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Why Don’t We Do It in the Road? – “The Beatles: Eight Days a Week” im Kino!

Thomas Empl

Das vielleicht beeindruckendste an den Beatles war, wie sehr sie sich in kürzester Zeit weiterentwickelt haben. Von ‘She Loves You Yeah Yeah Yeah’ zu außerirdisch guten experimentellen Brettern wie A Day in the Life oder I Want You (She’s So Heavy) in ein paar Jahren.
Was diesen Wandel erst ermöglichte, war die Abkehr von Live-Auftritten: Genervt von Hype, Kontroversen und kreischenden Mädchen flüchtete das ‘four-headed monster’ ins Studio. Auf die Zeit vor diesem Rückzug konzentriert sich Ron Howards (Apollo 13, Da Vinci Code) Beatles-Doku mit dem etwas sperrigen Titel The Beatles – Eight Days A Week – The Touring Years. Und wirbt dafür mit dem Slogan „Die Band kennt man. Die Geschichte nicht.“ Zumindest eine Hälfte dieser Aussage kann sein Film erfüllen.

lennon

Denn wirklich Neues hat er über die Fab Four eigentlich nicht zu erzählen. John, Paul, George und Ringo treffen sich, werden zur Sensation, produzieren Nummer 1-Singles im Monatstakt und touren durch die Welt. Wo sie auch hinkommen, warten bereits ausrastende Mädchen. Erst ist alles super, dann gibt’s ein paar Skandale über Politik und Religion (‘We’re more popular than Jesus’), bisschen Drogen. Bis Sgt. Pepper rattert Howard Alben und Touren runter, dazwischen gibt’s ein paar Interviews mit Paul und Ringo (keine Yoko): Beide sehen verdammt gut aus und erzählen Anekdoten, die man als Beatles-Fan schon einmal gehört hat. Auch die unnötigen Promi-Einschübe durch Whoopi Goldberg oder Sigourney Weaver bleiben ziemlich substanzlos.

Also gut – wer sich mit der Geschichte der Beatles auseinandergesetzt hat, wird hier nichts Erschütterndes erfahren. Aber dennoch, die Band – zweiter Teil des Slogans – kennt man nun mal auch; und der schaut man einfach immer gerne zu. Die waren so nett! Und so schön! Und hatten so viel Spaß! Trotz Weltruhm, Pressebelagerung und Leben im Flugzeug: It’s all a good laugh. Musikalisch sind wir hier in der Zeit bis 1966 natürlich noch nicht in der absurd genialen Phase – aber überragend ist das natürlich trotzdem schon alles: Twist and Shout im Shea Stadium, wo das Gekreische so laut ist, dass sich die Bandmitglieder gegenseitig nicht spielen hören – und trotzdem brillieren. Ringo, der glücklich Boys intoniert. Oder das volle Fußballstadion, das in der Liverpooler Anfield Road Arm in Arm Beatles-Lieder singt. Wow.

beatles

So kann man ein bisschen zwiegespalten schließen. Man könnte sich sicherlich rasantere (A Hard Day’s Night) oder tiefergehende (Living in the Material World von Martin Scorsese) Beatles-Filme anschauen. Aber wer Lust auf unzählige Beatles-Konzerte in starker Aufnahmequalität hat, der wird mit Eight Days A Week im Kino eine gute Zeit haben.

 

(Kinostart ist der 15.09.2016, der Film läuft nur für eine begrenzte Zeit. Im Kino folgt auf die Dokumentation ein 30-minütiger Mitschnitt des Konzerts im Shea Stadium in New York aus dem Jahr 1965, der der Presse leider nicht vorab gezeigt wurde.)

 

 

Trailer:

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Bilder: © Studiocanal GmbH / Apple Corps Ltd

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