Daniel Wecker und Chris Schroth hinter der Theke ihrer neuen Tagesbar Junge Römer im Münchner Glockenbachviertel in der Pestalozzistraße
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Pinsa, nicht Pizza! Im Glockenbach eröffnet das „Junge Römer“

Römischer Pecorino, römische Pizza und nein, nicht römisches, aber zumindest italienisches Tafelwasser: Die neue Münchner Tagesbar „Junge Römer“ schlägt eine kulinarische Brücke über die Alpen und landet dabei immer wieder in der italienischen Hauptstadt. Von der Pasta bis zur Theke ist hier fast alles selbstgemacht und ergibt in der Summe die kleinen, feinen Unterschiede, die es braucht, um sich in München von der Gastro-Masse abzuheben. Wir waren zu Besuch.

Tagesbar nach italienischem Vorbild

Erste Feststellung beim Ankommen: Der Name des in dunklen Grüntönen und marmorierten Mustern gehaltenen Tageslokal scheint wirklich Programm zu sein! Aus den Boxen dröhnt Falco (der ja auch schon mal von jungen Römern gesungen hat) und Chefkoch Daniel Wäcker trägt eben diesen Schriftzug über der Rückhand. Ein Motiv, das er sich früher schon hat Stechen lassen, wie wir erfahren – heute kocht er also im gleichnamigen eigenen Lokal, das er zusammen mit Partner Chris Schroth (früher King Loui und Gallo Pazzo im Westend) führt.

Beide zusammen seien sie nun also sowas wie die Jungen Römer Münchens. Zumindest kulinarisch: denn auf der Essenskarte stechen vor allem die „Pasta Fresca“, frische Pasta, und die Pinsa Romana heraus – eine römische Variante der konventionellen Pizza auf Sauerteigbasis und nicht nur mit Weizenmehl. Überzeugen wollen sie mit übersichtlicher und vor allem frischer Küche – inklusive wirklich selbst gemachter (Nudel-)Teige. Dazu werden ganztags Aperitivi, Weine und Café-Variationen gereicht – ganz nach Vorbild der in Italien weit verbreiteten Tagesbar. Im gewölbten und übersichtlichen Keller soll zukünftig dann Platz für geschlossene Klein-Veranstaltungen, Wein-Tastings oder Vernissagen und Ausstellungen sein.

So hat’s geschmeckt – unser Testessen

„Pizza und Pasta mag halt einfach jeder“, ist sich Wäcker, der früher im Café Bellevue am Nordbad die Küche führte, sicher. Auch wir können nicht bestreiten, dass die Italophilie gefühlt ein Revival erlebt. Und Liebe geht bekanntlich ja erst mal durch den Magen. Kommen wir also zum ersten Gang. Hier zeigt sich gleich, dass ein Besuch im „Junge Römer“ so manche Italienisch-Lehrstunde wett macht, denn unter den Bezeichnungen in Landessprache auf der Karte kann zumindest ich mir meist nur wenig vorstellen – der letzte Urlaub an der Adria ist wohl zu lange her.

Ragu di Carciofi im Restaurant "Junge Römer"
Vorspeise: „Suppli cacio e pepe“

Wie gut, dass die ergänzende Zutatenliste meist ziemlich vollständig in Deutsch darunter steht und mehr Aufschluss gibt. Als Antipasti wählen wir also „Suppli cacio e pepe“. Das sind römische Reiskroketten – ganz ähnlich wie Arancini, mit einem Pesto, gehobeltem Pecorino Romano und etwas Pfeffer angerichtet. Als Appetizer ist das bekömmlich, aber zugegeben auch nicht viel mehr. Soll es aber auch gar nicht sein. Als Alternative gäbe es noch frittierte Sardellen, Garnelen und Calamari, die bestimmt auch eine gute und etwas deftigere Wahl gewesen wären.

Aber es geht gleich weiter: Raffinierter sind nämlich die super abgeschmeckten „Ragu Di Carciofi“, unsere nächste Wahl. Das sind Spaghetti alla Chitarra mit Artischockenragout, Tomatensauce und Oliven. Dass die Nudeln selbstgemacht sind, schmeckt man hier deutlich heraus. Eine feine zitronige Note verleiht dem klassischen Pasta-Gericht zudem eine Leichtigkeit, die sicher auch hervorragend zum ausgewählten Weinangebot passt – vom dem wir mittags aber noch die Finger lassen. Bis wir uns versehen, ist unser geteilter Teller leer, was schließlich immer noch das beste Kompliment an den Koch ist.

