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„Die Sonne stellt keine Rechnung“ – wir sprechen mit Florian Henle (Polarstern) über Münchens Energieversorgung

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Strom und Energie werden immer teurer: Das merkt man beim Blick auf die Schlagzeilen, aber auch beim Blick auf’s Konto. Zuletzt war vor allem der Erdgaspreis in exorbitante Höhen geschossen. Ein gutes Mittel gegen die Energiepreis-Ohnmacht kennt da unser nächster Podcast-Gast Florian Henle: in Ökostrom und -energie investieren.

Die „eingebaute Strompreisbremse“

Am einfachsten gestaltet sich das für Haus- und Immobilienbesitzer*innen: eine Photovoltaikanlage zum Beispiel ist recht schnell auf dem Dach installiert, liefert bei Sonnenschein zuverlässig Energie und kann in sehr sonnigen Phasen sogar zusätzlich Energie ins allgemeine Stromnetz einspeisen. Dafür kriegt man dann sogar Geld zurück. Die „eingebaute Strompreisbremse“ nennt das Florian Henle von Polarstern. Sein Unternehmen installiert unter anderem Photovoltaikanlagen in verschiedenen Variationen, sodass zum Beispiel auch Wärme erzeugt oder E-Autos angeschlossen werden können.

Und Mieter*innen gehen leer aus? Nicht unbedingt, mit dem „Mieterstrommodell“ gibt es auch Ökostrom-Modelle, die sich für Immobilien oder Wohnblöcke mit mehreren Parteien eignen. So werden Mehrparteiengebäude im Grunde zu „kleinen Ökokraftwerken“, erklärt Henle. Problematischer kann da leider nur die Abstimmung oder Entscheidungsfindung werden, weiß er aus Erfahrung, wenngleich viele seiner Kund*innen in der Stadt auch das Gegenteil beweisen.

Wo geht mehr?

Fest steht für ihn jedenfalls: wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, muss zeitnah wesentlich mehr passieren. Der Blick über die Dächer der Stadt zeigt deutlich zu wenige Solaranlagen. Als Beispiel führt er die Immobilien im Bestand der städtischen Wohnungsgesellschaften an, die man seiner Meinung nach häufiger mit Sonnenpower nachrüsten müsste. Wenn die Entscheider*innen dafür offen wären. „Unsicherheit ist die größte Hürde“, weiß er aus seiner Erfahrung. Das gilt auch für private Hausbesitzer*innen und Immobilienmanager*innen. So seien viele Vorbehalte im Grunde irrational.

Denn Photovoltaik-Anlagen sorgen für eine gute Bilanz im doppelten Sinne. Sie amortisieren sich nicht nur wirtschaftlich nach etwa zehn Jahren, sondern sind auch umweltfreundlicher als die fossilen Alternativen. Die Energie, die man in die Herstellung einer PV-Anlage steckt, wird nämlich bereits nach einigen Jahren durch den durch sie erzeugten Energieanteil übertroffen.

Die Anlagen, die der Energieversorger Polarstern verbaut, würden demnach bis zu 80 Prozent Energie aus eigener Erzeugung produzieren. Der Rest kommt wohlgemerkt aus dem allgemeinen Netz (denn um diesen Prozentsatz nochmal deutlich zu erhören, müsste dann wiederum ein unverhältnismäßig großer Mehraufwand betrieben werden, der sich nicht rechne) und stellt so die Versorgung zu jeder Zeit sicher.

Viele Vorbehalte

Doch Vorbehalte gegenüber Photovoltaikanlagen gibt es einige. Sie seien sehr anfällig und hätten außerdem eine negative Umweltbilanz, wenn man die Energie mit berücksichtigt, die bei ihrer Produktion anfalle. Beides kann Henle entkräften: Selbst alte Anlagen hielten deutlich länger, als man das damals bei der Einführung der Technik annahm. Heute rechnen Unternehmen wie Polarstern mit einer Lebensdauer von mindestens 30 Jahren. Und ihr Wirkungsgrad hätte sich nochmal deutlich verbessert.„PV-Anlagen haben von vorne bis hinten einen superguten Footprint“, fasst er zusammen.

Idealistische Exot*innen?

Als Polarstern gegründet wurde, galten Henle und sein Team noch als idealistische Exot*innen, die eher belächelt als ernst genommen wurden, erzählt er uns. Sie hätten dann aber gezeigt, dass sie „nicht nur Idealisten sind, sondern auch verdammt professionell“ arbeiten können. So wird man zum Vorbild. Über 30 Mitarbeiter*innen beschäftigen sie aktuell. Dem Streben nach ökonomischem Gewinn stellen sie dabei ökologische und soziale Ziele anbei. Nur wenn sie durch ihr unternehmerisches Tun alle drei Ziele zugleich erfüllen, ist ihre Bilanz demnach positiv.

Die sogenannte „Gemeinwohlorientierung“ liegt inzwischen im Trend. In den vergangenen zehn Jahren hat sich einiges getan im Wirtschaftswesen. Auch Polarstern bezeichnet sich als Unternehmen mit Gemeinwohlorientierung. Zugleich – man kennt es vom verwandten Phänomen „Greenwashing“ – kann so ein Label auch zur Phrase oder zur Farce verkommen. Henle sieht dabei als Betrachter aber den glaubwürdigen Anspruch vieler Unternehmen, ihr Tun auf die Gemeinwohlorientierung hin zu überprüfen, sagt er.

Gemeinwohlorientieres Handeln sei grundsätzlich nicht nur im idealistischen, Unternehmer-geführten Kleinunternehmen, sondern auch im DAX-Konzern möglich, so seine Einschätzung. Wichtig ist dabei die Haltung, die sich stringent durch das Unternehmen ziehe, sagt er. Auch wenn so ein Wandel für etablierte Firmen natürlich viel schwerer zu implementieren ist.

Rein in den Energiesee – hier geht’s zur Folge!

„Mit Energie die Welt verändern“ wollten Polarstern, als sie ihr Unternehmen gegründeten, sagt Florian Henle – einen Beitrag leisten zur Energiewende und sie für die Menschen greifbar machen. Weshalb sie deshalb erst mal auf Zuckerrüben aus Ungarn setzten und ob der sogenannte Energiesee auch dort liegt, das erfahrt ihr dann – neben all den hier angesprochenen Themen – in der kompletten Folge. Hier geht’s lang:

Disclaimer: Das Gespräch wurde bereits im Oktober aufgenommen


Bildcredit: ©Polarstern

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