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Wiesn-Stadtrat Seidl: Stolpert er über Rassismus-Tweet?

Jan Rauschning-Vits

Das Internet ist für uns alle Neuland, stellte die Bundeskanzlerin fest. Die Häme war ihr sicher, doch sie hat recht. Jedenfalls für ihre soziale Gruppe der älteren Politiker. Das ist nicht erst klar, seit Beatrix von Storch auf der Maus ausgerutscht ist.

Die Möglichkeiten der Reichweite und viralen Hits locken fast jeden Politiker ins Netz. Es gilt die jungen Wähler zu angeln.

Und endlich haben wir auch in München einen Fall, bei dem sich ein Politiker mit dem Internet so richtig ins eigene Fleisch geschnitten hat.

Otto Seidl ist Stadtrat der CSU, konservativ – bayerisch. Seit Juli hat er den Posten des sogenannten Wiesn-Stadtrats inne. Das ist quasi der Generalvollbemächtigte Volksfest des Stadtrats und zuständig für Auerdult und Oktoberfest. Er hatte den Posten von Georg Schlagbauer geerbt, dem eine kleine Drogen- und Sexaffäre nur kurz nach seiner Wahl zum Verhängnis wurde. Die Abendzeitung munkelte bei seiner Ernennung, dass es dabei eigentlich nur darum ginge, dem 71-jährigen Seidl, der in der Vergangenheit mit „eher weniger glamourösen Jobs“ unauffällig blieb, noch ein letztes „Zuckerl“ zuzuschanzen.

Mit dem neuen Posten kam auch mehr Aufmerksamkeit

Irgendein Journalist suchte ihn bei Twitter und was fand er da? Ein Bild mit einem Schwarzen, der mit seinem übergroßen Glied ein weißes FKK-Pärchen am Strand, nun ja, belästigt. Darüber steht: „Läufst Du gemütlich mit Deiner Frau am Strand, gibt’s immer einen, der die Stimmung versaut…“

Seidls Twitter-Konto ist mittlerweile gelöscht, aber das Internet vergisst bekanntlich nie.

Die Opposition und die Regierungspartner aus der SPD fanden diesen Post nicht so lustig und äußerten sich entsetzt über das rassistische Bild auf Seidls Twitter Account.

Am 20. Juli äußerte sich Seidl dann zu den Vorwürfen, ein Internet-Rassist zu sein. Dass er sich mit einem Tipp zum WM-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien zur Wort gemeldet haben soll, „sei abwegig“. Er habe mit Fußball nichts am Hut. Und das Foto der Feier Josef Schmids habe er auf seiner Website, dort hätte es jeder klauen können. Generell sei er überhaupt noch nie auf Twitter tätig gewesen und glaube an einen Hackerangriff. Die tz glaubte dem CSU-Mann und fragte am 31.8.2016 „Fake-Account bei Twitter: Will jemand Wiesn-Stadtrat Seidl schaden?“.

Seidl kündigte an, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen, wegen Rufschädigung und Identitätsdiebstahl.

Am Donnerstag fehlte er dann beim traditionellen Wiesnrundgang, den er als Wiesn-Stadtrat eigentlich nicht schwänzen darf, ohne zumindest Verdacht zu erregen.

Seidl fehlte am Donnerstag beim Wiesnrundgang. Warum?

Die SZ fragte daraufhin bei der Staatsanwaltschaft nach, die jedoch bis Donnerstag nichts von einer Anzeige wusste. Wahrscheinlich hatte in der Zwischenzeit jemandem dem Internetneuling Seidl erklärt, dass man per IP-Adresse ganz einfach den Urheber eines Twittter-Accounts feststellen kann. Jetzt endlich äußert sich die CSU-Fraktion in einer Pressemitteilung und zitiert darin ein Statement des Wiesn-Stadtrats, das er gegenüber seiner Fraktion abgegeben haben soll. Die Formulierung ist so köstlich, dass wir sie hier unverändert im Wortlaut wiedergeben:

„Ich entschuldige mich bei den Medien, der Öffentlichkeit und meiner Fraktion für meine am 20. Juli vorschnell getätigten Aussagen. Obwohl ich Twitter sehr selten benutzt habe, hätte ich daran denken müssen, dass ich den Twitter-Account 2013 angelegt hatte. Es war ein Fehler ohne genaue vorherige Prüfung ein vorschnelles Dementi abzugeben. Ich kann mich zwar auch jetzt nicht erinnern, das unangemessene und geschmacklose Bild im Juni 2015 gepostet zu haben, will das aber mittlerweile nicht mehr ausschließen. Deswegen habe ich entgegen meiner Ankündigung keine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.“ 

Was soll das sein? Er kann es nicht ausschließen, dass er das anstößige Bild gepostet hat? Glaubhaft ist diese Aussage irgendwie nicht, wo er doch im Juli so heftig dementiert hat. Für Seidl selbst scheint damit alles gegessen und für die Fraktion der CSU im Stadtrat auch. Weiter unten in der Pressemittleilung schlägt sie versöhnliche Töne an:

„Otto Seidl hat sich heute bei der Fraktionsführung in aller Form dafür entschuldigt, ihr gegenüber vorschnell Aussagen getroffen zu haben. Er hat uns versichert, der Öffentlichkeit und uns nicht bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben. In der Bewertung des Sachverhalts und vor dem Hintergrund des zuvor jahrelang untadeligen Verhaltens von Otto Seidl kam die Fraktionsführung zu der Entscheidung, keine personellen Konsequenzen aus seinem unnötigen und extrem ärgerlichen Verhalten zu ziehen. Klar ist aber auch, dass sich ein solches Verhalten nicht wiederholen darf.“

Er hat der Öffentlichkeit nicht bewusst die Unwahrheit gesagt, hat wohl nur vergessen, dass er sich mal mit Twitter versucht hat. Es bleibt abzuwarten, ob das der ganze Stadtrat so sieht. Die Affäre um Seidl hat vielleicht gerade erst Fahrt aufgenommen.

Und jetzt die Pointe: Seidl ist seit über 30 Jahren selbstständig in den Bereichen Softwareentwicklung und IT-Beratung

 

 

Fotomontage: Mucbook

1Comment
  • hannes
    Posted at 04:41h, 11 Dezember

    https://www.ibbv.de/impressum

    Gehört diese firma dem Seidl?

    ich finde diese berater firma nicht , die er angibt zu haben seit x jahren ….

    was berät er denn als kaufmann ?

    kann kaufmann softwareentwicklung ?……

    kaufman kann meist nur geld, zusatzausbildung hat er nicht …
    von microsoft gekauft ?

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