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THE BIG SLEEP: Das erwartet dich bei der 4. Biennale der Künstler im Haus der Kunst

4. Biennale der Künstler im Haus der Kunst
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„Tote schlafen fest“. Manchmal sind deutsche Filmtitel fast besser als das Original. In diesem Fall klingt er eine Spur gewitzter, doppelbödiger und düsterer als das Pendant „The Big Sleep“, nach dem die Biennale benannt ist.

Der lakonisch erzählte Klassiker „The Big Sleep“ (1946) von Howard Hanks beruht eigentlich auf der Romanvorlage von Raymond Chandler. Film und Roman zugleich gelten als einer Paradebeispiel des Kriminalromans respektive des Film Noirs und sind längst kanonisch.

Marylin Minter, Cuntrol, 2018.
Fotografie auf Aludibond
84 x 120 cm
© Marylin Minter

Der große Schlaf – er ist in der klassischen Deutung des Romans metaphorisch zu verstehen als Sinnbild für den Tod. Er kann aktuell aber auch sinnbildlich als Dämmerzustand für die geopolitische Weltlage herangezogen werden. Wenn Diplomatie versagt, komplexe Probleme in Hashtags gepresst werden, ohne darin aufzugehen, und jeder ein böses Erwachen erahnt, aber die Worte dafür oft fehlen oder die Begriffe untauglich geworden sind, bleibt ein Gefühl der bedrohlichen Ohnmacht.

Ein Film als Paradigma: Zur 4. Biennale der Künstler im Haus der Kunst München

Die Motive aus Chandlers Roman sind die inhaltliche Klammer der 4. Biennale im Haus der Kunst. Vom 19. Juli bis zum 8. September 2019 wird die Ausstellung im Westflügel des Hauses gezeigt.

Die Kuratoren setzen die Werke von 32 KünsterInnen in diesen Kontext. Der „große Schlaf“ ist dabei das vorgeschaltete Paradigma, das Interpretationsangebot und die vermittelnde Referenz.

Kuratorin Dr. Cornelia Oßwald-Hoffmann hält dazu fest:

„Das erinnert ein bisschen an den Zustand unserer Gesellschaft, die einen umgekehrten Schlaf zu schlafen scheint: unser Gehirn schläft, während unser Körper wach ist. Ständig zappelt er wie ein Hampelmann herum, während unser Gehirn paralysiert ist von zu vielen, zu gleichwertigen und zu widersprüchlichen Informationen in zu kurzer Zeit. Sie verändern die Dinge so schnell, dass alle unsere möglichen Reaktionen auf sie dazu verdammt sind, Vergangenheit zu sein, ohne jemals Gegenwart gewesen zu sein.“

Die Kunst aber ist vielleicht ein Vehikel, um aus dieser Ohnmacht aufzuwachen, die Dialoge wieder aufzunehmen und zu fördern: Zwischen Staaten, zwischen Klassen, zwischen Menschen. Wäre es nicht sinnvoll, die Gesellschaft aus dem „Big Sleep“ zu erwecken?

Zusatzausstellung zu 70 Jahren Ausstellungen des Künstlerverbundes

In einer Zusatzausstellung werden zudem Memorabilia aus 70 Jahren Ausstellungen des Künstlerverbundes im Haus der Kunst gezeigt. Etwa in Form sämtlicher Ausstellungskataloge seit 1949. Damals wurde das Haus der Kunst von den Alliierten Mächten an die deutschen Kunstorganisationen zurück gegeben. Umso passender ist es, dass das Gastland der diesjährigen Ausstellung eben die USA sind.

Der Künstlerverbund ist ein Organ der künstlerischen Selbstverwaltung, Selbstbestimmung und Kuration. Er unterläuf die klassischen Macht-Asymmetrien zwischen KuratorInnen und KünstlerInnen produktiv: Künstler zeigen Künstler. Sie handeln gegenseitig einen Ausstellungskörper aus, der auch als Gesamtwerk gesehen werden darf, vielleicht sogar muss.

Susanne Pittroff: Trust Me, 2019.
Kabel, Kabelbinder, 10 x 30 m farbige Kabel mit Stecker und Kupplungen
Foto: Florian Holzherr

Die Ausstellung „The Big Sleep“ zeigt uns in seiner bedrohlichen Gesamtplastik also die Ruhe vor dem Sturm. Vielleicht zeigt sie uns auch, wie und wo wir uns vor dem, was kommen mag, in Schutz bringen. Oder wie wir unsere Fassung und unsere Haltung wieder erringen.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:

Adidal Abou-Chamat/DE, Miya Ando/US, Birthe Blauth/DE, Carlotta Brunetti/DE, Jutta Burkhardt/DE, Albert Coers/DE, Judith Egger/DE, Manuel Eitner/DE, Amit Goffer/ISR, Peter Gregorio/US, Tanja Hemm/DE, Magdalena Jetelová/CZE, Alexander Kluge/Thomas Thiede/DE, Kyung-Lim Lee/US, Vera Lossau/DE, Louise Manifold/IRL, Nina Annabelle Märkl/DE, Paul McCarthy/US, Marilyn Minter/US, Edie Monetti/DE, Herbert Nauderer/DE Dagmar Pachtner/DE, Laurie Palmer/US, Susanne Pittroff/DE, Michael Sailstorfer/DE, Tschabalala Self/US, Leslie Thornton/US, toffaha/DE+EGY, James Turrell/US, Timm Ulrichs/DE, Veronika Veit/DE


In aller Kürze:

Ausstellungszeitraum: 19.7. bis 8.9.2019 im Westflügel im Haus der Kunst München

Katalogpräsentation: Samstag – 7.9.2019 – 18 Uhr im Westflügel im Haus der Kunst München

Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr, Do 10-22 Uhr

Gastland der Biennale 2019: USA

Eintrittspreise: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro


Beitragsbild: Birthe Blauth, Transmigration, 2019. Videoloop 45 Min. Polyethylenformen. 400 x 725 x 350 cm. Foto: Werner Josten, Courtesy by the artist

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