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Killerpilze im Interview: „Wir wollen eine der größten Deutschen Rockbands werden“

Am 15. Dezember 2018 steigt im Backstage das Jahresabschlusskonzert der Münchner Power-Rockband „Killerpilze“ mit dem Motto „Ezcape from the Studio 2018“. Die einstige Schülerband, die mittlerweile nach den Sternen greift, lässt uns auf einen überraschenden Abend hoffen, arbeitet sie denn im Moment eifrig an einem neuen Album.

Wir haben Jo, Fabi und Max zum Interview getroffen:

Mucbook: Habt Ihr eine gemeinsame Vision?

Jo Halbig: Ja doch, die gibt es tatsächlich. Unsere gemeinsame Vision ist es, zu einer der größten Deutschen Rockbands aufzusteigen und viele Menschen mit unserer Musik zu berühren. Dafür stehen wir auf, gehen ins Studio, spielen hunderte von Konzerten und arbeiten uns seit Jahren Stück für Stück nach vorne.

Fabi Halbig: Das erforderte in der Vergangenheit auch viel Durchhaltevermögen und Selbstmotivation, immer weiterzumachen. Gerade in Zeiten, als uns Medien und der Mainstream als etwas abgestempelt haben, was wir nicht waren oder uns keine Karriere mehr zugetraut haben. Unser Kinofilm zeigt das ja auch eindrücklich.

Mucbook: Was ist Euer Lebensmotto? Euer musikalisches Motto?

Jo Halbig: Ich will jetzt nicht so einen pathetischen Aufbau-Satz zitieren, aber falls es so etwas wie ein Motto gibt, dann sicherlich, dass man alles erreichen kann, wenn man es wirklich aus tiefstem Herzen möchte. Seit wir das erste Mal im Proberaum standen, war klar, dass wir uns auf diesem Weg nicht beirren lassen. Wir haben uns vielleicht jetzt schon einen kleinen Platz in der jüngeren Deutschen Popgeschichte gesichert, aber jetzt geht’s ja eigentlich erst los.

Mucbook: Wie sehr Ihr rückblickend Eure musikalisch-künstlerische Entwicklung?

Max Schlichter: Unsere künstlerische Entwicklung ist sicherlich geprägt von Aktion und Reaktion. Egal, ob man uns seit 10 Jahren oder länger hört, oder jetzt erst langsam auf den Killerpilze-Zug aufspringt, man kann viel entdecken: Angefangen als klassische Teenie-Schülerpunkband, haben wir schnell gemerkt, dass wir sämtliche Konventionen und Schubladen abschütteln wollen und haben uns zwischen 2009 und 2016 auf eine Findungsphase gemacht, in der wir als Künstler gereift sind. Zwischen Pop und Metal, Punk und Elektroanleihen war da viel dabei. Textlich sind wir genauso gewachsen, wie auch als Menschen im Privaten und im Business. Wir haben uns immer wieder überprüft, wollten nicht stehenbleiben und haben nach dem letzten Album gemerkt, dass wir jetzt endlich für uns bestimmen können, was unser Kern ist und wissen, wie wir das musikalisch und textlich nach draußen tragen.

Mucbook: Ihr unterstüzt auch soziale Projekte – welche sind das und warum macht ihr das?

Fabi Halbig: Ein Projekt, das wir seit 2006 unterstützen ist „Menschen Für Menschen“, die Äthiopien-Stiftung, die von Karlheinz Böhm gegründet wurde. Wir haben zusammen mit dem wunderbaren Team dort und unseren Fans in den vergangenen 12 Jahren knapp 1 Million Euro durch verschiedene Projekte für Schulen, Wasserstellen und den Aufbau von einem umfassenden Versorgungskonzept sammeln können und hatten die Ehre, schon dreimal in die Projektgebiete reisen zu dürfen.

Jo Halbig: Was wir dort gesehen haben, hat sicherlich auch unsere Sicht auf die Welt, auf unsere eigenen Privilegien und unser Verständnis von „Hilfe“ geprägt. Wenn man mal gesehen hat, wie arm die Menschen in solchen Gegenden sind und wie sie trotz Hunger, Krieg und Elend versuchen, ein Lächeln im Gesicht zu behalten, verbietet sich in meinen Augen, auch nur annähernd solche Parolen wie die AfD oder andere Wutbürger in die Welt zu pflanzen.

Max Schlichter: Auch bei „Kein Bock Auf Nazis“ sind wir seit mehr als 13 Jahren dabei. Dennoch hängen wir nicht alles, wo wir aktiv sind, auch an die große Glocke. Es geht ums Machen, nicht ums Reden. Deshalb haben wir vor zwei Monaten kurzerhand beschlossen, einen Song zu veröffentlichen und alle Einnahmen dorthin zu spenden.

Mucbook: Wie seht Ihr die momentane politische Lage in Deutschland?

