“, nachdem du hier auf der Stroke ein Praktikum gemacht hast. Wie lief das ab und wie kamst du auf die Stroke?
Das war vor 2 ½ Jahren. Ich wollte unbedingt ein Praktikum machen und habe solange nicht nachgegeben, bis ich es hatte. Dann wurde ich eingeladen für ein Praktikum und in den nächsten Jahren war ich als Helfer tätig. Gezeigt habe ich von meiner Kunst niemanden etwas, aber ich hatte meine Sachen im Internet, und einer aus dem Team ist dann nach einem Gespräch drauf gestoßen. So ging alles irgendwie von selbst.

Worin liegt für dich der Unterschied, wenn du mit einem großen oder kleinen Medium arbeitest?
Wenn ich ein großes Medium habe, habe ich es lieber, wenn ich aus dem ganzen Körper malen kann, da muss dann auch nicht alles so genau sein. Niemand wird Ewigkeiten drauf schauen, vor allem nicht aus der Nähe. Allerdings muss ich oft weit zurücktreten, damit ich eine neue Perspektive drauf bekomme. Da lass ich mich auf das ein, was ich gerade vor mir hab. Wenn ich auf einem kleinen Papier arbeite, muss alles ganz genau sei. Da kann ich es auch nicht haben, wenn nur ein kleiner Finger in die Farbe taucht und einen Fleck drauf macht – da fang ich dann noch einmal von vorne an.

Mit welcher Technik arbeitest du bei deinen großen Wänden? Wie würdest du deine Kunst beschreiben?
Ich arbeite hauptsächlich mit Malerkante. Man legt sie an und kann dann leicht mit der Dose gerade Striche ziehen. Ich selber schneide mir aus gewellter Pappe Malerkanten zurecht, damit kann man sehr gut Schwünge oder Effekte wie Rauch darstellen.
Meine Kunstwerke haben auf jeden Fall viele surreale Elemente, etwas puristisch, aber total modern. Momentan bin ich wieder an einem Punkt, wo sich alles mischt.

Wie ist es mit einem anderen Künstler zusammenzuarbeiten, den man noch nicht kennt. Funktioniert das?
Ja total gut. Ich finde es sehr spannend, nicht alles in der Hand zu haben. Wenn man mehr zusammen arbeitet, gibt es wahnsinnig viele Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. Man inspiriert sich gegenseitig und dabei entsteht ein völlig einzigartiges Kunstwerk, das so nicht reproduzierbar ist, weil es aus dem Moment heraus entsteht.

Wo siehst du den entscheidenden Unterschied zwischen Street Art – Urban Art – klassischer Kunst?
Street Art würde ich hier mal rausnehmen, denn da besteht ein gravierender Unterschied. Street Art ist eine Art der Rebellion. Ich persönlich rebelliere nicht, bei mir geht es auch nicht um bestimmte Motive. Ich habe eine Stimmung und eine Ästhetik im Kopf und suche nach Elementen die dazu passen. Klassische Kunst hat meist ein höher gestecktes Ziel und wie man sich ausdrückt.

Wirst du von einer Galerie vertreten – wie siehst du die Rolle von Galerien in der Kunst? Ein beträchtlicher Teil der Einnahmen der Künstler werden ja hier abgeschöpft.
Das geht bei mir gerade los. Galerien fangen an über mich zu reden, da wird in Zukunft noch viel passieren. Ich persönlich finde es angenehmer mit einer Galerie zu arbeiten. In der Regel sagst du als Künstler, welchen Betrag du dafür haben möchtest und sie schlagen dann ihren Prei drauf. So kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren und muss mich nicht weiter kümmern. Das hat auch viel mit der Bequemlichkeit des Künstlers zu tun. Ich selber kann vor allem kein Preisschild an meine Bilder hängen, da es ein Teil von mir ist, und dadurch in meinen Augen unbezahlbar. Hier sind Galerien sehr hilfreich.

Kannst du von der Kunst leben?
Ich kann davon Leben, aber ich glaube nicht, dass andere Menschen damit zufrieden wären. Ich für meinen Teil kann aber sagen, dass ich 100% damit zufrieden, wobei hier für mich meine Grafikdesign-Arbeiten doch noch wichtiger sind, als meine Kunst.

Was würdest du jungen Künstlern raten, die sich in der Kunstwelt etablieren wollen?
Ich finde wichtig, dass man viel zu solchen Events wie der Stroke geht. Hier findet man viele neue Kontakte und Einflüsse, die einem weiterhelfen. Einfach in die Kunstwelt eintauchen, hier zu arbeiten und mit den Leuten zu reden, wie sie an die Sache rangehen. Das hilft einem enorm weiter und man kann vieles mitnehmen. Ich konnte dadurch für mich ein paar Abkürzungen nehmen. Das wichtigste ist sicherlich hartnäckig zu bleiben.

Wer mehr von Kevins Kunst sehen will, findet alles bei Facebook oder bei Pinterest.

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