Promofoto von Enik im Profil
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True Motherfuckers Will Always Find A Way: Komm zur Plattentaufe von Enik am 22. Februar

„True Motherfuckers will always find a way“ singt er im gleichnamigen Song auf seinem neuen Album: der Münchner Musiker Enik. Richtige Halunken finden immer einen Weg – es muss ja nicht der kürzeste sein: Ganze neun Jahre hat uns das musikalische Multitalent warten lassen auf sein neues Album. Viele Theaterproduktionen und Arbeiten mit anderen Künstlern (wie etwa Thomas D) liegen dazwischen – und vielleicht auch die eine oder andere Auszeit. Eine Zeitspanne, in der man gut und gerne mal die eigene Anhängerschaft verlieren kann oder im Bewusstsein der jüngeren Hörer*innen wohl einfach noch gar nie vorgekommen ist. Da helfen wir gerne etwas nach und stellen euch einen der unterschätztesten Künstler der Stadt vor:

Promofoto von Enik im Profil

Tiefsinniger Singer/Songwriter oder quirliger Indie/Electronica-Wizard? Enik ist irgendwie beides. Bereits Anfang des Jahrtausends hat der in Dachau geborene Multiinstrumentalist mit seinen ersten Alben in Indie- und Kenner-Kreisen von sich Reden gemacht. Diesen Samstag feiert nun „The Deepest Space of Now“ im Import/Export seine Plattentaufe. Ein Werk, das trotz seiner eklektischen Natur auf ganzer Länge packend und kohärent ist – mit unzählig vielen Details und einer erkennbaren eigenen Handschrift.

Es ist die erste Veröffentlichung auf dem eigens mit guten Freunden gegründeten Label „Brave & Dizzy“ aus München. Grund genug für uns, Enik bei den Proben zum Konzert am Samstag kurz abzufangen, wo wir ihn rauchend mit seinen Bandkollegen vor dem Einstein antreffen.

MUCBOOK: Hi Enik, seit deinem letzten Album “I Sold My Moon Boots to a Girl from Greece” (2011) ist jede Menge Zeit vergangen: Was hast du zwischenzeitlich so getrieben? Warum mussten wir so lange auf neue Musik warten?

Enik: Ich hab zum einen wahnsinnig viel Theater gemacht, habe in den letzten fünf Jahren zwanzig Premieren gespielt. Außerdem habe ich die komplette Filmmusik für „Fünf Jahre Leben“ gemacht – ein Spielfilm über den Türken Murat Kurnaz, der fünf Jahre lang unschuldig in Guantanamo Bay saß. Für die Fantas (Die Fantastischen Vier – Anm. der Red.) habe ich Stücke geschrieben und ich habe natürlich immer weiter an Stücken für mich gearbeitet, aber das wurde immer wieder von den Jobs unterbrochen, die reingekommen sind. Also ich saß an dem Album wirklich extrem lange dran.

Es war schon eine krasse Suche: Ich erzähle oft, dass Songs wie kleine Entitäten sind, die etwas von dir wollen. Und du musst halt zuhören, was sie von dir möchten. Manchmal is es passiert, dass ich 50 Spuren und einen fast fertigen Track habe – und zwei Wochen später ist keine von diesen Spuren mehr übrig und es ist ein völlig anderer Track. Irgendwann sagt der Track aber zu einem: Jetzt bin ich fertig, Finger weg!

Wie zufrieden bist du mit deinem Album, jetzt wo es fertig ist?

So zufrieden wie noch nie mit einem Album! Also ich bin eigentlich immer sehr launisch und mag das oft nach einem Monat, nachdem das rausgekommen ist, nicht mehr. Aber das mag ich immer noch genauso viel. Das liebe ich einfach.

Was inspiriert dich beim Songschreiben?

Alles, was man erlebt, fließt ein. Es gab auch schon so Momente in meinem Leben, wo ich ans Mikro gegangen bin und eine bestimmt Form von Ausdruck verwenden wollte, aber gemerkt habe: Das darf ich noch nicht. Das hab‘ ich mir quasi noch nicht erlebt.

Und dann hat man ein, zwei Jahre mehr gelebt, ist gereist, ist viel abgestürzt mit Leuten, war viel im Nachtleben unterwegs – hat einfach viel erlebt – dann geht man auf einmal ans Mirko und dann darf man das. Dann merke ich: oh, krass, jetzt ist der Moment da, jetzt darf ich diese Form von Ausdruck in der Stimme verwenden und glaube sie mir selber. Mit sowas bin ich immer total vorsichtig. Also ich versuche, kein Stilmittel oder keine Ausdrucksform in der Stimme zu verwenden, wenn ich sie mir selber nicht abnehme.

Dein Album erscheint auf “Brave and Dizzy” – ein Label, das du selbst mit initiiert hast. Die volle DIY-Schiene quasi. Was darf man da in Zukunft erwarten?

