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NUTHIN BUT A SOUL THING: Mit Disco und House für mehr Diversität in Münchner Clubs

Wer im Münchner Nachtleben unterwegs ist, kommt über lang oder kurz an Michael Bihler und Eric Kewitz nicht vorbei. Über ihre Eventreihe „Late for Work“, die donnerstags in der Roten Sonne stattfindet, haben wir bereits berichtet.

Nun stehen sie vor einem weiteren Projekt: noch diesen Monat startet die Eventreihe NUTHIN BUT A SOUL THING. Sein gleichnamiges Label hat Michael, der sonst als HDSN in Städten wie London, Barcelona, Amsterdam, Wien und Berlin auflegt, 2016 in Manchester gegründet. Das Label sieht sich als Plattform für Kreative von Kreativen, um gemeinsam Neues zu schaffen. Hör doch mal beim Soulcast rein, dem Podcast, bei dem du Mixes von Künstlern des Labels oder auch anderen DJs finden kannst. 

Gemeinsam mit seinen Kollegen Eric Kewitz, H.B.C., Marc Antero und DJ Schetthouse, die in der Münchner Szene gut vernetzt und ebenfalls DJs sind, möchte er nun Late for Work weiterentwickeln. 

Mit NUTHIN BUT A SOUL THING startet nun eine Veranstaltungsreihe an unterschiedlichen Schauplätzen in München, die für mehr Offenheit und Diversität in Münchner Clubs steht. Das betrifft nicht nur das Genre, sondern auch die Tatsache, dass alle gleichermaßen willkommen sind, mitzufeiern, zu tanzen und mitzusingen.

Was war das eigentliche Konzept hinter „Late for Work“ und wie geht es weiter?

Nachdem uns letztes Jahr die Möglichkeit geboten wurde in der Roten Sonne einmal im Monat eine Veranstaltung zu hosten, musste relativ zügig ein Konzept her. Eins war jedoch von Anfang an klar: wir wollten eine House/Disco-Nacht ins Leben rufen. Das wäre ein Kontrast zum monotonen Clubprogramm und außerdem könnten wir unseren Freunden in der Stadt eine Plattform bieten.

Letztendlich haben wir uns dann kurzfristig für den Namen „Late For Work“ entschieden, da wir die Anspielung auf den Donnerstagabend cool fanden. Die ganze Sache hat sich dann aber doch schnell zu mehr entwickelt. Daher haben wir uns jetzt dafür entschieden, das Konzept zu übernehmen, aber als Label weiterzumachen, da uns dies mehr Freiheiten bietet. Wir haben dem ganzen sozusagen ein Upgrade verpasst 😉

Was stört euch an der aktuellen Situation in München?

Es gäbe sicher einige Punkte, die man hier ansprechen könnte, eines der größten Probleme ist unserer Meinung nach mit Sicherheit die monotone Clubpolitik hier in der Stadt. Das Programm der wenigen Clubs ist relativ gleich: meist muss man sich zwischen Mainstream oder Techno entscheiden, dazwischen gibt es wenig bis nichts. Zudem liest man fortlaufend die gleichen Headliner auf den Flyern. Kleinen Promotern ist es fast nicht mehr möglich, in der Stadt Events zu organisieren, da diese Ideologie schon sehr lange so eingefahren ist und die großen Events und Clubs mit den großen Bookings zu dominant sind.

Natürlich wollen die auch wirtschaftlich handeln, und überteuerte DJs bringen höhere Ticketpreise mit sich. Trotzdem würden wir uns wünschen, dass die ganze Stadt – Clubs, Events, Deejays, Promoter und Clubber sich etwas mehr öffnen, anstatt sich nur auf die „kommerzielleren Trends“ einzulassen, die von anderen großen Städten überschwappen.

Gibt es eine Möglichkeit, das zu ändern?

Eine Möglichkeit wäre sicher, nur noch eine Handvoll ausgewählter Headliner für die großen Events zu buchen und anzufangen, weniger etablierte KünstlerInnen und neue Talente zu fördern. Natürlich bestimmt das Angebot die Nachfrage, daher ist auch von den Clubbern Offenheit gefragt. Kein Künstler gehört dem Publikum und kein Publikum dem Künstler oder der Künstlerin. Leute wissen oft schon genau, welche Songs sie am Abend hören wollen bevor sie überhaupt im Club ankommen, ohne Rücksicht auf den Künstler und seine Performance zu nehmen. Das ist hier dann aber der falsche Ansatz.

Natürlich ist es schön, wenn man die Songs kennt, die gespielt werden. Trotzdem könnte man manchmal offener sein und sich auf die Musik einlassen und sie dann wirklich erleben. Das gerät hier häufig in Vergessenheit. Ein wenig mehr Offenheit von allen Beteiligten wäre daher sicher nicht falsch, um zur Vielfalt der Münchner Clubwelt beizutragen. 

Was erwartet uns auf euren neuen Veranstaltungen?

Unsere Vision geht weit in die frühen 80er und späten 70er zurück, als House Music entstanden ist – zu den Anfängen der Paradise Garage, als Schwule, Schwarze und politisch Ausgegrenzte aller Art zusammen kamen, um zu feiern was sie wirklich sind, indem sie zusammen zu den Songs gesungen und getanzt haben. Der Club war ein Ort, an dem man seine Probleme vor der Tür gelassen hat, an dem man so sein konnte, wie man eben ist – ohne gesellschaftliche Normen.

Dort wurde sich über die Musik und Tanz ausgedrückt und ausgetauscht – sich in den Armen gelegen aus Freude und Trauer. Wenn man sich alte Aufnahmen von Pionieren wie Frankie Knuckles anhört kann man diese Stimmung oftmals förmlich heraushören. Genau diesen Spirit möchten wir zurückbringen. Viele denken heutzutage an David Guetta, wenn sie den Begriff „House Music“ hören, wir wollen den Leuten in München zeigen, wo der Name wirklich herkommt und was für eine Historie da noch dahintersteckt.

+++ Bock auf Gästeliste? +++

Du hast jetzt richtig Lust bekommen, mal wieder zu Disco und House feiern zu gehen und möchtest das Tanzbein schwingen? Kein Problem! Auf Facebook kannst du Gästelistenplätze für die nächsten NBAST-Abende gewinnen.


In aller Kürze:
Was?
NUTHIN BUT A SOUL THING w/ Black Loops
Wann? 23. Mai, 22-6 Uhr
Wo? Rote Sonne, Maximiliansplatz 5

Was? NUTHIN BUT A SOUL THING w/ Demuja
Wann? 29. Mai, 22-4 Uhr
Wo? Hotel Krone, Theresienhöhe 8


Beitragsbild: © Luis Kuhn

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi
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