Kultur, Nach(t)kritik

Wanda: Morbider Charme im Backstage

Letzte Artikel von Iris Volk (Alle anzeigen)

Vor nicht mal einem Jahr ist das Debütalbum der Band Wanda aus Wien erschienen. Die Single „Bologna“ schlug wie eine Bombe ein. Das Rätseln um Tante Ceccarelli ging los, Kritiker fühlten sich an Falco erinnert oder gleich an Oasis. Am Samstag haben die fünf Jungs um Frontman Marco Michael Wanda das Free & Easy Festival im Backstage gerockt.

Es war ein Gig, der laut Veranstalter nach zwanzig Minuten ausverkauft war. 1200 Fans konnten Wanda glücklich machen. Viel zu viele mussten draußen bleiben.

Die Band hat mit „Amore“ erst ein Album, ihre Setlist ist derzeit noch entsprechend übersichtlich. Fürs Warmwerden ist am Samstag keine Zeit, Wanda müssen gleich in die Vollen, und genau das tun sie im Werk. Nach ungefähr fünf Minuten sehen die Jungs so aus, als hätten sie schon zwei Stunden gespielt. Der Schweiß fließt in Strömen. Gleich beim zweiten Song reißt Sänger Marco Michael Wanda sein eh schon zerrissenes Hemd auf und entblößt einen Waschbärbauch, den er in der folgenden Stunde selbstbewusst einsetzen wird. Die Mädels findens gut – Dessous fliegen auf die Bühne. Und der Sänger von der Bühne: Auch mit Stagediving fängt Marco lieber gleich an, kann ja sein, dass er sonst nicht mehr dazu kommt.

Überhaupt – das zu Ende gehen ist ein Grundthema, das sich durch Wandas Songs zieht.

Es geht ums Sterben, wie das in Wien eben so ist. Es geht ums Lieben, und vor allem um das aussichtslose Lieben, das so weh tut.

Die Band mit dem kleinen Zahnfetisch („Weil du weiße Zähne hast, obwohl Du ständig rauchst“) macht sich Gedanken um die ganz großen Themen, und das kommt an in einer Generation, die die Vergänglichkeit nur zu gut kennt, was Dinge wie Job, Liebe und Gewissheiten im Allgemeinen angeht.

Marco_Copyright Flo Senekowitsch, Wolfgang Seehofer

Kein Grund, keinen Spaß zu haben, finden Wanda: Da wird geschäkert, getanzt, auf der Bühne geraucht, und für die erhitzten Fans wirft Marco gegen Ende ein paar Flaschen mit Mineral in die Menge. Eine kleine Dusche aus der allerletzten Flasche gibt’s obendrauf.

Wanda haben manchmal schlechte Nachrichten: „Du weißt es wenn du dir ehrlich bist genau, so schnell findest du sicher nicht eine bessere Frau“ / „Kein Haus am Land für mich, ohje“ / „Tu mir weh, Luzia, oder irgendwer anders tut’s statt dir.“

Am Samstag hatten sie allerdings auch Gutes zu verkünden, denn schon ab 2. Oktober gibt es nicht mehr nur ein Wanda-Album, sondern zwei. Einen Song von der neuen Scheibe „Bussi“ hatten die Fünf auch schon im Gepäck: „Meine beiden Schwestern“ soll ab Herbst „Bologna“ und Co. Konkurrenz machen.

Doch bis „Bussi“ ist es noch hin, und momentan sind viel zu schnell die Zigaretten geraucht, die Hemden durchgeschwitzt, die „Amore“-Songs gespielt. Das Publikum verlangt zwei Zugaben, und „Luzia“, die den Gig schon eröffnet hat, muss am Ende nochmal ran. Sie lässt ihre Jungs nicht im Stich.

 

Fotocredit: Flo Senekowitsch, Wolfgang Seehofer

Tags:
,
No Comments

Post A Comment

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons