Hexenhaus_kolumbusplatz
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Neues aus dem Hause Wannda: ein Hexenhäuschen für den Kolumbusplatz

In der Stadt kommen und gehen die Zwischennutzungen gerade nur so, dass man schnell den Überblick verliert: Während beim Ruffinihaus schon wieder Feierabend ist und wir bald auch um das awi weinen müssen, steht in Giesing ein neues Projekt in den Startlöchern.

Dahinter steckt niemand geringeres als Wannda-Mitglied und Café Gans am Wasser-Mitbetreiber Julian Hahn. Gemeinsam mit seinem Kollegen Florian Jund möchte er am Kolumbusplatz ein Hexenhäuschen entstehen lassen, in dem es unter freiem Himmel Kunst, Kultur, Musik und Getränke gibt. Wir haben uns mit Julian getroffen und uns einiges über das neue Projekt erzählen lassen.

Herangetragen wurde das Projekt an Julian Hahn vom Bezirksausschuss vor Ort, so entstand auch der Kontakt zum Vermieter. Es handelt sich bei dem Grundstück um eines, das die Giesinger Gemüter spaltet – während Hahn direkt Potential in dem Gelände sieht, sind andere da eher unsicher.

Foto: Sophia Hösi

„Mei, was wollen’s mit dem Schandfleck?“

Auf dem Grundstück war bislang keine Gastronomie vorhanden, geschweige denn ein richtiges Gebäude. Aus diesem Grund gibt es auch noch keinen Zugang zu Wasser, Abwasserleitungen und Strom. All das ist nur ein erster Schritt in Richtung neues Café. Trotzdem hat das Team um Julian Hahn und Florian Jund bereits angefangen, alle möglichen Dinge anzusammeln. Bei der Vorstellung daran, was sie dort auf die Beine stellen möchten, gerät Julian Hahn ins Schwärmen:

„Man kann aus der Hütte ein total süßes Hexenhäuschen bauen, drinnen werden wir alles rausreißen und mit dem, was wir so gefunden haben, neu aufbauen. Wir haben ganz viele Ziegel und alte Dachgauben gesammelt, die wir windschief anbringen möchten. Es gibt eine Veranda und die alten Fenster vom Viehhof kommen hier dann rein. Mit Backsteinen vom Viehhof würden wir gerne einen Kamin bauen, aber da müssen wir noch klären, ob man das überhaupt darf.

Innen wird es dann wirklich winzig, da ist Platz für Gastronomie und nicht wesentlich mehr. Das Kulturtangebot soll draußen auf einer kleinen Bühne stattfinden. Das alles möchten wir dann mit einem Naturschindelzaun umschließen und hier so etwas wie eine kleine eigene Welt woanders erschaffen.“

Genau wie das Café Gans am Wasser, ist das Hexenhäuschen durch das Open-Air Angebot auch sehr abhängig vom Wetter. Aber nicht nur diese Ähnlichkeit werden beide Orte teilen:

„Wahrscheinlich werden wir es Café Gans Woanders nennen, angelehnt ans Gans am Wasser. Sicher sind wir uns da aber noch nicht vollständig.“

Der wichtigste Ort soll beim Hexenhaus/Café Gans Woanders der Garten werden. Hier sollen Lesungen, Konzerte und Theaterstücke stattfinden, die das Publikum von einer alten Kutsche und einem Pferdeschlitten aus anschauen kann. Wann genau das alles verwirklicht wird, hänge allerdings auch von den ausstehenden Genehmigungen ab, meint Julian Hahn.

