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Postkartenkino – „The Light Between Oceans“ im Kino

Thomas Empl

Manchmal kommt es einfach nicht zusammen: The Light Between Oceans hat in Derek Cianfrance (Blue Valentine, The Place Beyond the Pines) einen Regisseur, der sein Talent für emotionales Kino schon bewiesen hat, in Michael Fassbender und Alicia Vikander ein grandioses Schauspielerpaar sowie tolle Bilder und Musik – ist aber leider einfach furchtbar langweilig.

Fass, Vikander, Baby

Die Handlung lässt zumindest eine starke Romanvorlage vermuten. Tom (Fassbender), ein schweigsamer Heimkehrer des ersten Weltkriegs, entschließt sich, sein Leben als einsamer Leuchtturmwärter auf der Insel Janus zu fristen. Kurz zuvor lernt er an Land die junge Isabel (Vikander) kennen, die beiden heiraten und leben zusammen auf der Insel. Sie sind glücklich, nur mit dem Nachwuchs wird es nichts, Isabel erleidet zwei Fehlgeburten. Doch wird wenig später ein Boot an ihre Küste gespült. Die Besatzung: ein toter Mann und ein Baby. Isabel macht es zu ihrer Tochter, sie verstecken die Leiche. Doch einige Jahre später trifft Tom auf die verwitwete leibliche Mutter (Rachel Weisz).

Leuchtturm

Das mag ein psychologisch tiefgehender Roman-Stoff gewesen sein – aber als Film haut es nicht hin. Es gibt nicht mehr als diese drei Figuren, die irgendeine Bedeutung haben und auch über die erfährt man nicht viel. Der Regisseur versucht, den Mangel an Dialogkonstellationen durch Briefwechsel wettzumachen – aber nichts ist einschläfernder als abwechselnd vorgelesene Briefe. Innenleben und Motivationen der Charaktere bleiben weitgehend Leerstellen. Stattdessen gibt’s unzählige Sonnenuntergänge, -Aufgänge und Sternenhimmel zu Klaviermusik.

Für sich allein gestellt ist Alexandre Desplats Filmmusik wunderschön, die Leuchtturm-Meeresbilder beeindruckend und die Schauspieler gehören zu den besten ihres Fachs. Manchen wird das reichen, aber meistens bleibt der Film schwächer als die Summe seiner Teile. Man sollte aufpassen, nicht zu spät ins Kino zu gehen: Zu oft ist The Light Between Oceans Bildschirmschoner-Filmemachen, von dem man durchaus einschlafen kann.


(Kinostart ist der 08. September 2016)

Trailer:

Bilder: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

1Comment
  • Mahsa
    Posted at 19:55h, 07 September

    sehr schön 🙂

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