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Starke Frauen, echtes München – mit “Bonnie” feiert unabhängige Film-Crew Premiere

Marco Eisenack

Ein bayerischer Kinofilm muss nicht im Wirtshaus beginnen – und schon gar nicht mit einer Leiche auf dem Land. “Bonnie” will zeigen, dass Bayern auch die urbane Action-Komödie kann: mit zwei Frauen in den Hauptrollen, cooler Musik, Verfolgungsjagden und ziemlich viel Großstadt.Dass der Film überhaupt am 2. September im Rio Filmpalast auf der Leinwand landet, ist allerdings mindestens so spannend wie seine Handlung. “Bonnie” ist ein echtes Independent-Projekt: finanziert mit Crowdfunding und einer Crew, die sich mit Leidenschaft für ihr Projekt aufgeopfert hat. Gedreht wurde mit kleinem Team, wenig Zeit und begrenzten Ressourcen – dafür mitten im Münchner Stadtleben.Wir haben mit Produzentin Corinna Blädel darüber gesprochen, warum der Weg zum fertigen Film oft über die Frage „Kennst du jemanden, der jemanden kennt?” führt, wie ein abbruchreifes Gebäude plötzlich zum perfekten Shootout-Schauplatz wurde und weshalb die eigentliche Herausforderung erst nach dem letzten Schnitt beginnt: Menschen dazu zu bringen, für einen unabhängigen bayerischen Actionfilm das Sofa gegen den Kinosessel zu tauschen.“Bonnie” ist nicht nur der Versuch, München einmal jenseits der platten Klischees auf die Leinwand zu bringen. Es ist auch ein ziemlich sympathischer Selbstversuch in der Frage: Was passiert, wenn man nicht darauf wartet, dass einem jemand die Tür zum Filmgeschäft öffnet – sondern einfach mal dagegen drückt.

Mucbook: Vor gut einem Jahr hast du uns zum ersten Mal geschrieben: Ihr sucht Unterstützer für einen Münchner Actionfilm. Damals war BONNIE noch ein Projekt in der Vorproduktion. Heute ist der Film fertig und kommt ins Kino. Wo lag die größte Herausforderung? Was war das dickste Brett, das ihr bohren musstet? 

Corinna: Es gibt an einem Independent-Filmset natürlich einige dicke Bretter zu bohren. Die größte Herausforderung waren für uns aber sicherlich die knappe Zeit und die begrenzten Ressourcen. Wir haben ganz bewusst mit einem kleinen Team gearbeitet, weil wir flexibel in den Straßen Münchens drehen wollten, um das echte Stadtleben einzufangen und authentisch zu bleiben – gerade bei einem Actionfilm ist diese Flexibilität enorm wichtig.

Diese Flexibilität hat aber natürlich ihren Preis: Die Arbeit findet viel stärker abteilungsübergreifend statt. Jeder packt dort mit an, wo gerade jemand gebraucht wird. Wenn man hinter und vor der Kamera gleichzeitig arbeitet, kann das ganz schön stressig werden. 

Die eigentliche Herausforderung war deshalb, trotz dieser herausfordernden Bedingungen unseren Anspruch an den Film nicht herunterzuschrauben. Am Ende soll das Publikum schließlich nicht darüber nachdenken, mit welchen Ressourcen BONNIE entstanden ist – sondern einfach mitgerissen werden.

Mucbook: Ihr wolltet bewusst einen Film machen, der nicht im klassischen Bayern-Kino spielt: kein Dorf, kein Eberhofer, kein Krimi – sondern Action-Komödie, zwei Frauen, Musik und München. Warum war euch diese Abgrenzung so wichtig? Die Erfolge der Eberhofer-Reihe sprechen doch für sich. Man könnte ja auch sagen, jetzt wissen wir, was das Volk von Flensburg bis Garmisch sehen will. 

Corinna: Eberhofer hat eindrucksvoll bewiesen, dass bayerisches Kino funktioniert und sich auf der großen Leinwand richtig gut macht. Wir haben uns deshalb weniger gefragt, was wir daran anders machen wollen, sondern vielmehr: Was gibt es eigentlich abseits des Krimi-Genres?

Wir glauben, dass bayerische Geschichten, Figuren, Dialekt und Humor genauso gut mit anderen Genres funktionieren können. Warum also nicht mit Action, Musik oder einer etwas wilderen Komödie? Genau das wollten wir mit BONNIE auf die Probe stellen.