„Außerdem kommen da immense Kosten auf einen zu, eventuell müssen wir noch Geld sammeln, bevor es richtig losgehen kann. Abgesehen davon ist das Vorhaben momentan noch im Genehmigungsverfahren vor der Lokalbaukommission. Ein Mietvertrag unter fünf Jahren macht von unserer Seite aus keinen Sinn, das schaffen wir finanziell nicht. Obwohl wir ja die meisten unserer Einrichtungsgegenstände sammeln uns günstig erstehen, haben wir hohe Ausgaben. Das Programm, das wir anbieten, soll größtenteils umsonst sein. Die Kultur soll dann durch die Gastronomie oder größere Projekte getragen werden — so wie auch in allen anderen Projekten.“

Julian freut sich allerdings schon sehr, ein neues Projekt in einem neuen Stadtteil zu starten: Die Rückmeldungen dafür sind bereits größtenteils positiv.

Durch Zufall zum Veranstalter und Cafébetreiber

„Mein Bruder Daniel hat mich da so reingezogen. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren, wurde aber nicht angenommen. Aktuell bin ich eigentlich auf der Warteliste für mein Studium, will aber nicht nur rumsitzen und Däumchen drehen. Dann hat Daniel mich bei Wannda mit reingezogen: Ich war Gründungsmitglied und das mit den Cafés hat sich dann nach und nach ergeben. Hier mal mitarbeiten, da mal aushelfen und dann kamen meine ersten eigenen Projekte. Mit einer Pommesbude vor dem Pathos habe ich damals angefangen.

Als Daniel dann eigene Projekte hatte, habe ich Aufgabenbereiche bei ihm übernommen. Irgendwann kam das Cafe Gans Am Wasser dazu. Das mache ich mit Florian zusammen, einem Kindergartenfreund. Ich habe gemerkt, dass es mir viel Spaß macht, selbstständig zu arbeiten und meine eigenen Projekte zu haben. Davor hatte ich schon viele Jobs, zum Beispiel im Getränkemarkt oder in der Klinik in der Notaufnahme. Aber eigene Projekte verwirklichen ist doch genau das, was mir am meisten Spaß macht: Wenn man am Ende sieht, was man geschafft hat. Klar hat man da auch manchmal ein paar größere Ziele, wie zum Beispiel Daniel mit seinem Schiff auf der Brücke. Aber sich zu überlegen, wie man das Beste daraus macht und das dann umzusetzen ist einerseits riskant, aber auch echt toll.

Abgesehen davon macht mir die Kombination an Arbeiten Spaß, sei es nun im Büro oder auf der Baustelle. Und am Ende die Rückmeldung von den Gästen mitzubekommen ist einfach das Beste.“

Und wie war das jetzt nochmal mit dem Medizinstudium?

Auf die Frage nach dem Studium reagiert Julian etwas ratlos:

„Mei, ich bewerb mich immer noch, aber werd immer noch abgelehnt. Inzwischen habe ich eine Ausbildung als Rettungsassistent gemacht und gearbeitet. Das mache ich auch echt gerne, aber mittlerweile gibt es so viele andere Bereiche, die mir wichtig sind. Ich weiß nicht, ob ich studieren würde, wenn die Zusage eines Tages kommt — beides gleichzeitig geht auf keinen Fall.“

Extrem wichtig ist Julian allerdings, dass er nicht alleine hinter seinen Projekten steckt:

„Ich mach bei so Projekten immer den Bürobereich und die Organisation, Personalplanung, Buchhaltung. Überhaupt erst mal so ein Projekt bekommen, Umsetzung und sowas, das ist, was mir eigentlich taugt. Für Projekte von der Größe braucht man ein gut funktionierendes Team und genau das haben wir. Alleine kann man so etwas nicht auf die Beine stellen.

Wann genau die Bauarbeiten wirklich losgehen können, ist noch vom Wetter abhängig. Wir sind allerdings gespannt auf alle News vom Kolumbusplatz und freuen uns darauf, im Sommer bei einem Bier im Pferdeschlitten zu sitzen.

Übrigens hat Julian auch schon ein weiteres Projekt in der Pestalozzistraße in Aussicht. Besonders viel wollte er darüber noch nicht sagen, bis noch nicht alles in trockenen Tüchern ist…


Beitragsbild: © Julian Hahn

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi
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