Kinogucken

RomCom für Erwachsene

Thomas Empl

2013 sind viele große Männer gestorben. Einer von ihnen war James Gandolfini. Mit noch so viel vor, so viel Potential, mit nur 51. Gandolfini hat als Tony Soprano eine Jahrhundertleistung gezeigt, mitgeholfen, das US-Fernsehen auf ein Niveau zu heben, das zur Zeit häufig als „besser als Kino“ bezeichnet wird. Wie bei fast allen Künstlern ist der Tod noch nicht das Ende: Ein paar Filme sind schon im Kasten und man kann den Verstorbenen noch einige letzte Male auf der Leinwand sehen. Einer davon ist die romantische Komödie „Genug gesagt“, in der Gandolfini noch einmal sein großartiges Talent beweist.

Albert-&-Eva

Richtig gelesen, eine romantische Komödie. Aber eine von den guten. „Genug gesagt“ wird erzählt aus der Perspektive einer geschiedenen Anfang-Fünfzigerin (Julia Louis-Dreyfus) namens Eva. Auf einer Party lernt Eva den ebenfalls geschiedenen Albert (Gandolfini) kennen und freundet sich unabhängig davon mit der Dichterin Marianne (Catherine Keener) an. Albert ist groß, bärtig, ungeschickt und sagt nette Sachen wie „I kind of adore you already“. Marianne hingegen schimpft in Evas Gegenwart pausenlos über ihren schrecklichen Ex-Mann. Später stellt sich – man ahnt es – heraus, dass Albert genau dieser Ex-Mann ist.

Das klingt – und ist – relativ trivial und nichts besonderes; will es wohl auch nicht sein. Man sieht dennoch gerne dabei zu. Denn „Genug gesagt“ ist eine RomCom, ohne all die Dinge, die an RomComs nerven: Im Mittelpunkt stehen keine durchgestylten wandelnden Geschlechterklischees, sondern ganz normale „middle-aged“ people“ („middle-aged wird von den Untertiteln sympathischerweise auch einfach mal als „alt“ übersetzt). Es gibt kaum Popgedudel, kein Schmalz-HappyEnd, kein Fremdschämen… dafür ein paar ganz witzige Dialoge und sympathische Schauspieler.

James Gandolfini hätte man gerne noch öfter in solchen Rollen gesehen, die wohl seiner wahren Natur näherkommen. In Interviews ein extrem schüchterner Mensch, spürt man auch hier so gar nichts von seiner sonst oft mitschwingenden Bedrohlichkeit. Er allein macht „Genug gesagt“ schon zu einem Film, den man sich anschauen kann.

Wein

(„Genug gesagt“ von Nicole Holofcener startet am 19. Dezember)

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