Jo Halbig: Natürlich sind wir traurig und wütend, dass man das Gefühl bekommen kann, diese Gesellschaft spaltet sich immer weiter auf und wird von rechten Parolen, einer AfD und marschierenden Pegida-Anhängern unterwandert. Gleichzeitig empfinden wir es aber auch als Chance für den Rest der Zivilgesellschaft, nun endlich klar Haltung und Stellung zu beziehen. Es ist sogar ein Muss. Für uns Künstler, aber auch auf der Straße. Wir können uns in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren nicht von unseren Kindern vorwerfen lassen, dass wir sehenden Auges in ein Unglück gesteuert sind, ohne etwas zu tun. Klar muss aber auch sein, dass das nicht von heute auf morgen passiert. Da können jetzt sicher einige Jahre ins Land ziehen, in denen man immer wieder laut sein muss.

Fabi Halbig: Demos wie die „Unteilbar“-Demo in Berlin oder die „Ausgehetzt“-Demo in München zeigen, dass es so wahnsinnig viel mehr gute Menschen da draußen gibt, die nun auch bereit sind, sich zu zeigen und laut zu sein gegen all den Hass und Populismus. Ich glaube, das ist eine ganz positive Entwicklung, sich nicht kleinkriegen zu lassen, den Platz jetzt erst recht nicht zu räumen. Wir sind halt die Generation, die jetzt erstmals so etwas wie „politische Aufgaben“ verspürt und sich jetzt der eigenen Handlungstragweite bewusst werden muss. Bisher war doch alles wunderbar, wir hatten keinen Krieg, unsere Omas und Opas haben ein bisschen von „damals“ erzählt, selbst die Mauer war schon gefallen, als viele von uns auf die Welt kamen. Aber die letzten Jahre zeigen, dass wir jetzt an der Reihe sind, Verantwortung zu übernehmen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Jo Halbig: Wir brauchen wieder mehr Liebe und Verstand.

Mucbook: Ihr habt verlauten lassen, dass ihr ein ABBA-Coveralbum plant. Wollt Ihr uns mehr darüber erzählen?

Max Schlichter: Wir fanden einfach, das war eine witzige Geschichte, um sie während unserer Pause zu erzählen. Wir machen kein ABBA-Coveralbum und werden das auch in Zukunft nicht tun, denke ich.

Jo Halbig: Ich bin mir da nicht so sicher… (grinst)

Fabi Halbig: Uns wurde das damals zu Universal-Zeiten mal vorgeschlagen, seitdem benutzen wir das gerne als Running Gag.

Mucbook: Was erwartet uns bei Eurem Dezember-Konzert im Backstage?

Jo Halbig: Songs aus dem ABBA-Coveralbum. Nein, Spaß beiseite. Es wird unsere eigene Headliner-Show 2018 und natürlich sind die Jahresabschlusskonzerte in unserer Heimat immer sehr besonders. Zum Einen, weil Fans aus ganz Deutschland und teilweise sogar aus dem Ausland anreisen. Dann, weil auch viele Freunde und Familie da sind, was immer besonders ist und vor allem, weil wir dieses Jahr auch erstmals ein paar wenige neue Songs aus einem neuen Album ausprobieren werden.

Max Schlichter: Jeder, der schon mal auf einem Konzert von uns war, weiß, dass wir nicht nur Konzerte spielen, sondern viel mehr Ausnahmezustände mit unserem Publikum zusammen kreieren wollen.

Mucbook: Welche Auswirkungen hatte Euer Kinofilm auf Euch persönlich und auf  Euer weiteres Schaffen?

Fabi Halbig: Der Film war ein wahnsinnig wichtiges und schönes Kapitel für uns, weil wir durch die ganze Archiv-Arbeit viel mit unserer Vergangenheit in Berührung gekommen sind und gewisse offene Punkte von damals auch endlich abschließen konnten: z.B. ein Gespräch mit Schlagi oder die Trennung von Universal damals. Außerdem lag der Reiz darin, etwas zu machen, was es in dieser Form und mit dieser Geschichte so in Deutschland noch nicht gab.

Jo Halbig: Ich glaube auch, dass uns die Zeit mit dem Film vor allem gelehrt hat, dass wir etwas geschafft haben, dass wir frei sind und ab jetzt nur noch nach vorne schauen können. Es fühlt sich einfach rund an, seine komplette Geschichte bis dato auf 100 Minuten komprimiert zu haben, ein wirkliches Werk, das man anderen zeigen kann und das klar macht: Wir haben etwas geschafft, wir sind mit uns im Reinen, wir sind aber immer noch hungrig. Das transportiert sich gerade in den Kreativprozess.

Mucbook: Gibt es weitere Pläne für die nächste Zeit? Eine neue Tournee?

Max Schlichter: Wir wollen noch nicht zu viel verraten, aber ja, es gibt viele Pläne. Die Show im Backstage heißt nicht umsonst „Ezcape from the Studio“, wir können es ja hier jetzt erzählen: Wir haben letzte Woche begonnen, ein neues Album aufzunehmen.

