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Unser München 2020: Jahresrückblick aus dem Team

Sahika Tetik

2020 neigt sich dem Ende zu und wir haben die Chance genutzt, mal zu rekapitulieren, wie wir das Jahr wahrgenommen haben. Eines lässt sich wohl allgemein festhalten: Nichts kam so, wie wir es anfangs erwartet hatten.

Mehr Zeit alleine mit Sahika:

Damn you so hard Covid-19! Was ich dieses Jahr nicht alles vor hatte. Frisch getrennt und bereit, alles vermeintlich verpasste mitzunehmen. Fühlte sich dann im März – nach der schlimmsten Liebeskummerphase – so an, als würde einem die Tür ins Gesicht geknallt werden, obwohl man gerade erst wieder bereit war, raus zu gehen. Vor allem der Mai und Juni sind bei mir hängen geblieben, als mit der Tötung George Floyds die Black Lives Matter Bewegung wieder verstärkt in den Fokus gerückt ist. In der Zeit habe ich „Exit Racism“ von Tupoka Ogette gelesen, mich und meine eigene Identität als POC hinterfragt und verstehen wollen. Was ich aus 2020 mitnehme, sind aber nicht nur negative Eindrücke. Ich starte vorsichtig-hoffnungsvoll ins zweite Jahr des neuen Jahrzehnts. 

Elternzeit mit Jan:

Endlich, endlich haben wir es hinter uns, dieses für uns längste Jahr aller Zeiten. Für mich war es, wie wohl für viele andere auch, ein Jahr der Gleichzeitigkeiten: Während da draußen die erste Welle der Covid-Pandemie ihren Zenit erreichte, war ich in Elternzeit und erlebte hautnah mit, wie meine kleine Tochter vom hilflosen Baby-Würmchen zum ausdrucksstarken kleinen Menschlein wurde. Dass ich in der Zeit keine Konzerte, Parties oder Bars besuchen konnte: eh geschenkt. Der Fokus auf die engste Familie bestimmte (zwangsläufig) den Alltag, wehmütig haben wir den Sommer herbei gesehnt, wo endlich Reisen und Besuche bei den Verwandten möglich wurden.
Das Kind kann jetzt laufen und will die Welt erkunden, also liebe Leute: reißt euch am Riemen, wir müssen nur noch ein paar Monate durchhalten und die basic Regeln befolgen (geimpft wird ja jetzt schon munter) und dann ist diese Geschichte erledigt. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon drauf, im Sommer mit meiner Tochter auf ihr erstes Konzert zu gehen.

Flexibilität lernen mit Julia:

Schon immer habe ich es zu schätzen gewusst, spontan zu sein, Ideen und Pläne sofort umzusetzen, zu kurzfristig ausgemachten Verabredungen zu gehen oder erst direkt im Supermarkt zu entscheiden, was ich heute esse, anstatt montags für die ganze Woche einzukaufen. Doch noch nie habe ich Flexibilität mit langfristigen Plänen und Vorstellungen in Verbindung gebracht. Ich tendiere dazu, das, was ich mir vorgestellt habe, genauso umsetzen zu wollen und dann enttäuscht zu sein, wenn es nicht so klappt, wie ich wollte. Im Jahr 2020 lief vieles nicht so wie ich es ursprünglich wollte: kein Arbeiten im Ausland, keine Konzerte, keine Reisen. Doch das, was anstelle meiner Pläne kam, war richtig, richtig gut und ich bin glücklich darüber, wie sich mein Leben entwickelt hat. Warum? Weil ich flexibel sein und endlich mal loslassen musste. Ich musste lernen die Dinge so anzunehmen, wie sie eben kamen und darauf vertrauen, dass etwas Gutes dabei rauskommt. Meine Pläne wurden zwar durchkreuzt, doch etwas viel Schöneres geschah: das Leben hat mich richtig überrascht und ich habe mich darauf eingelassen, weil ich gezwungen war, flexibel zu sein. Ich glaube deshalb, dass mich 2020 langfristig beeinflusst hat, und zwar positiv. Es hat mich ein bisschen von meinem akribischen Pläneschmieden- und Erwartungswahn weggebracht und wieder hin zum flexiblen Leben im Hier und Jetzt.