In unseren Augen hat der Erfolg der Eberhofer Filme viel mehr die Pforten geöffnet für bisher ungeahnte Ideen. 

Mucbook: Was ist eigentlich „bayerisches Kino“, wenn man einmal die Lederhose aus dem Bild nimmt?

Corinna: Bayerisches Kino ist ein Lebensgefühl. Man kann die Regionalität in der Sprache der Figuren, ihren Lebensumständen und den Kulissen des Films durch und durch spüren. Deshalb war es uns so wichtig, möglichst viel im echten Stadt-Getümmel zu drehen und in die Atmosphäre der Stadt einzutauchen. Dadurch entsteht ein vertrautes heimisches Gefühl und macht den Film lebendig.

Und dann ist da vor allem die bayerische Lebenseinstellung. Bayern können nicht nur granteln. Da gibt es auch dieses sehr direkte, selbstbewusste „Scheiß drauf, jetzt machen wir’s halt“ aka „Scheiß da nix, dann feit da nix“. Und wir haben festgestellt: Diese Haltung passt erstaunlich gut zu einem Actionfilm.

Mucbook: München ist bei euch nicht bloß Kulisse. Die Stadt soll selbst zum Charakter werden. Aber welchen Charakter hat München eigentlich? Zwischen dem schicken Kir Royal-München und einer Trambahnfahrt in Giesing liegt ja eine gewisse Diskrepanz.  

Corinna: München ist ein Charakter in unserem Film – und ein guter Charakter ist immer vielschichtig. Genau diesen Kontrast wollten wir zeigen. München kann schick und posh sein, gleichzeitig ist es aber auch eine junge, lebendige Stadt voller Kneipen, Bars und Orten wie dem Eisbach, an denen ganz unterschiedliche Menschengruppen zusammenkommen.

Gerade in einer Komödie liefert so etwas auch den besten Stoff, wenn viele verschiedene Charaktere aufeinander treffen, die auf den ersten Blick nicht gleich zusammen passen. Wie zum Beispiel unsere beiden ur-bayerischen Polizisten und der Rad-Fahrer, der eigentlich nur zum Rennrad-Treff möchte.

Mucbook: In der Kinomappe steht als Zielgruppe: urban, kulturinteressiert, sozialbewusst, 25 bis 40. Wie schwer ist es, für dieses Publikum einen deutschen Genrefilm zu machen, der weder Mainstream-Klamotte noch Arthouse sein will?

Corinna: Eigentlich ist es gar nicht so schwer, weil wir beim Filmemachen nicht ständig versuchen, in eine bestimmte Schublade zu passen. Wir machen den Film, den wir selbst gerne sehen möchten, und hoffen, dass wir damit auch andere begeistern. Die Zielgruppe ist dabei eher eine Orientierung. Am Ende ist BONNIE für jeden, der Lust auf einen bayerischen Actionfilm mit Humor und Musik hat.

Mucbook: Die Filmförderung wird gerade neu aufgestellt, gleichzeitig fließt mehr Geld in den deutschen Produktionsstandort. Habt ihr von dieser neuen Förderwelt etwas gespürt – oder spielt sie für eine Produktion wie BONNIE praktisch keine Rolle?

Corinna: Für eine kleinere Independent-Produktion wie uns ist der Zugang zu Förderung nach wie vor nicht ganz einfach.Gerade wenn eine Firma noch nicht lange etabliert ist und man sich mit einem Genreprojekt etwas abseits der klassischen Wege bewegt, gibt es natürlich einige Hürden.

 Von der neuen Förderwelt haben wir bei BONNIE deshalb noch nicht unmittelbar profitiert. Wir beobachten die Veränderungen aber mit viel Interesse und hoffen, dass dadurch künftig auch mehr Mut zu unterschiedlichen Genres und neuen Produktionsmodellen entsteht. Davon könnte die gesamte deutsche Filmlandschaft profitieren.

Mucbook: Statt eines großen Budgets habt ihr auf Crowdfunding, Sponsoren, Sachleistungen und Menschen aus der Region gesetzt. Wie muss man sich eine Filmfinanzierung vorstellen, bei der irgendwann nicht mehr nur Geld, sondern plötzlich auch ein Kiosk, ein Auto oder eine Location zum Produktionsfaktor wird?

