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Soundtüftler und Sänger – Fritz Kalkbrenner im Zenith

Johanna Zach

Leidenschaft für Musik und Medien - Warum nicht gleich Musikjournalistin werden?
Johanna Zach

Wie, ihr kennt nur Paul Kalkbrenner? Dann habt ihr was verpasst! Sein kleiner Bruder Fritz Kalkbrenner ist nämlich ein mindestens genauso talentierter Produzent. Und: Fritz kann nicht nur Technobeats bauen – er ist auch ein begabter Texter und Sänger. Während Paul also auf der Bühne meist nur eine Kippe nach der anderen raucht, ist bei seinem kleinen Bruder etwas mehr Show geboten.

Eigentlich hat Fritz Kalkbrenner als Kulturjournalist immer nur über Musik geschrieben. Dann kamen aber einzelne Features als Gastsänger dazu – zum Beispiel für Sascha Funke oder Monika Kruse. 2008 dann für seinen Bruder: Mit „Sky and Sand“ haben die Beiden gemeinsam den Durchbruch geschafft, jetzt geht aber jeder seine eigenen Wege. Die neuen Alben werden laut Paul nur noch kommentarlos dem anderen zur Kenntnis vorgelegt.

Jetzt der große Aufbruch?

So wohl jetzt auch mit „Grand Départ“ – Fritz Kalkbrenners viertes Soloalbum. Laut Pressetext versucht Fritz damit, das Album als Format wieder aufleben zu lassen. Zum Einen soll es eine Referenz an die Zeit des Film Noir sein: Also schwerer, düsterer Sound mit einem ästhetischen Konzept dahinter. Zum anderen ist es eine Anspielung auf den ersten Tag der Tour de France: den „Grand Départ“.

Die Metapher der Bewegung und Veränderung soll sich durch das ganze Album ziehen. Vom „Großen Aufbruch“ merkt man aber leider nicht so viel. Die Erfolgsformel der letzten Alben behält er sich bei: Techno-Beats im 4/4 Takt, soulige Melodien und nicht besonders tief gehende Texte. Verträumter Groove zum Dahinschwelgen und Mitnicken.

Aber: Fritz Kalkbrenner ist nicht nur Techno-Soundbastler – er schätzt die Musik auch als Handwerk. Mit aktueller Clubmusik, die er als „Knüppel EDM oder Gitarren-House“ bezeichnet, möchte er nicht in eine Schublade gesteckt werden. Teilweise versucht er sich  an großflächig auskomponierten Arrangements mit Blechbläsern, Orgel und Streichern – dann taucht aber auch wieder die ein oder andere eintönigere House-Nummer auf.

Insgesamt also ein solides Album, aber wirklich große Bewegung spürt man nicht. Vielleicht springt das Aufbruchs-Feeling vom Tag des „Grand Départs“ erst live über – wenn der Sound von Fritz Kalkbrenner das Zenith zum Zittern bringt. Kleiner Tipp: Ein wirklich großer, qualitativer Schritt wären Live-Musiker während dem DJ-Set. Vielleicht hat Fritz ja ein paar Gastmusiker im Gepäck..


In aller Kürze

Was? Fritz Kalkbrenner

Wann? Samstag, 25.3.2017

Wo? Zenith

Wieviel? ab 35 €

Tickets


Fotos:  © Fritz Kalkbrenner

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