Ragu Di Cariofi in der Tagesbar "Junge Römer" im Münchner Glockenbachviertel
Pasta: „Ragu Di Cariofi“

Es ist eines der veganen Gerichte, die angeboten werden: Hierfür wird jeden Tag auch ein zweiter Nudelteig ohne Ei frisch produziert, erklärt Wäcker dazu, während die nächste Italo-affine Nummer aus seiner über 300 Songs umfassenden Playlist geshuffelt wird. „Bisher nervt sie mich noch nicht“, fügt er zur Playlist an. Wenn der namensgebende Track im Lokal läuft gibt es übrigens eine Runde Averna auf’s Haus, erfahren wir. Witzig: Das hätten wir natürlich gerne mitgenommen, aber der Musik-Algorithmus meint es heute nicht gut mit uns.

Unbedingt probieren: die Pinsa Romana!

Das Highlight und Alleinstellungsmerkmal der Karte sind sicher die Pinsa-Gerichte. Unser zweiter Hauptgang. Die Pinsa, so lernen wir, ist eine römische Variante der Pizza – und in München sonst eher schwer oder nur teuer zu bekommen. Im Gegensatz zur bekannten Pizza ruht der Sauerteig der Pinsa Romana dabei erst mal richtig lange bevor es in den heißen Ofen geht: nämlich ganze drei bis fünf Tage. Die enthaltene Hefe arbeitet so während der Ruhezeit im Teig und nicht erst später im Magen des Gasts, erfahren wir von Chefkoch Daniel Wäcker weiter. Außerdem enthält er vergleichsweise viel Wasser – so dass man den Teig, der zusätzlich Reis- und Sojamehl enthält, vor dem Belegen einmal kurz vorbäckt, damit er auch wirklich aufgeht.

Pinsa Romana in der Tagesbar "Junge Römer" in München
Pinsa Romana: „Melanzani e Burrata e Pesto di Pistacchio“

Aber genug der Theorie: Wir entscheiden uns für die Variante mit Ricotta, Aubergine, Burrata, Pistazien-Pesto und Datterinotomaten. Am Rand knusprig-kross gebacken, innen und oben schön weich: So zergeht die mediterrane Melange förmlich auf der Zunge und hat trotzdem Biss. Sehr sehr lecker! Gut, dass die Pinsa schon fair aufgeschnitten kommt, sonst wäre wohl glatt der Essenskampf ausgebrochen. Im Geschmack überzeugen auch die Zutaten, wie etwa die Mozzarella Burratta und der Ricotta. Obligatorisch nehmen wir zum Abschluss natürlich noch einen Espresso (der kommt übrigens aus der Kaffee-Rösterei Kimbo aus Neapel) und probieren vom sättigenden Tiramisu.

Conclusione – unser Fazit:

Das „Junge Römer“ ist definitiv eine innovative Gastro-Neuheit im Viertel. Der besondere Clou ist natürlich die Pinsa, die jeder Pizza-Fan einmal probiert haben sollte. Aber auch auf einen Café oder einen Aperitiv kann man hier abseits der Stoßzeiten gemütlich vorbei schauen (oder auch mal schnell, wenn’s sein muss). Zudem gibt es alle Speisen auch To-Go.

Das Konzept der Tagesbar nach römischem Vorbild wird dabei nicht pedantisch auf die Spitze getrieben, erweist sich aber immer wieder als stimmig und gewitzt. Etwa, wenn wir erfahren, dass die Sitzbank vor dem Lokal ursprünglich aus einem Kloster stammt (römisch-katholisch und so…) und über Umwege den Weg hierher geschafft hat. Ab Ende der Woche soll es dann auch ein mediterranes Frühstück mit typischen Cornetti und belegten Bruscetta geben. California-Frühstücks-Teller mit Rührei & Co gibt es im Viertel schließlich schon genug, meint Koch Daniel dazu. Wir sagen: Arrivederci, das war wirklich Molto Bene!


Was? Junge Römer – Italienische Tagesbar

Wo? Pestalozzistraße 28, 80469 München

Preise? Pasta & Pinsa: 8-14 Euro; Salat & Antipasti ab 5 Euro; Aperitivi ab 6,50 Euro; Café ab 1,90 Euro (Espresso) – Essen auch ToGo

Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 20 Uhr


Fotos: © Mucbook

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