Kultur, Nach(t)kritik

Roll das Fass rein! Deichkind im Zenith

Samstagabend. Ausverkaufter Zenith. Die Menschen tanzen sich schon einmal zu den dröhnenden Songs verschiedenster Künstler warm, deren Musikvideos auf einer großen Leinwand vor der Bühne gezeigt werden. Aber eigentlich warten alle nur auf eine Band: Deichkind! Um 20.30 Uhr ist es dann soweit – das Licht geht aus…

…und auf dem Vorhang flimmern nicht mehr kultige Musikvideos, sondern gewaltige Naturbilder. Dazu wird eine klassisch angehauchte Musik gespielt. „Ist ja mal so gar nicht Deichkind…“, könnte man meinen. Bis man plötzlich drei nackte Männer auf einer Wiese Räder schlagen sieht, ein Deichkind-Mitglied sich beim Laufen die Hose auszieht und weiteres kultiges Backstagematerial gezeigt wird.

Ja, das ist schon eher Deichkind, wie wir sie kennen und lieben.

Wer sich an diesem Abend auf „ein bischen dancen und abfeiern“ eingestellt hat, der hat Deichkind weit unterschätzt.
Über 20 Songs wurden dem Publikum um die Ohren geschmettert, alles gewohnt skurril, abgedreht und mit viel Humor, verpackt in einer ziemlich krassen Bühnenschow. Da lassen sich Deichkind nicht lumpen. Ferngesteuerte Bühnenelemente, unzählige Bildschirme, die typischen LED-Dreieckshüte, maskierte Tänzer, aufwendige Bühnenkostüme (die auch gerne mal die Bierplauze in Szene setzten) und etliche weitere Gadgets wurden aufgefahren, um mit dem Publikum ordentlich zu feiern.

„Niveau Weshalb Warum“ heisst ihre aktuelle Tour und man merkt: Deichkind haben ordentlich Bock drauf! Sie gönnten sich nicht nur ein Bad in der Menge, sondern gleich vier (außer Ferris, der blieb lieber auf der Bühne und ließ sich fürs Nichtstun applaudieren).  Dazu gab es zwei Zugaben, die es in sich hatten. Ihr Programm umfasste Klassiker und neue Perlen wie „So ne Musik“, „Like mich am Arsch“, „Prost“, „Arbeit nervt“ ,“Limit“, „Bon Voyage“ und „Remmidemmi“. Bis in die dunkelsten Ecken des Zeniths wurde getanzt, bis der Schweiß von der Decke tropfte.

Auch wenn die Musik nicht jedermanns Geschmack trifft, man kommt heutzutage kaum mehr an der Formation Deichkind vorbei. Ihr aktuelles Album „Niveau Weshalb Warum“ erreichte Platz 1 der Albumcharts und wird als das bisher beste Album Deichkinds geehrt, obwohl der Vorgänger „Befehl von ganz unten“ schon Platinstatus erreicht hat. Mit ihren provokanten und ironisch-humorvollen Texten treffen sie den Nerv der Zeit, erschaffen nebenbei noch ein Jugendwort des Jahres („Leider Geil“) und setzen sich für Flüchtlinge ein.

Nach etwa zweieinhalb Stunden durchgehender Feierei war dann aber auch Schluss und es hieß: „Goodbye & Bon Voyage! War leider geil.“ Und so tanzten rund 5000 Münchner glücklich, verschwitzt und gefedert in die Nacht hinaus. Chapeau Deichkind!

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Wer innerlich noch einmal die schönsten Momente des Konzerts aufblühen lassen möchte oder sich einen kleinen Einblick ins Konzert erhaschen möchte, der schaut sich am besten das Video zur neuen Single „Porzellan und Elefanten“ an:

Fotos: © Désirée Damm

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