Kultur

Liebesgeständnis an München

Lena von Holt

studiert Germanistik und Philosophie an der LMU in München, Nordlicht, an Musik, Theater und Literatur interessiert
Lena von Holt

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Es sieht aus wie im Kinderzimmer. Die Band Well, Well, Well bringt süße kleine Instrumente an unseren Couchtisch: Ein Xylophon, eine knallbuntes Schifferklavier, Rasseln und Glöckchen. Die Fünf sind irrsinnig sympathisch, reden wild durcheinander und können sich nicht zwischen Wolpertinger oder Eisbär mit Einhorn entscheiden.
Die Münchner Indie-Folkrock-Band überrascht mit tollen Klängen. Neben einer Geige kommt auf der Bühne auch ein Mini-Akkordeon zum Einsatz. Die beiden Sänger Miri und Alex begeistern ihre Zuschauer mit gefühlvollen Stimmen und insgesamt harmoniert die Truppe, zu denen auch Geigerin Johanna, Schlagzeuger Fabi und Bassist Michi gehören. Wir haben im Gespräch herausgefunden, warum sie München so lieben, wie die Band tickt und welche Inhalte ihre Songs haben.

mucbook: Wenn Eure Band ein Phantasietier wäre, wie würde es dann aussehen und welche Eigenschaften würde es besitzen?

Alex Es wäre ein Eisbär mit einem Einhorn, weil das genauso schön und phantasievoll wie unsere Musik ist. Außerdem hätte es noch ein bisschen Fell und glitzernde Flügel.
Miri: Oder ein Wolpertinger, der Wein trinkt.

mucbook: Haben Eure Texte eine Botschaft?

Alex: Sie behandeln viele persönliche Themen. Wir reimen meistens im Deutschen und dann schmeißen wir das in den Google-Translator. So entstehen dann unsere Texte.
Miri: Viele unserer Texte betrachten das Leben und motivieren, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Schließlich lebt man jetzt und sollte daher genau das machen, worauf man Lust hat. Das klingt jetzt zwar ein bisschen schleimig, aber wenn man die Texte nachdenkt, dann ist es tatsächlich so.

mucbook: Und wer von Euch schreibt eigentlich die Texte?

Alex: Ich, Miri und Johanna schreiben bei uns die Texte. Meistens schreibt dann auch jeder für sich. Ich muss mich zum Beispiel einsperren, um Lieder zu schreiben. Das funktioniert für mich am besten.
Miri: Ich kann ganz gut Lieder schreiben, wenn ich traurig bin. Das kennen vielleicht viele Songwriter. Aber das kann auch zum Problem werden, weil ich zur Zeit eigentlich ziemlich happy bin. Bis ich dann wieder mal eine traurige Phase habe, schreibt Alex dann eher die Texte.

mucbook: Muss man depressiv sein, um kreativ zu sein und Lieder zu schreiben?

Alex: Nee! Es kommt immer drauf an, worüber man grundsätzlich schreibt. Es gibt einfach Leute, die denken eher über ihr Leben nach, wenn es ihnen schlecht geht. Dadurch haben sie dann mehr Möglichkeiten, darüber in Ihren Texten zu schreiben. Wenn es dir gut geht, läufst du durchs Leben, kicherst und denkst einfach nicht viel nach.
Johanna: Man braucht etwas, das einen beschäftigt.
Miri: Ich finde, es kommt auch auf die Songs an. Bei uns gibt es eben viele verträumte und auch ernstere, die übers Leben nachdenken. Die Lieder entstehen, wenn man das Leben kritisch betrachtet. Alex ist bei uns dann eher derjenige, der die Spaßlieder schreibt. Also sobald Durklänge zu hören sind und das ganze ein bisschen schneller und hopsiger wird, ist das ganz sicher ein Lied von Alex.

mucbook: Was ist Eure musikalische Inspiration? Aus welcher Musikecke kommt ihr ?

Miri: Also ich höre super gerne ein bisschen Elektronisches. Zum Beispiel Sizarr, eine Band mit der wir vor einigen Jahren mal zusammen gespielt haben und die jetzt total durchstartet. Die taugen mir total.
Alex: Bei mir hat es mit Punkrock angefangen und jetzt ist es irgendwie beim Folk gelandet. Wenn Electro-Beats dabei sind ist es aber auch cool. Wenn einer rappt ist es auch in Ordnung.
Fabi: Ich höre hauptsächlich Jazz, deswegen schreibe ich auch keine Lieder für die Band.

mucbook: So wie Ihr hier alle zusammen auf dem Sofa sitzt, seht Ihr aus wie eine große Familie. Wer hätte dann welche Funktion?

Michi: Ich bin der Papa!
Miri: Johanna ist manchmal die etwas strengere Mama, die es aber auch braucht, damit es mal etwas schneller vorangeht.
Alex: Ich bin der pubertierende Teenager, der aber keine Probleme macht.
Fabi: Ich bin der Hausfreund. Eigentlich ein ganz angenehmer, trinkt ab und zu mal einen Schnaps und dann geht er auch wieder.

mucbook: Also verbringt Ihr recht viel Zeit gemeinsam auch wenn Ihr gerade nicht auf der Bühne steht?

Alex: Geht so, also witzigerweise gar nicht mal so viel. Aber die Zeit, die wir miteinander verbringen ist ziemlich intensiv.
Fabi: Wir würden gerne viel mehr Zeit miteinander verbringen. Bei so vielen Leuten, die alle Ihr eigenes Leben haben, ist es einfach schwer alles unter einen Deckel zu kriegen. Wir sind froh, wenn man es schafft, einmal die Woche in den Proberaum zu gehen und vielleicht am Wochenende irgendwo aufzutreten.

mucbook: Was macht Ihr denn, wenn Ihr nicht Musik macht?

Miri: Alex und ich machen gerade ein Start-up. Und zwar eine Online-Musikschule, also eine Webside, auf der man online Musikinstrumente lernen kann. Sie heißt „My Dear Instruments“.
Fabi: Ich bin eigentlich Jurist.
Michi: Ich arbeite beim Theater in der Requisite und bin auch der einzig echte Papa.

mucbook: Was gefällt Euch an München?

Miri: Ich liebe die Isar.
Johanna: Ich auch!
Fabi: Ich mag, dass es Leute, die nicht aus München kommen, nicht mögen. Ich mag eigentlich alle deutschen Städte und deshalb kann ich immer nicht verstehen, dass Leute, die aus der einen Stadt kommen, die andere nicht mögen. München hat einfach so viele schöne Seiten. Im Vergleich zu großen Städten wie Berlin versuchen wir nicht zwanghaft etwas zu sein. München ist klein und spießig, aber es ist ihm egal. Das ist eigentlich viel cooler. Viele große Städte versuchen sich ständig zu optimieren und einem Ideal nachzueifern. Indem man es nicht ist und auch nicht sein will, ist man viel entspannter und auch authentischer. Wir haben halt draußen nur Kälbchen stehen und mögen unsere Decken und Latte Macchiatos. Ich lebe hier sehr sehr gerne und man muss diese hohen Ziele gar nicht anstreben.
Michi: Ich mag die kleine Vielfalt und dass man hier mit dem Rad alles schnell erreichen kann.

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Bilder: Fiona Schweizer

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