Kultur, Leben

#SagmaldeinerMama

Eine UKW Frequenz für Puls? Das klingt doch super! Denn wenn man mal mit dem Auto durch Bayern gefahren ist, fällt einem sehr schnell auf: Jugendsender sind  auf bayerischem Gebiet eher rar gesät.  Das soll sich nun ändern – was allerdings nicht nur auf  Zustimmung stößt. Eine kleine Zusammenfassung:

Die UKW Frequenz aka  Der Zankapfel

Ein vermeintlicher Kampf

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Ihr habt es bestimmt schon gehört bzw gelesen – Puls, der Jugendsender des BR, soll künftig eine UKW Frequenz bekommen. Dafür soll Bayern 4 Klassik in die digitale Welt „auswandern“. Es wird von einem vermeintlichen „Radiokrieg“ gesprochen. Einen Mangel an jungen Radiosendern in Bayern gibt es schon länger. Klar, wir haben Privatsender wie z.B egoFm, allerdings sind diese teilweise nur punktuell empfangbar. An jungen öffentlich- rechtlichen Sendern mangelt es bereits seit den Achtzigern, als so manch einer von uns noch nicht mal auf der Welt war. Wird es da also nicht mal Zeit für frischen Wind im Radioprogramm? Viele sehen das nicht so und gehen meiner Meinung nach etwas zu rabiat dagegen vor…

Ende der Achtziger und zuletzt 2006 wurde darüber entschieden, auf eine der fünf Frequenzen des BR einen Jugendsender zu legen. Wie wir sehen ohne Erfolg. Dieses Jahr lauert eine neue Chance – BR Klassik und Puls sollen die Plätze tauschen. Warum nicht einfach eine sechste Frequenz dazuholen? Das erlaubt der Rundfunkstaatsvertrag des BR nicht, maximal fünf Frequenzen –  das wars. Und da der BR keinesfalls Massensender wie Bayern 3 oder 1 verlegen will, soll nun BR Klassik „dran glauben“. Sollte es also am Ende „pro Puls“ ausgehen, wäre der Sender 2016 bayernweit empfangbar.

Bei diesem Gedanken kommt den Klassikfreunden, Privatsendern und teilweise auch Mitarbeitern beim BR gefühlt die Galle hoch. Prominente wie Violonistin Anne-Sophie Mutter appellieren mit ernster Miene: BR Klassik muss bleiben! Von „Kulturverfall“  und einer „drohenden Schieflage des dualen Radiosystems“ ist die Rede. Das ganze wird bereits als „Debatte“ betitelt.
Ganz vorne mit dabei: die SPD. Diese wendet sich gegen eine BR-Jugendwelle auf UKW anstelle von BR Klassik.
Ihr Argument: Der Tausch ginge zulasten von privaten Hörfunksendern. Dies habe zur Folge, dass dort Werbeeinnahmen zurückgehen, Umsatzverluste hingenommen werden müssen und dass auch gegebenenfalls Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Damit würde, wie gesagt, das gesamte duale Rundfunksystem in Schieflage geraten. Deswegen forderte SPD-Bayern-Fraktionschef Rinderspacher vor Kurzem eine juristische Prüfung, da sie den BR Plan für verfassungswidrig halten. Der Bayerische Rundfunk würde somit nicht mehr seine Grudversorgungsauftrag nachkommen. Er würde sich aus dem „zentralen Feld seines kulturellen Auftrags“ zurückziehen. Denn der Empfang von BR Klassik wäre für die Gesamtheit der Hörer nicht mehr sichergestellt.

Eine Petition gegen eine UKW für Puls ist bereits in vollem Gange. Warum sollte BR Klassik, deren Hörer durchschnittlich über 60 Jahre alt sind, digital präsentieren, während hingegen ein Sender für Digital Natives auf eine bald hundert Jahre alte Sendetechnik gehoben werden?

681921_web_R_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de

Puls- Programmchef Thomas Müller versteht, dass sich bei den Kollegen des BR Klassik die Angst einschleicht, ihr Programm würde an Relevanz verlieren. Digital – klingt ja auch ein wenig abgeschoben, wenn man sich nicht genauer damit beschäftigt. Seit eineinhalb Jahren ist er nun bei Puls. Er hat den Wandel vom digitalen Teil – zum Vollprogramm im Frühjahr 2013 betreut. Der BR ist für eine Verjüngung, er will Menschen unter 30 im UKW-Programm berücksichtigen und zudem junge einheimische Künstler und Neuentdeckungen im bayerischen Land bekannter machen. Thomas Müller: „Wir finden es schade, dass die Chancen, die für die Kultur in Bayern durch Puls entstehen könnten, komplett ignoriert werden. Es wird nur gesagt: ,Oh Gott, BR Klassik muss Federn lassen, das ist der Untergang des Abendlandes.‘ Dass es dafür aber auch gute Gründe gibt und Bayern dadurch auch gewinnen kann, wird wenig gesehen.“

