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Neues Album „Dazwischen“ – Der Vollblutmusiker Florian Paul im Interview

Daria Anders

geht positiv durchs Leben, mit einem Hauch von Dramaturgie.
Daria Anders

Vergangene Woche sind wir noch auf seinem Release-Konzert in der Milla rumgehüpft – heute haben wir ihn exklusiv im Interview: Florian Paul und seine Band ‚die Kapelle der letzten Hoffnung‘  – sicher eine DER Newcomer-Bands der Stadt. Grund genug, dem Leadsänger und Songschreiber Florian Paul ein paar Fragen zu stellen

Hier kommt Florian Paul – und alles, was er musikalisch mit sich bringt:

MUCBOOK: Für alle die dich noch nicht kennen: Wer bist du und was machst du?

Florian: Ich bin Florian Paul, 23 Jahre alt und komme ursprünglich aus dem Ruhrgebiet. Seit ein paar Jahren wohne ich aber in München und mache nächstes Jahr meinen Bachelor in Theater- und Filmmusik an der Filmhochschule in München. Schon fast mein ganzes Leben lang schreibe und mache ich selber Musik. Ich spiele Gitarre, E-Gitarre, Cello und ein wenig Klavier.

Seit ungefähr eineinhalb Jahren spiele ich mit meiner Band ‚Die Kapelle der letzten Hoffnung‘ zusammen. Nebenher mache ich Film- und Theatermusik für meine Uni oder auch für die Münchner Kammerspiele. Letztes Jahr habe ich die Filmmusik für den Kinofilm ‚Unheimlich perfekte Freunde‘ gemacht, das war echt cool! 

Wie bist du zur Musik gekommen? 

Da meine Mutter Musiklehrerin ist, wurde bei uns zu Hause natürlich viel Musik gehört und einige Instrumente gespielt. Während meiner Schulzeit hatte ich aber gar nicht so viel mit Musik zu tun. Ich habe ein bisschen Cello im Schulochester gespielt und ansonsten viel für mich selber geschrieben.

Wie so viele, wusste ich nach dem Abi nicht was ich machen soll. Erst wollte ich Schauspieler werden und bin ans Theater gegangen. Dort habe ich aber gemerkt, dass das nicht so meins ist. Ich wollte lieber mein eigenes Ding machen. Also habe ich dann angefangen, die Musik fürs Theater zu komponieren und zu texten. Nach dem Jahr stand ich aber wieder vor der Ungewissheit, was ich mit meinem Leben anfangen sollte.

Also habe ich im Internet blauäugig recherchiert, was man so studieren kann – und habe mich an super vielen Musikschulen für klassische Komposition und Filmmusik beworben. Seitdem studiere ich Film und Theatermusik an der Musikhochschule in München.

Wie hat sich eure Band zusammen gefunden und wie lange gibt es euch schon?

Wir kennen uns von der Uni und spielen seit ungefähr eineinhalb Jahren alle fünf zusammen. Unsere Band hat sich langsam entwickelt, es gab anfangs noch keine feste Konstellation. Es sind immer neue Leute gekommen und alte gegangen.

Im Jahr 2015 habe ich erst den Schlagzeuger Florin kennen gelernt und mit ihm für eine Weile zu zweit gespielt. Im Laufe der Jahre kamen dann Nils, der Saxophonist, Robin der Bassist und Juliano der Klavierspieler dazu. Wir sind alle sehr eng befreundet und harmonieren super zusammen. Überhaupt habe ich meine musikalische Connection größtenteils der Musikhochschule zu verdanken. Millaphon – das Label zu dem wir gehören – gehört meinem Professor Gerd Baumann.

Schreibst du alle Songs selbst oder hast du Hilfe dabei?

Ich benutzte den Begriff Singer/Songwriter eigentlich nicht so gerne, weil es für mich persönlich negativ behaftet ist. Viele, die ihre Songs gar nicht selber schreiben, werden so bezeichnet. Ich möchte ungern in diese Schublade gesteckt werden, da ich mit dem Wort eher einen Typen mit Gitarre auf einem Cover verbinde.

Im Großen und Ganzen schreiben wir alle ein bisschen zusammen. Jedoch sind 80 Prozent der Songs von mir. Die Texte sind zu 100 Prozent mein Ding. Ich versuche immer mit einem fertigen Song in die Proben zu gehen, aber wir ändern und verfeinern die Lieder dann natürlich alle gemeinsam.

Woher kommen dir die Ideen beziehungsweise woher holst du dir die Inspiration für deine Songs?

Die Songs sind momentan noch ein egozentrisches Ding, sie drehen sich alle um mich selbst. Sie handeln meistens von Sachen, die mir passiert sind, Sachen die mich beschäftigen oder wenn ich etwas Interessantes sehe. Später möchte ich jedoch versuchen, vom persönlichen Bezug etwas weg zu kommen und thematisch über Sachen schreiben, die sich mit ein bisschen was Größerem beschäftigen.

Meine Gedanken schreibe ich in ein kleines Notizbuch, auch mal einzelne Sätze die mir grad so in den Sinn kommen. Generell benötigen meine Songs eine lange Entstehungszeit. Ich finde es gar nicht so schlecht, wenn Texte eine Weile lagen und dann erst wieder aufgenommen werden.