Corinna: In der Vorproduktion hieß es für uns oft weniger: Was können wir mit unserem Budget bezahlen? Sondern: Wen können wir für das Projekt begeistern? Das hat erstaunlich gut funktioniert. In fast jedem Bereich hatten wir Unterstützung durch Sachleistungen.

Statt eines großen Cateringwagens haben uns zum Beispiel Bäckereien morgens mit Frühstück versorgt, Restaurants haben Pizza ans Set geliefert und Produktionsfahrzeuge kamen von Unternehmen und Autohäusern. Auch bei Locations sind uns viele sehr entgegengekommen.

So wird plötzlich jede Partnerschaft zu einem Teil der Filmfinanzierung. Ganz ohne Geld funktioniert eine Filmproduktion natürlich trotzdem nicht – aber vieles wird möglich, wenn Menschen Lust haben, Teil eines solchen Projekts zu werden.

Mucbook: Mythos Crowdfunding: Euer Crowdfunding auf StartNext hat gerade mal 7.735.- Euro eingespielt. Umgerechnet in den Aufwand für die Kampagne, wie hoch wäre der Stundenlohn gewesen? Würdet ihr wieder ein Crowdfunding machen?  

Corinna: Crowdfunding allein finanziert natürlich nur selten einen ganzen Spielfilm und wir möchten ehrlich sein: rein nach Stundenlohn gerechnet lohnt es sich vermutlich nicht. Viel unbezahlte Extra-Arbeit und schlaflose Nächte gehören beim Indie-Film zum täglich Brot. 

Der Wert eines Crowdfundings liegt eher darin, dass man die Idee antest, bevor man sie umsetzt, das Publikum von Anfang an einbezieht und eine Beziehung zur Community aufbaut. 

Wir haben zum Beispiel einen kleinen „Fake“-Trailer gedreht, bei dem wir unser Projekt das erste mal visuell ausprobieren konnten. Fast wie ein erster Kameratest, in dem wir selbst viel über unsere Vision gelernt haben.  

Deshalb: Ja, wir würden es auf jeden Fall wieder machen.

Mucbook: Ihr habt uns mal in einer Mail nach dem Besitzer des Kiosks am Max-Weber-Platz gefragt, weil wir über Münchner Kioske geschrieben hatten. Ist das vielleicht die ehrlichste Beschreibung einer Independent-Produktion: Man braucht für einen Kinofilm irgendwann einfach jemanden, der den richtigen Kioskbesitzer kennt?

Corinna: Absolut – die meiste Zeit der Vorproduktion verbringt man damit, jemanden zu fragen, ob jemand jemanden kennt, der uns weiterhelfen kann. Man ist oft überrascht, wo man am Ende rauskommt. Oft fängt eine große Szene mit einer kleinen Frage an 

Mucbook: Was war das Verrückteste, das ihr organisieren musstet, damit eine Szene am Ende tatsächlich so aussieht, wie sie im Drehbuch stand?

Die Rolle der “Hannah” zeigt im Film ziemlich gerne ihren Mittelfinger – und irgendwann ist der gebrochen. Also musste eine originalgetreue Gummihand her. Dafür wurde die Hand unserer Schauspielerin abgegossen und als Prothese nachgebaut. Wichtigste technische Anforderung: Der Mittelfinger musste natürlich weiterhin funktionieren.

Corinna: Am Ende hatten wir also eine täuschend echte Hand auf einem langen Stock mit beweglichem Mittelfinger. Überraschenderweise wurde dieses hochprofessionelle Filmrequisit am Set zweckentfremdet und war den ganzen Tag der Renner. 🙂

Mucbook: Gab es eine Szene, bei der ihr während der Produktion feststellen musstet: Das können wir uns eigentlich nicht leisten – und dann habt ihr sie trotzdem irgendwie gemacht?

Corinna: Das Shootout war tatsächlich eines unserer größten Probleme. Wir brauchten einen Ort, an dem wir fünf Tage lang ungestört laut sein und im besten Fall auch noch ein bisschen was kaputt machen durften. Gar nicht so einfach. Wir haben lange gesucht, unzählige Anfragen gestellt – aber noch einmal ein Filmgelände für fünf Drehtage zu mieten, war bei unserem Budget einfach nicht drin.

Und dann kam einer unserer Sponsoren auf uns zu: Früher habe ich bei einer Metallbaufirma gejobbt – und genau dort stand ein Gebäude, das ohnehin abgerissen werden sollte. Für uns natürlich der absolute Glücksfall.