Das Label besteht aus vier Freunden, die einfach eine große Liebe zu Musik und auch zum Medium Vinyl haben. Es soll mal so ein Liebhaber-Vinyl-Label werden. Momentan veröffentliche ich ja bloß selber drauf – das wollen wir aber in Zukunft ändern. Wir wollen Kunst veröffentlichen, die kommerziell nirgends anders reinpasst, die aber mutig trotzdem stattfindet.

München bleibt die Basis?

Ja. München hat auch eine wahnsinnig interessante Musikszene inzwischen: in den letzten fünf Jahren ist hier wirklich verdammt viel passiert. Das muss der Rest von Deutschland auch mal kapieren, dass hier ganz großartige Sachen passieren.

Was ist Dein Spirit Animal?

Was ist mein Spirit Animal? Mein Power-Tier? (überlegt) – Das ist lustig, weil ich das Gespräch neulich erst hatte. Wahrscheinlich wähle ich einen Straßenköter. Ein Street Dog.

Passt ein bisschen zur nächsten Frage: Du erzählst – wenn man das so auf einen Nenner bringen darf – viel von Außenseitern und Randfiguren auf dem neuen Album. Was fasziniert dich an solchen Menschen und Biographien?

Ich glaube, dass mein Freundeskreis zu 60% nur aus solchen Personen besteht – die ein Leben am Rande eines Systems führen, und das System aber auch irgendwie brauchen, um so ein Leben zu führen, das sie führen. Ich glaube, dass solche Leute wahnsinnig wichtig sind für eine Gesellschaft und dass es Platz geben muss für sie, weil sie die Gesellschaft auf eine Art weiter bringen, die wir gar nicht verstehen können.

“True Motherfuckers will always find a way” singst du auf dem gleichnamigen Song: Was macht einen “True Motherfucker” aus? Und ist das positiv gemeint oder negativ?

Das ist das Schöne an dem Song, dass das frei auslegbar ist. In Teilen des Songs ist das positiv gemeint und in anderen ist das negativ gemeint, kritisch vielleicht. Das heißt, in einem Teil sagt der Song natürlich schon: du kannst gegen Windmühlen kämpfen, wie du willst, aber die „True Motherfuckers“ finden immer einen Weg, dass sie die Welt auf ihre Art und Weise runterrocken.

Auf der anderen Seite heißt das – im positiven Sinne – dass „True Motherfuckers“ immer irgendwie durchkommen und immer ihren Weg machen. Das sind die Coolen.

Wenn ich richtig informiert bin, hast du zusammen mit Tom Wu quasi ein neues Musikvideo-Genre erfunden: ihr teilt euch beide ein gemeinsames Video. Wie kam zu dieser abgefahrenen Idee, kannst du uns dazu etwas mehr sagen?

Es gab einen Trend, der glaube ich in den Achtziger Jahren in England entstanden ist, wo sich Punk–Bands eine Vinyl geteilt haben, weil sie keine Kohle hatten. Die haben gesagt: Du kriegst die A-Seite, ich krieg die B-Seite und wir promoten uns so gegenseitig. Ich hab den Tom immer so ein bisschen geschimpft, warum er nicht mehr Videos macht, weil ich finde, dass das sehr sehens- und hörenswert ist, was er macht. Dann hat er aus Trotz gesagt: mach du doch eins! So ist dann diese Video-Sharing Idee entstanden, weil ich alleine auch kein Bock hatte, eins zu machen.

Die Bildebene ist zwar identisch, aber auf der Tonebene gibt es zwei verschiedene Versionen. Auch wenn die Dreharbeiten total locker aussehen, war es wirklich extrem anstrengend am Set, weil beide Tracks wirklich gleichzeitig hörbar waren. Und wir saßen sicher 14 Stunden am Set bis wir den One-Take hatten. Der letzte Take um 2 Uhr nachts ist es dann geworden.

Promofoto von Enik mit Jutebeutel auf dem Kopf

Am Samstag im Import/Export ist die Plattentaufe von „The Deepest Space of Now“. Was dürfen wir da erwarten?

Wir spielen nicht einfach unser Album runter, sondern versuchen teilweise wirklich die Songs neu zu interpretieren. Ich habe eine Formation an Leuten gefunden, wo ich extrem glücklich bin: Das sind nicht Mucker im klassischen Sinne, sondern wirklich Künstler – alle sind wirklich auch wahnsinnig talentierte Songwriter. Ich glaub, dass man das am Samstag auch merken wird, wieviel Einflüsse auch von den anderen Kollegen kommen.


In aller Kürze:

Was? Enik – The Deepest Space of Now (LIVE)

Wann? Samstag, 22.2.2020 – Einlass: 20.00 Uhr; Beginn: 21.00 Uhr

Wo? Import/Export, Dachauer Straße 114, 80636 München

Wieviel? VVK 14 €, AK 17€, Tickets hier

Florian Kraus
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