Kinogucken, Kultur

„The voice of the war“

Thomas Empl

Schreibt seit 2012 für mucbook über Kino, meistens Filmkritiken, hin und wieder auch mal Theater. Als Münchner in Köln unterwandert er im Moment den Westen und arbeitet dort als Schriftsteller. Ist aber trotzdem ständig in München, der besten Stadt der Welt.
Thomas Empl

DOK.FEST – THE UNKNOWN KNOWN: THE LIFE AND TIMES OF DONALD RUMSFELD

Vietnam, Watergate, Afghanistan, 9/11, Irak, Guantanamo. Donald Rumsfeld war meist mittendrin, wenn in den letzten Jahrzehnten amerikanische Zeitgeschichte geschrieben wurde. War es also eine gute Idee, sich mal mit diesem Mann zusammenzusetzen? Um ihn selbst zu zitieren: „You bet“.

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Getan hat das Errol Morris, ein Dokumentarfilmer, bekannt für seine direkte Art, den Dingen auf den Grund zu gehen. Morris versucht viel, um Rumsfelds Panzer zu durchbrechen, stellt provokative Fragen, bohrt nach und zeigt bewusst polemisch die Widersprüchlichkeiten seines Gegenübers. Doch dem ist das schlichtweg egal. Rumsfeld ist über alle Maßen charmant, intelligent und ein brillanter, witziger Gesprächspartner. Immer wieder, selbst bei schwierigsten Themen, zeigt er sein gleichzeitig sympathisches wie selbstverliebtes Lächeln.

Das Interview springt hin und her von Vietnam bis Irak, von Ford bis Bush; was ein wenig überwältigend wirken kann, wenn man kein absoluter Experte in amerikanischer Politik ist und nicht genau im Kopf hat, welcher Präsident wann was beschlossen hat. Wenn man jedoch wieder weiß, wo man gerade ist, ist jede Frage von erstaunlicher geschichtlicher Relevanz.

Unter Rumsfeld Zeit als Verteidigungsminister fallen sowohl die Suche nach angeblichen Massenvernichtungswaffen sowie die Folter an inhaftierten Irakern. Doch sollte Morris auf Einsicht oder gar ein Nixon’sches Geständnis gehofft haben, so wird er enttäuscht gewesen sein. Rumsfeld ist völlig von sich überzeugt, „I was correct“ eine seiner häufigsten Feststellungen. Wie der inzwischen 80-jährige es schafft, dass das nicht nach Arroganz, sondern nach purer Überzeugung aussieht – man kann es fast nur beeindruckend finden.

Genauso weiß Morris‘ Dokumentation filmisch zu begeistern. Von all den Filmen auf dem diesjährigen DOK.fest hat sie die möglicherweise besten Production Values. Das Bild ist der großen Kinoleinwand einmal wahrlich würdig; zudem liefert Blockbuster-Komponist Danny Elfman Musik, die auch einem Tim Burton – Film angemessen wäre. Hochwertigeres Erzählen, äußerlich wie inhaltlich, wird man auf dem Festival nur schwer finden.

Die letzte Chance, The Unknown Known auf dem Dok.fest zu sehen, ist an diesem Mittwoch, 14.05., um 22 Uhr im Filmmuseum.

(Bild von: DOK.fest München)

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