Ich persönlich beschäftige mich nun seit einer gewissen Zeit mit diesem Thema und beobachte neugierig die neuen Richtungen. Anfangs dachte ich mir auch: Ok, BR Klassik „weg“ und dafür Puls….hm schwierig. Was die BR Klassik Freunde allerdings nicht so laut verkünden, wie ihre Gegnerschaft, ist, dass in den Ausbau der Digitalisierung des BR Klassik ganze 30 Millionen Euro investiert werden sollen. Klar wird es für die älteren Menschen unter uns eine Umstellung werden, aber waren es nicht immer unsere Großeltern, die meinten: „Man lernt nie aus.“ ?
Zudem behaupten manche Stimmen auch, dass wohl eher ältere Leute Geld in einen Adapter investieren würden, als wir jungen Hüpfer.

Am 4. Oktober 1980 hatte der BR Klassik seinen Sendestart – 34 Jahre lang klassische Musik im Radio – wird es da vielleicht wirklich nicht mal Zeit für frischen Wind in der Radiolandschaft? Um mich nicht falsch zu verstehen.Ich bin ein großer Fan der klassischen Musik, wofür ich wegen meines jungen Alters oft auch schräge und ungläubige Blicke ernte und es wäre toll, beide Sender auf UKW zu haben, aber wir sind hier leider nicht bei „Wünsch dir was“.

Sehr schön fand ich die Worte Peter Maffays, der sich neben anderen Künstler wie Milky Chance, Blumentopf, Glasperlenspiele oder auch Frittenbude FÜR die UKW Frequenz für Puls geäußert hat:  „Was mich dabei irritiert ist die Tatsache, dass von einem Generationenkonflikt und sogar einem Radiokrieg zwischen Klassik-Fans und Verfechtern der Jugendwelle gesprochen wird. Dabei geht es doch im Grunde um eine Sache, die vor allem auch uns Musikern sehr wichtig ist: die Musik! Leider gerät dies in den Hintergrund.(…)Deswegen finde ich das Vorhaben, das digitale Angebot von BR-Klassik in Zukunft auszubauen nur logisch. Wenn dabei auch noch per Tausch eine UKW-Frequenz für eine bayerische Jugendwelle frei wird, ist das auf neudeutsch eine Win-Win-Situation. Als Musiker, der sich selbst auch viele Newcomer anhört und fördert, begrüße ich sehr, dass es einen Radiosender auf UKW geben soll, der sich vor allem auch der jungen bayerischen Musikszene verschrieben hat.Es ist niemandem  gedient, wenn das öffentlich-rechtliche Radio aufgrund von Überalterung bei den Jugendlichen an Bedeutung verliert und sie zu anderen Formaten und Portalen abwandern.“ Gut gesprochen, Herr Maffay.

peter maffay

So oder so wird der Rundfunkrat über das endgültige Ergebnis am 10.Juli entscheiden  (ursprl. 22.Mai). Dann werden wir sehen, wer den „Pokal“ mit nach Hause nehmen darf. In jedem Fall werden beide Sender gewinnen, denn in Zeiten des digitalen Radios bleiben wenigstens beide auch erhalten!

Wer sich trotzdem einmal die beiden Petitionen der Sender ansehen mag, darf das gerne machen:

#sagmaldeinermama

Petition von Puls

Petition des BR Klassik

(Bild1: © sebplanet / jugendfotos.de)

(Bild2: © Tim Reckmann / pixelio.de)

(Bild3: © Maximilian Mühlens / jugendfotos.de)

Deswegen finde ich das Vorhaben, das digitale Angebot von BR-Klassik in Zukunft auszubauen nur logisch.
Wenn dabei auch noch per Tausch eine UKW-Frequenz für eine bayerische Jugendwelle frei wird, ist das auf neudeutsch eine Win-Win-Situation. Als Musiker, der sich selbst auch viele Newcomer anhört und fördert, begrüße ich sehr, dass es einen Radiosender auf UKW geben soll, der sich vor allem auch der jungen bayerischen Musikszene verschrieben hat.
Es ist niemandem  gedient, wenn das öffentlich-rechtliche Radio aufgrund von Überalterung bei den Jugendlichen an Bedeutung verliert und sie zu anderen Formaten und Portalen abwandern.So oder so wird der Rundfunkrat über das endgültige Ergebnis am 10.Juli entscheiden  (ursprl. 22.Mai). Dann werden wir sehen, wer den „Pokal“ mit nach Hause nehmen darf. In jedem Fall werden beide Sender gewinnen, denn in Zeiten des digitalen Radios bleiben wenigstens beide auch erhalten!Wer sich trotzdem einmal die beiden Petitionen der Sender ansehen mag, darf das gerne machen:#sagmaldeinermama

1Comment
  • Tim
    Posted at 18:40h, 25 Mai

    Bitte die Bildquellen ergänzen. Danke!

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