Mein früherer Arbeitgeber wurde kurzerhand zu einem unserer Großsponsoren und stellte uns das Gebäude für den Dreh zur Verfügung. Dort konnten wir uns dann richtig austoben – inklusive Shootout, ordentlich Krach und der einen oder anderen Scheibe, die für BONNIE dran glauben musste.

Mucbook: Im Film stehen zwei Frauen im Mittelpunkt. War das von Anfang an Teil eurer Idee, das Genre einmal aus einer anderen Perspektive zu erzählen – oder hat sich das aus den Figuren entwickelt?

Corinna: Unsere Frauen sind eben mal nicht das klassische Love Interest, sondern stehen selbst mitten in der Action. Dabei dürfen sie auch laut, derb und gerne mal vulgär sein – solche Frauenfiguren sieht man leider immer noch viel zu selten auf der Leinwand. Gerade bayerische Frauen bringen oft eine direkte Art und Stärke mit und lassen sich nicht so leicht unterbuttern. Das passt für uns perfekt zum Genre. Und dass wir damit gleichzeitig mehr starke und vor allem unterschiedliche Frauenfiguren auf die Leinwand bringen, freut mich als Produzentin natürlich besonders. 🙂

Mucbook: Ein Film ist fertig, wenn der Schnitt abgeschlossen ist. Ein Kinofilm ist aber erst dann wirklich da, wenn Menschen Tickets kaufen. 2025 ist das Kinopublikum in Deutschland zwar gewachsen, gleichzeitig ist das Durchschnittsalter der Besucher:innen gestiegen. Wie bringt man eine junge Zielgruppe heute überhaupt noch dazu, für einen unbekannten Film ins Kino zu gehen?

Corinna: Ich glaube, man muss jungen Menschen einen Grund geben, warum sie einen Film gerade im Kino sehen wollen. Mit BONNIE versuchen wir deshalb, einen Film zu machen, der sich jung anfühlt – etwas absurd, laut, mit Action, Musik und Figuren, die vielleicht auch Menschen ansprechen, die sonst nicht regelmäßig einen deutschen Film im Kino anschauen.

Gleichzeitig müssen wir die Leute natürlich dort erreichen, wo sie unterwegs sind. Deshalb spielt Social Media eine große Rolle, und wir haben auch Content Creator im Cast, die ihre eigene Community mitbringen. Und am Ende ist Kino für uns etwas sehr Soziales: zusammen lachen, mitfiebern und danach noch über den Film reden – genau dafür lieben wir das Kino selbst und hoffen, auch ein jüngeres Publikum begeistern zu können.

Mucbook: Ihr versucht deshalb, aus der Kinovorstellung selbst ein Erlebnis zu machen: Bierempfang, Vorfilm, Cast und Crew, Merchandise. Ist das vielleicht die Zukunft des Independent-Kinos – weniger „Ich gehe einen Film schauen“ und mehr „Ich gehe zu einem Abend, an dem zufällig ein Film gezeigt wird“?

Corinna: Wir glauben zumindest, dass es gut in den Zeitgeist passt. In einer Welt, die von KI, sozialem Rückzug und Streaming Zuhause bestimmt wird, ist es wichtiger denn je, dass wir die Gemeinschaft fördern. Zusammenkommen an Orten, wie dem Kino und gemeinsam ein Event zu erleben, sind in unseren Augen die Dinge, auf die wir Wert legen sollten. 

Da sich in BONNIE vieles um eine Band dreht, war die Idee eigentlich naheliegend: Wir gehen mit dem Film ein bisschen wie eine Band auf Tour. Uns geht es dabei vor allem darum, die Magie des Kinos zu zeigen – gemeinsam einen Film zu schauen, danach mit Cast und Crew ins Gespräch kommen und vielleicht noch auf ein Bier zusammenstehen.

Mucbook:Ihr habt euch für eine Kinotour durch Bayern entschieden. Was ist schwieriger: einen Film zu produzieren oder dafür zu sorgen, dass er anschließend auch auf Leinwänden landet?

Corinna: Ganz klar: Zweiteres. Wir sind Filmemacher – Filme zu machen, können wir gut und machen wir von Herzen gerne. Den Film danach selbst in die Kinos zu bringen und gleichzeitig das komplette Marketing zu stemmen, ist für uns die größere Herausforderung. Während der Produktion arbeitet man noch mit einem großen Team zusammen. Jetzt sind wir im Kern zu viert und kümmern uns um Kinotour, Presse, Marketing und Organisation. Und das bedeutet vor allem: sehr viel Zeit vor dem Computer statt an der frischen Setluft. Da vermisst man den Dreh manchmal schon ein bisschen.

