Kultur

Sei nett, sagt der Kunstverein

Jana Edelmann

Jana lebt, schreibt und studiert in München.
Jana Edelmann

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Der Kunstverein München blickt auf sein Programm der letzten fünf Jahre zurück. Ein „Remix aus Kunst, Diskurs und Propaganda“ soll dabei entstanden sein. Ob`s gelungen ist? mucbook hat sich die neue Publikation angesehen und mit dem Herausgeber gesprochen.

Be+Nice_Press-cover

Postkarten fliegen mir entgegen, Sticker verstecken sich zwischend den buntbedruckten Bildseiten, dazwischen finden sich immer wieder herausnehmbare, feuilletonistische Essays. Ist das ein Kunstbuch, ist das ein Katalog, ist das ein Kunstwerk…? Auch nach mehrmaligem Durchblättern, intensivem Studieren der abgedruckten Kunstwerke und mehrmaligem Lesen der eingelegten Essays kann ich kein geeignetes Label finden für „Be nice…“. Aber das ist wohl gar nicht so schlimm.  Auch der Mitherausgeber Daniel Pies, von 2003 bis 2008 Kurator des Kunstvereins, wollte sich nicht festlegen: „Es soll eine Art Abschlussdokumentation der letzten fünf Jahre Programmmachen sein. Abere eben nicht nur. Wir wollten auch eine Autonomie des Buches, eine eigene Aktualität erreichen. Darum der Remix-Gedanke“. Remix heißt, dass alle Künstler, die während der letzten fünf Jahre mit dem Kunstverein zusammengearbeitet haben, sich mit einem eigenen Beitrag beteiligen konnten.  Ãœber 100 sind dabei zusammen gekommen, von Wolfgang Tillmanns über Stefan Neumeister und Ian White. Hier ein kleiner und nicht repräsentativer Ausschnitt:
   -   „Avantgarde und Anorexie“: Das Essay über den Schlankheitswahn und die Amphetaminsucht Andy Warhols gibt neue Einblicke in seine Idee der mechanischen Kunstherstellung. Von Hans Christian Dany, Autor von “SPEED – Gesellschaft auf Droge“.
   -   Der New Yorker Konzeptkünstler Lawrence Weiner empfiehlt dem Leser auf Seite 122 in seiner typischen Kunstsprache: „Learn to read art“. Vielleicht ist die Publikation des Kunstvereins ja eine gute Nachhilfelektüre, wer weiß?
 -   Auf sechs Doppelseiten sind Fotografien von Wolfgang Tillmanns, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Fotokünstler, zu sehen. Meine Favoriten sind die abstrakten, verträumt verschwommenen „Freischwimmer“-Arbeiten mit ihren assoziativen Farbschlieren.
-   Der collagenhafte Text des Münchner Popliteraten Andreas Neumeister „Private Teile“ nähert sich bruchstückhaft dem Müncher Stadtleben der 70er an.
Ein buntes, interessantes Pottpourie der zeitgenössischen Kunstszene steckt in „Be nice…“. Und das ist auch für Leser interessant, die nicht Stammgäste bei Ausstellungen des Kunstvereins sind. Der appelative Titel ist übrigens der Weihnachtskarte eines befreundeten Künstlers entnommen und soll nicht explizit auf die Münchner Kunstszene anspielen… Hat jedenfalls Daniel Pies gesagt.

„Be nice share everything have fun“ kostet 45 Euro (der Ladenpreis liegt unter dem Produktionspreis(!)) und ist in München beim Kunstverein, im Museum Brandhorst und im Haus der Kunst erhältlich. Erschienen ist die Publikation beim Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln.

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