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Süße Grüße aus Amsterdam: die Schokofahrt München

Was haben Schokolade und Radlfahren gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl nur sehr wenig. Radeln macht schlank, Schokolade dick – schmeckt dafür aber wesentlich besser. Doch es gibt eine Gruppe von Menschen, denen beides sehr am Herzen liegt!

Fairtrade selbstgemacht: Schokolade einfach mit dem Bike importieren

Fairtrade-Herstellung ist für bewusst lebende Menschen längst ein großes Thema: Gerade bei Schokolade kann man dabei viel richtig oder falsch machen. Neben den Produktionsbedingungen vor Ort sind aber auch emissionsarme Handelswege mindestens ebenso wichtig. Die zur Produktion notwendige Kakaopflanze wächst schließlich leider nicht auf der Alm, wo die Milka-Kuh grast, sondern nur im Tropischen Regenwald, z.B. in Südamerika oder Afrika.

Einen zugegebenermaßen etwas abgefahrenen Ausweg aus dieser Nachhaltigkeits-Misere hat nun eine Lastenradlgruppe aus München gefunden. Schokoladengenuss ganz ohne schlechtes Gewissen? Die Mitglieder der „Schokofahrt“ importieren die Ware einfach selbst per Fahrrad aus Amsterdam – wohin die Ware vorab auf Segelschiffen über den Ozean gebracht wurde. Bis zu zwei Tonnen (!) Schokorohstoff sind das pro gemeinsamer Radtour. Und die überschüssigen Pfunde werden schon mal vor dem Verzehr wegtrainiert. Von Amsterdam nach München sind es schließlich knapp 900 Kilometer Entfernung. Was es mit ihrem Projekt genauer auf sich hat, haben wir die Schoko-Aktivisten kurzerhand einfach selbst gefragt, nachdem wir letztens deren Mitfahrerin Frederike Mester durch einen Zufall kennen lernen durften.

Hallo Frederike, woher kommt eigentlich der Name eures Projekts? Und was bedeutet er?

Das Team des Lastenradprojekts „Lasse“ um Nikolai Wystrychowski aus Münster hat 2017 die Aktion „Schokofahrt“ ins Leben gerufen. Es geht darum fair gehandelte und mit dem Segelschiff transportierte Schokolade mit dem Lastenrad weiter zu transportieren. 2018 fuhren dann erstmals zwei Münchner Caro Lorenz und Andreas Lindl die 900km von Amsterdam nach München. 2019 suchten sie erfolgreich weitere Mitstreiter*innen, sodass zu Ostern bereits 13 Radlbegeisterte aus München diese Strecke zurücklegten.

Was ist neu, anders und einzigartig an eurem Projekt?

Es setzt ein Zeichen für bewussten Konsum, nachhaltigen Transport und Freude am Radfahren – und an Schokolade. Jede*r kann mitmachen, es steht allen frei sich eine eigene Route zu suchen oder sich anderen anzuschließen, ebenso wie viel Zeit und Kraft sie oder er aufwenden möchte.

Mittlerweile kommen zu den zwei Abfahrterminen an Ostern und im Oktober über 200 Menschen in Amsterdam zusammen, um anschliessend die rund 2 Tonnen Schokolade in ihre Heimatorte in ganz Deutschland zu bringen, ehrenamtlich und auf eigene Kosten.

Wie viel Zeit braucht so eine Sache?

Neben der reinen Fahrtdauer – das können wenige Tage, zum Beispiel bei näheren Zielorten oder in Form von Staffeln, bis hin zu fast zwei Wochen bei der Fahrt von Amsterdam nach München sein – kommen noch Organisationstreffen und weitere Vorbereitungen dazu. Wie stark sich jede*r einzelne in z.B. die Öffentlichkeitsarbeit einbringt, ist sehr unterschiedlich. Klar ist, dass jede*r Mitmachende mit Feuereifer dabei ist – für die gute Sache.

Wo findet man euch?

Online auf https://schokofahrt.de/ oder unter SchokofahrtMuenchen@posteo.de für die Münchner im Speziellen. Vor den Fahrten um Ostern und im Herbst gibt es Organisationstreffen zu denen jede*r Interessierte kommen kann, die Termine werden über Facebook https://www.facebook.com/schokofahrt/ bekannt gegeben. Ein Großteil der Schokofahrer*innen ist auch regelmässig jeden letzten Freitag im Monat bei der Critical Mass anzutreffen.

Was macht ihr, wenn ihr nicht an eurem Projekt arbeitet?

Die Schokofahrt setzt sich aus den unterschiedlichsten Leuten zusammen. Von Studenten*innen, über Angestellte, Freiberufler*innen bis hin zum Rentner ist da alles vertreten. In anderen Städten sind auch Familien mit Kindern dabei.

Was liebt ihr an München besonders?

Dass München kein typisches Großstadtflair hat und sich hier gerade ein Stimmungswandel vollzieht – hin zu mehr Radverkehr.

Wenn euer Projekt eine Person wäre, wie wäre diese Person?

Sympathisch, engagiert, wach, klug, aktiv, herzensgut, fröhlich, schokosüchtig und natürlich wunderschön.


Info: Die Schokofahrt-Aktion findet aktuell immer zweimal im Jahr statt – die nächste Fahrt startet am 05./06.10. in Amsterdam. Die geplante Ankunft in München ist aktuell um den 14.10. Sobald alle Fahrerinnen mit der Schokolade wieder in München eingetroffen sind, gibt es eine gesonderte Ausfahrt an alle Händlerinnen, die die Schokolade in ihren Läden verkaufen.


Bilder: © Schokofahrt

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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