Münchenschau, Stadt

Spielplätze und Bäume statt Autos und Verkehr!

Montagmorgen, 18.02.2013, 04:00 Uhr: Eine Gruppe von Leuten schleicht im Dunkeln über den Josephsplatz und klettert auf einen alten Ahornbaum. Trotz ihrer vielen und ungewöhnlichen Utensilien versuchen sie möglichst leise zu agieren. Sie sind Aktivisten von Robin Wood.

Und sie wollen vor Ort verhindern, dass alte geschützte Bäume einer Tiefgarage weichen müssen.

Schließlich haben sie es geschafft. Als um 7 Uhr morgens der erste Bauarbeiter kommt, haben sie bereits zwei Bäume eingenommen. Eine Gruppe von Anwohnern versammelt sich und bildet eine Menschenkette um einige Bäume und den Spielplatz am Josephsplatz. Es sind nicht einfach radikale fanatische Aktivisten, die da am Werk sind. Familien, Senioren und andere, ganz normale Mitbürger und Nachbarn versammeln sich hier, um wie zuvor bereits beim Glockenbachbolzplatz gegen die Reduktion von Freiräumen und Platz für Kinder zu protestieren.

Eigentlich unglaublich, dass sie von den Bauarbeitern selbst rabiat verscheucht werden. Die Geschichte die Basti, einer der Baumbesetzer von Robin Wood erzählt, hört sich ein bisschen an wie ein Krimi. Auch die Polizei wurde gerufen. „Allerdings“, so Basti, „haben die nur die Personalien aufgenommen und geschaut.“ Währenddessen haben die Arbeiter den Platz, also rund 20 Bäume, gefällt und den Spielplatz abgetragen.

Robin Wood konnte jedoch insgesamt vier Bäume retten. Es sind die ältesten und wertvollsten auf dem Gelände. „Selbst wenn danach wieder Bäume gepflanzt werden: so alt, groß und gesund wie diese hier, werden die auf einem Tiefgaragenboden nicht mehr werden.“ Dort wohnen sie nun auf zwei Plattformen und zwei Baumbetten. Und warten. Geschmückt ist ihre Herberge mit Bannern wie „Die Stadt gehört uns allen“ und „Besetzt!“. Auch das Fernsehen und das Radio war am Montag schon da. Seither jedoch ist Ruhe. Genaueres weiß man nicht. Weder Polizei noch jemand von der Stadt habe bisher mit ihnen gesprochen. Aber unter den aktiven Bürgern wird gemunkelt, die Stadt hätte einstweilig verfügt, dass die besetzten Bäume nicht gefällt werden sollen.

Doch die Zeit lassen die Aktivisten und die Anwohner nicht untätig verstreichen. Aus alten Europaletten haben sie sich unter den Bäumen einen neuen provisorischen Spielplatz gebaut, der stetig wächst. „Wir dachten eigentlich die Nächte hier werden sehr kalt, aber die Unterstützung der Anwohner ist großartig!“, beteuert Basti. „Hier kommen ganz viel Leute vorbei und fragen uns was wir brauchen. Wir bekommen alles was wir wollen: Isomatten, Essen, Decken. So haben wir es hier sehr warm und können es noch lange aushalten.“ Wem es doch zu kalt oder langweilig wird, klettert außerdem gerne ein bisschen in den Ästen oder strampelt auf dem in der Luft aufgehängten Fahrrad.

Wie lange sie noch bleiben wollen? „Ab dem Ersten im März gilt ein besonderer Brutschutz. Es ist dann fast unmöglich diese Bäume zu fällen. So lange wollen wir bleiben. Wenn wir nicht vorher runtergeholt werden.“ Doch eines ist klar: Freiwillig werden die Aktivisten von Robin Wood nicht gehen. Und sie haben die volle Unterstützung der Anwohner.

Baumhausappartement am Josephsplatz

Fotos: Robin Wood

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