Abwarten mit Yannik:

Rückblickend kann ich mich nicht entscheiden, ob sich die letzten zwölf Monate, eher wie ein ganzes Jahrzehnt im Schnelldurchlauf, oder doch wie der längste verschlafene Sommer aller Zeiten angefühlt haben. So viel und so wenig ist passiert, so viel großartiges und so viel schreckliches im täglichen Feed. 2020 ist kein Jahr zum Vergessen. Vielmehr eines an das wir uns immer wieder erinnern werden; Wie wir erst unsanft geweckt und dann mit unendlich vielen Denkanstößen zum Warten verdammt wurden. Ich bin gespannt auf die neuen Ideen und die Dynamik, gewachsen aus dem Chaos und dem Stillstand. Aber eines muss ich trotzdem noch loswerden: Was für ein scheiß Jahr!

Neustart mit Sophia:

Ich spreche wahrscheinlich für alle von uns, wenn ich sage, dass ich mir das irgendwie anders vorgestellt hätte. An Silvester letztes Jahr stand ich um Mitternacht auf dem Dach der WG meines Bruders und hab mich gefreut, 2019 überstanden zu haben. Im Nachhinein fühlt sich das ziemlich seltsam an, aber man weiß ja nie. 2020 lies sich spannend an – Uni fertig, neuer (alter) Job, andere Verantwortungen – das klang alles abenteuerlich. Im März hab ich den Job bei Mucbook in der Form wie jetzt angetreten, wenige Tage später bin ich ins Homeoffice gezogen und habe dort auch die meisten Tage des Jahres verbracht. Statt unterwegs sein in München wurde mein Alltag dann eher von Pressekonferenzen zum aktuellen Infektionsgeschehen und Ausgangsbeschränkungen dominiert. Inzwischen habe ich allerdings einen Schreibtisch, das ist ein Highlight, das ich so nicht mehr missen möchte.
Für das nächste Jahr hoffe ich, endlich wieder ausgehen zu können, meine Freunde und Familie in den Arm nehmen zu können. Und dann würde ich wahnsinnig gerne in allen meinen liebsten Bars und Kneipen vorbeischauen, die es hoffentlich alle irgendwie durch die letzten Monate geschafft haben.

Vorfreude mit Clara:

2020, ein Jahr das sich einerseits schon ewig zieht, auf der anderen Seite gefühlt gerade erst begonnen hat. Das Jahr in dem ich das Gefühl habe es ist gar nichts passiert und auf der anderen Seite hat sich doch so vieles getan und verändert. Ich freue mich auf den Frühling und die Hoffnung, dass es dann bezüglich Corona langsam bergauf geht, freue mich wieder Freunde zu umarmen, einen Tag die Woche in der Gastro zu arbeiten und irgendwann wieder ans Meer reisen zu können.

Routinenwechsel mit Flo:

2020 bedeutete für mich vor allem das Ende gewohnter Routinen. Wenn ich genau zurückdenke, bestanden die letzten zehn Jahre eigentlich sehr oft aus einer eher langweiligen Woche (sorry, liebe Dozentinnen und Chefs) und einem spannenden Wochenende. Endlich Freundinnen treffen, raus gehen, feiern, heimkommen erst morgen früh. Mit einem Schlag war das alles abgeblasen. Erst mal fand ich diese schicksalhafte Ruhepause sogar ganz angenehm. Endlich mehr Zeit für gute Bücher und Platten, kein nerviges Pendeln zu den Stoßzeiten mehr und im Home Office ist man manchmal ja ohnehin effektiver. Gerade mit dem zweiten Lockdown wurde es aber manchmal auch ziemlich einsam in den eigenen vier Wänden und es fühlt sich gerade nach einer echten Bewährungsprobe an. Wahrscheinlich bin ich in dieser Zeit etwas erwachsener geworden, habe gelernt mehr Verantwortung für mich und andere zu übernehmen und mich in Verzicht geübt. Bei MUCBOOK bin ich zum Sommer ins Printheft gewechselt als Chefredakteur – zumindest in der Hinsicht hat 2020 einmal positiv überrascht.


Fotos: © Team, privat, Stephie Lauer

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