Jo Halbig: Wann das allerdings fertig ist, wie lange es dauert und vor allem, wann es erscheint, können und wollen wir derzeit noch nicht sagen. Wenn es aber konkreter wird, dann werden wir auch sicherlich wieder eine Tour spielen.

Fabi Halbig: Immerhin ist auf der Bühne stehen der schönste Teil des Musiker-Daseins.

Mucbook: Wie entspannt Ihr von der musikalischen Arbeit?

Jo Halbig: Nicht, dass ich mich nicht auch gerne entspanne, aber wir haben uns ja auch nebenbei noch einige Standbeine aufgebaut: Ob Events in München, eine Promo-Agentur, Coachings für Redner und Nachwuchsmusiker zu geben oder ein Buch zu schreiben, das alles sind so Sachen, die mal mehr mal weniger stattfinden, wenn es die Zeit zulässt. Ansonsten hänge ich persönlich einfach gerne mit meinen Freunden ab und verbringe Zeit mit ihnen beim Fußball spielen, an der Isar hängen oder Essen gehen. Und tatsächlich viel Lesen. Das ist wichtig für mich, um runterzukommen.

Fabi Halbig: Ich habe jetzt angefangen, ins Fitnessstudio zu gehen. Sieht man schon richtig, oder? (lacht) Was soll man sagen? Wir führen ganz normale Leben. Klar denkt man sich manchmal, ist schon alles viel, aber vor allem entspannt uns dann eben die Musik.

Mucbook: Wie bekämpft Ihr Lampenfieber vor Konzerten?

Max Schlichter: Mit der Zeit habe ich gelernt, das Lampenfieber in eine positive Energie für die Bühne umzuwandeln. Wir machen unsere Warm-Up-Übungen, haben eine feste Routine, wie wir uns auf die Shows vorbereiten, dann gibt es das Bandritual und dann gehen wir raus, um alles aus uns herauszuholen. Ein bisschen Anspannung muss aber auch sein und gehört dazu. Wenn das fehlt, ist man glaube ich nicht mehr richtig.

Mucbook: Was gibt Euch die Kraft, in harten Zeiten durchzuhalten?

Fabi Halbig: Unsere Familien, Freunde, die Killerpilze-Familie und ein Ziel vor Augen. Klingt pathetisch, aber würde ich jetzt spontan so sagen. Wenn man weiß, wo man hin will, kann man auch mal die Umwege aushalten.

Mucbook: Wie haltet Ihr Euch körperlich fit?

Jo Halbig: Ich gehe regelmäßig zum Sport und kicke in der Royal Bavarian League mit den großartigen „Walters Fröschen“. Bestes Team.

Fabi Halbig: Wie gesagt, ich habe mich mal im Fitnessstudio angemeldet, mal schauen, ob ich bald nicht mehr durch die Türe passe.

Max Schlichter: Bei mir auch ab und zu Fußball auf Tour.

Jo Halbig: Viel Tanzen soll auch gut sein.

Mucbook: Wo findet man Euch öfter in München, was sind eure Lieblingsplätze? Gibt es evtl. Lieblingslokale?

Jo Halbig: Mich definitiv im Cord Club, wo ich jeden Mittwoch die IN_DIE_DISKO veranstalte. Ansonsten ist die Chance im Glockenbachviertel oder in italienischen Restaurants ziemlich hoch. Ich versuche immer noch, herauszufinden, wo es die beste Pizza in München gibt. Ich plädiere aber für „Pizzeria Europa“ in Sendling. (lacht) [Wir hätten da auch noch einen Vorschlag, Anm. d. Red.]

Fabi Halbig: Ich bin gerne in der Maxvorstadt unterwegs oder im Englischen Garten. Die Loretta-Bar im Glockenbach finde ich auch immer schön.

Mucbook: Dürfen sich die Single-Mädels noch Hoffnungen machen oder seid Ihr alle vergeben?

Alle: Das sollen sie uns doch selbst fragen.

Mucbook: Wie verbringt Ihr Weihnachten und Silvester dieses Jahr?

Jo Halbig: Ich werde Silvester wohl hier in München mit meinen Freunden privat feiern. An Weihnachten sehe ich endlich meinen Bruder wieder, den ich sonst so selten sehe, haha.

Max Schlichter: Ich glaube, ich werde nach dem Jahresabschlusskonzert in die Berge fahren und auf einer Hütte feiern.

Fabi Halbig: Weihnachten zuhause bei Mama, Silvester in Tel Aviv.

Liebe Killerpilze, vielen Dank für das Gespräch! 


In aller Kürze:

Was? Killerpilze „Ezcape from the Studio“

Wann? Samstag, 15.12.2018, Beginn 20 Uhr

Wo? Backstage, Reitknechtstr. 6

Wieviel? 22 € plus Gebühr, Tickets hier


Beitragsbild: © Paul Ambrusch

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