Mucbook: Wie viele Zuschauer kann man heute überhaupt noch im Kino erwarten und geht es nicht viel mehr um den Markt der Streamingdienste? 

Corinna: Wie viele Zuschauer am Ende tatsächlich kommen, ist gerade bei einem Independent-Film schwer vorherzusagen.Natürlich ist Streaming inzwischen ein riesiger Teil des Filmmarktes und für die spätere Auswertung auch für uns interessant. Trotzdem wollten wir mit BONNIE ganz bewusst zuerst ins Kino.

Wir haben den Film für die große Leinwand gemacht – gerade Action, Musik und Humor funktionieren dort einfach anders. Streaming kann dem Film später noch einmal ein ganz neues und größeres Publikum eröffnen, aber für uns ersetzt es das Kino nicht. Im besten Fall ergänzen sich beide.

Mucbook: Wenn BONNIE funktioniert, was würdet ihr gerne damit beweisen? Dass man auch ohne großes Studio einen Kinofilm machen kann? Dass bayerisches Genre-Kino anders aussehen kann? Oder wie München wirklich ist? 

Corinna: Wahrscheinlich ein bisschen von allem – und gleichzeitig wollen wir gar nicht zu viel beweisen. Wir probieren selbst aus, ob das bayerische Kinopublikum Lust auf anderes Genrekino hat. Wir glauben jedenfalls: Bayern kann mehr als Krimi, und BONNIE ist unser Versuch, das auszuprobieren.

 Gleichzeitig möchten wir anderen Filmemachern Mut machen. Nur weil man Absagen bekommt oder nicht alle Türen sofort aufgehen, heißt das nicht, dass ein Projekt nicht entstehen kann. Manchmal muss man andere Wege finden und einfach anfangen.

Also an alle Filmemacher, die das hier lesen: Das ist euer Zeichen – macht euren Film. 🙂

Mucbook: Und die vielleicht wichtigste Frage: Ihr habt mit BONNIE bewiesen, dass man einen Film mit viel Eigenwillen, wenig klassischer Infrastruktur und ziemlich viel Beharrlichkeit ins Kino bringen kann. Was würdet ihr einer jungen Filmemacherin heute sagen, die gerade ihre erste Mail schreibt und behauptet: „Ich will einen Kinofilm machen“?

Corinna: Aus Angst vor dem riesigen Berg an Arbeit vor sich glaubt man oft, es sei unmöglich. Doch wenn man einmal anfängt, öffnen sich ganz ungeahnte Türen. Man lernt neue Kontakte kennen und geht plötzlich Wege, die man so nie hat kommen sehen. Irgendwann blickt man dann zurück und wundert sich, wie viel man bereits geschafft hat. 

Also: Schreib diese erste Mail. Und dann die nächste.

Mucbook: Was müsste sich ändern, damit es junge Filmschaffende leichter haben? Was könnte die neue Stadtregierung unter einem OB tun, der noch jung genug ist, eure Zielgruppe zu sein? 

Corinna: Gerade bei der Filmförderung würde ich mir einen leichteren Einstieg für junge Filmschaffende wünschen. Beim FFF gibt es beispielsweise die Produktionsförderung für Kinofilme bis 3 Millionen Euro Budget und ab 3 Millionen Euro Budget. Für Nachwuchs gibt es zusätzlich die Talentfilmförderung, unter anderem auch für Quereinsteiger. Aber auch dort gibt es natürlich bestimmte Voraussetzungen und Auflagen. 

Wenn man einen Kinofilm bewusst mit einem sehr kleinen Budget produzieren möchte, passt man deshalb nicht immer so leicht in diese Strukturen. Ich finde kleinere und unkomplizierte Fördermöglichkeiten spannend, mit denen 5 kleine Indie-Filme möglich werden, anstatt 1 sehr teures Riesenprojekt. 

Und warum nicht bei einem Teil solcher Förderungen auch einmal das Publikum mitentscheiden lassen? Ich finde den Gedanken spannend, die Menschen, die diese Förderung letztlich mitfinanzieren, stärker einzubeziehen und beispielsweise über ausgewählte Projekte abstimmen zu lassen.

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