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Reggae-Ska-Feeling aus Niederbayern – The Unduster im Interview

Was vor 7 Jahren in einem modrigen Keller einer verfallenen Villa als Jam-Session angefangen hat, ist spätestens seit diesem Sommer eine professionelle Band, die die nächsten Iripathie, Jamaram oder Mono & Nikitaman werden könnten. The Unduster ist eine 12-köpfige Gruppe aus dem Passauer Raum und macht Musik von Reggae über Ska bis Dancehall – hauptsache tanzbar und „andasta“.

Ich habe Silvan und Flo, zwei Sänger der Band, nach ihrem Konzert in der LMU auf ein kurzes Interview getroffen und mit ihnen über ihr neues Album, ihre Ziele und über Bayern gesprochen.

„The Red Album“

Mucbook: Was ist bei eurem aktuellen Album neu und anders?

Silvan:Es ist eigentlich das erste richtige Album, die anderen beiden waren nur EPs. Die Songs davor sind so im Laufe der Zeit entstanden und bei dem jetzigen Album haben wir uns wirklich hingesetzt und Songs fürs Album geschrieben. Und wir sind das Ganze professioneller angegangen. Wir sind in ein Studio in Prag zum Aufnehmen mit professionellem Sound-Engineer. Wir haben gesagt: Wenn’s das erste richtige Album wird, muss es auch entsprechend richtig gemacht werden.

Flo:Andere Richtung würde ich gar nicht unbedingt sagen, ich würd eher sagen: Wir sind den Weg, den wir bislang gegangen sind, konsequent weiter gegangen. Bei 10 Leuten bringt sich jeder so bisschen ein in die Band und in die Musik und das glaub ich, haben wir jetzt zu Ende geführt. Dass wirklich jeder seinen Sound und seinen Geschmack reinbringt und deswegen ist es jetzt auch nicht mehr straight Reggae oder straight Ska, sondern es ist „Unduster“. Es ist das drin, was draufsteht!

Mucbook: Wieso kam der Schritt jetzt?

Silvan:Das letzte war ja schon zwei Jahre her. Das ist auch nicht mehr das, was wir sind. Wir haben immer das Feedback bekommen: Wenn man sich eure CD anhört, dann ist das gar nicht das, was ihr live macht, es klingt ganz anders. Das war auch das Hauptanliegen vom neuen Album, dass wir die Energie vom Live-Spielen einfangen auf dem Album.

Flo: Die vorherigen EPs waren ein bisschen unstrukturiert. Das heißt wir haben Songs geschrieben, die haben wir dann live gespielt und wollten sie dann mal aufnehmen. Dann haben wir nur ein, zwei Proben für die Aufnahmen geschafft, weil wir zwischendrin live gespielt haben. Das war einfach chaotisch.

Von der Jam-Session zur Studio-Perfektion

Wie schwer ist es, so viele Leute unter einen Hut zu bringen, beim Proben, bei Auftritten etc.? 

Silvan: Zum Proben braucht man eigentlich nicht immer jeden, unsere Proben waren abgeschlossen bevor wir das Album rausgebracht haben. Sonst ist es so, dass jeder kommt, der Zeit hat. Hauptsache, die Rhythmus-Gruppe ist da. Wenn’s wirklich drauf an kommt, nehmen sich die Leute auch Zeit.

Flo: Für Live müssen wir jetzt eigentlich nicht mehr so wirklich proben, wir haben uns 6 Monate aufs neue Album vorbereitet und intensivst geprobt. Songs schreiben geht auch in der kleinen Konstellation und Organisation geht dank digitaler Revolution, sprich Whatsapp und so weiter, einigermaßen gut.

Silvan: Für Live-Gigs muss man sich dann auch mal Urlaub nehmen.

 

Wie läuft der Songwriting-Prozess bei euch ab?

Silvan: Texten ist Sache der Sänger und manchmal fällt uns auch noch was für die Instrumente ein oder der Keyboarder klimpert was. Die Bläser schreibt unser Drummer, weil der am Anfang Posaunist war. Aber Instrumentals entstehen auch gemeinsam, es ist viel zusammen gejammt worden.

Und die Texte schreibt jeder alleine?

Flo:Ich glaub, das Thema hat immer einer von uns. Dann kann’s sein, dass einem die Texte aus dem Hirn in den Mund fallen und er den ganzen Song schreibt, es kann aber genauso sein, dass sich einer noch dazu einbringt. Genauso unterschiedlich sind auch die Texte, es sind Partytexte dabei, sozialkritische Texte, alles durch die Bank. Wir legen uns auch vorher nicht fest, was uns gerade beschäftigt, bringen wir in die Texte ein.

Silvan:Bei mir war’s so: ich habe ein oder zwei Themen gehabt, die ich mal in einem Song verarbeiten wollte. Das war vor allem was Sozialkritisches, da ging es darum, dass man auch eine Message reinbringt.

Flo:Die momentane politische Lage liefert sehr viel Stoff für Texte.

 

Reggae und Bayern – passt das?

Was sind die nächsten Schritte?

Silvan: Wir wollen das neue Album voll “ausschlachten”. Wir haben keinen Song drauf, den wir nicht als Single rausbringen könnten oder zu dem man nicht ein Video machen könnte, weil sie alle sehr themenbezogen sind. Von dem her werden wir uns nächstes Jahr drauf konzentrieren, dass wir viele Videos machen und viel live spielen.

Flo: Nebenbei entstehen bestimmt schon wieder die nächsten Songs.

Wie ist es so mit Reggae und Bayern?

Silvan: Es gibt zwei Seiten der Medaille. Woanders ist natürlich das Publikum Reggae-affiner wahrscheinlich, und auf der anderen Seite gibt es nicht die große Konkurrenz. Wir sind aber auch nicht die klassische Reggae-Band mit “Rasta-Sound” und du musst dich nicht mit der ganzen Kultur auskennen, um mit unserer Musik was anfangen zu können.

Danke für das Gespräch, Silvan und Flo!


Wer The Unduster live sehen will, hat die nächste Gelegenheit dazu bei der Halloween Party auf Burg Frauenstein mit vielen weiteren Bands wie zum Beispiel Passepartout oder Filistine.


 

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