Hast du vor, immer im deutschsprachigen Musikgenre zu bleiben oder wirst du dich auch mal an englischen Songs probieren?

Ich werde beim Deutschen bleiben. Ich bin zu einem sehr großen Teil ein Mensch von Sprache – fast mehr als von Musik. Mein Ding ist einfach die Sprache und das Schreiben. Multilinguale Songs könnte ich mir jedoch schon vorstellen. Also zum Beispiel mal eine Phrase auf Französisch oder so, aber kein komplett englischsprachiger Song.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Wo möchtest du mit der Musik noch hin?

Idealvorstellung wäre, wenn es mit der Band so gut weiter läuft wie bis jetzt. Dass wir uns alle im Bezug auf Reichweite und Bühnenshow weiter entwickeln und größer werden. Ich hätte Lust auf  Liveshows, die mit dem Theater verbunden werden. Herausstechen und im Kopf bleiben ist unser Ziel.

Wie sieht es mit der Bühnenerfahrung aus? Ist Lampenfieber ein Thema bei euch und wenn ja, habt ihr Rituale dagegen?

Wir haben alle schon etwas Erfahrung im Musik-Bereich sammeln können. Ich habe schon mit 15/16 angefangen zu schreiben und zu singen, viel Theater gespielt und die Musik dafür gemacht. Unser Saxophonist Nils geht öfters mit Marc Forster auf die Bühne. Oder Florin, der ist schon seit 10 Jahren als Jazz-Schlagzeuger unterwegs. Lampenfieber haben wir alle trotzdem. Vor einem Auftritt versammeln wir uns immer und erzeugen die Bühnenenergie gemeinsam als Gruppe.

Und jetzt das Album „Dazwischen“: wie lange habt ihr daran gearbeitet? Wie würdest du eure Musikrichtung beschreiben?

Solange es unsere jetzige Band gibt, seit eineinhalb Jahren ungefähr. Zumindest entstanden die ersten Aufnahmen in diesem Zeitraum. Wir haben das Glück, dass wir viel selber produzieren können, da wir uns gut auskennen. Wir lernen ja das meiste im Studium. Zum Mischen sind wir aber zu jemand professionellem gegangen.

Unsere Musik-Richtung kann man ganz klar mit deutscher Popmusik erklären. Wir sind musikalisch total frei. Stilistisch sind wir auf einer erzählerischen und bunt gemischten Ebene unterwegs. Aber auch mal rockig mit E-Gitarre und lautem Schlagzeug, oder jazzig mit Saxophon und Bass. Popmusik eben, aber halt auf Deutsch.

Ihr geht ja bald auf kleine Tour, wie sieht diese denn genau aus?

Geplant ist die Tour von Mitte September bis Anfang Oktober durch ein paar deutsche Städte. Ganz entspannt fahren wir entweder mit eigenen Autos oder einem kleinen Tourbus, je nachdem wie viel Zeug wir mitnehmen müssen. Genaue Zeiten und Termine gibt es noch nicht, wir waren gerade zu sehr mit dem Release unseres Albums beschäftigt. Die Planung wird aber definitiv jetzt angegangen.

Hast du einen Lieblings-Sänger oder eine Lieblings-Sängerin? Oder sonst ein Vorbild im Musikbereich, von dem du dich inspirieren lässt?

Klar! Was deutsche Texte angeht: Sven Regerner. Durch meine Eltern bin ich von der 60/70er Jahre Musik geprägt. Ich feiere fast alle großen Liedermacher aus dieser Zeit.  

Von der heutigen Musik kann ich sagen, dass ich ein Riesenfan bin von Mark Ronson, Billie Eilish und Lady Gaga. Ich höre nicht nur die Musik die wir selber spielen, sondern eben auch viel amerikanischen und britischen Pop. Ich liebe aber auch alles was aus Wien – und generell Österreich -kommt.

Dürfen die Single-Mädels sich noch Hoffnungen machen oder bist du glücklich vergeben?

Ich bin nicht vergeben, eure Leserinnen können sich also noch Hoffnungen machen. *lacht*

Dein Lieblingszitat? Vielleicht auch ein Motivationsspruch bezüglich deiner Musik?

Die Unzufriedenen verändern die Welt – von wem war das noch gleich? *Zwinker*

Im Bezug zur Musik sollte man sich nie ausruhen und stets offen für alles bleiben. Alles annehmen, alles ausprobieren, sodass bloß kein Stempel drauf gesetzt wird.

Zum Abschluss eine typische München-Frage: Dein Lieblingsort in München? Wo findet man dich am häufigsten?

Auf jeden Fall im Baader Café, ich wohne hier nämlich gleich ums Eck. *lacht* (Anm. d. Red. Wir haben das Interview im Baader Café geführt).

Ansonsten bin ich viel im Residenztheater und in den Kammerspielen unterwegs, generell immer im Theater zu finden.

Vielen Dank für deine Zeit, lieber Florian. Wir wünschen dir und deiner Band viel Erfolg!


Das Debüt-Album ‚Dazwischen‘ (Millaphon Records) ist ab jetzt überall zum Streamen und Kaufen verfügbar. Auf seiner Website findest du alle Infos dazu und auch zur Tour.


Fotos © Lenard Heidtmann

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