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Wir haben es verSucht

Das Team von TRY – BUKOWSKI – VERSUCHT, die neue Inszenierung ab Oktober im Rationaltheater, versucht sich nebst szenischen Proben im Rahmen einer Spezial-Kneipentour Bukowskischen Alkoholpfaden anzunähern. Ein Feldforschungsbericht:

Foto: Laura Spes.

„(…) wir (tranken) die ganzen Weißweinvorräte auf, dann den ganzen Rotwein, Linda fing an zu schlafen, und ich trank noch das ganze Bier auf (…)“ (Charles Bukowski: Die Ochsentour.)

Alkohol und Charles Bukowski. Ein Paar, das im kollektiven Literaturgedächtnis beinahe unverrückbar zusammengehört. Heruntergekommene Kneipen, Spelunken und Absteigen haben Eingang in seine literarischen Welten gefunden.

Auf diesen Pfaden torkelnd – pardon – wandelnd versuchten wir im Rahmen einer speziellen Kneipentour, ausgeklügelt von Ayna Steigerwald, einige Feldforschung bzw. method acting anzustellen.

Foto: Charlotte.

Es dauert fünfzig Jahre, bis Charles Bukowski, den Fabriken entflohen, die Fesseln der miesen Jobs gesprengt hat und von der Schriftstellerei leben kann. Mit einundzwanzig beginnt er, durch verschiedene US-Amerikanische Städte zu streunen, stürzt sich in diverse Jobs, ertränkt die Sorgen in Alkohol. Es ist also durchaus legitim, den Ursprung des wesentlichen Topos’ „Alkohol“ bei Charles Bukowski auf biographischer Ebene festzumachen.

Wenn Bukowskis literarisches Alter Ego Hank trinkt, so konnotiert dieser Akt Einsamkeit, Leere, Absurdität. „Wenn etwas Schönes passiert, trinkt man, um es zu feiern. Wenn etwas Schlimmes passiert, trinkt man, um es zu vergessen. Und wenn nichts passiert, trinkt man, damit was passiert.“ (Charles Bukowski: Das Liebesleben der Hyäne).

In die Leere den Alkohol in einer verwahrlosten, schäbigen Kneipe. Dies gilt es bei der Feldstudie am eigenen Leib nachzuempfinden. Eines der Parameter stimmt allerdings nicht: wir sind nicht allein und sitzen nicht mit inhaltsleerem Leben vor an einer verschmierten Bartheke, die seit Jahren keinen Lappen mehr gesehen hat und trinken aus einem versifften Glas.

Unsere Route führt uns in sympathische Stübchen, die uns mit einem Schlag zwanzig Jahre in der Zeit zurückreisen lassen.

Foto: Laura Spes.

Foto: Laura Spes

Je später der Abend, desto höher stapelt sich der Inhalt der Maßkrüge in unseren Mägen. (Keine Angst, wir sind nicht zu Alkoholvernichtungsmaschinen mutiert.) Der Abend wird immer absurder – allerdings auf eine lustige Art und Weise, so wie ausgedehnte Kneipentouren sich eben zu entwickeln pflegen. Einsamkeit in übertragener Weise lässt sich lediglich feststellen, als alle ihren Weg zurück in die heimatlichen Betten finden (Keine Sorge, alle sind sicher zu Hause angekommen.) Leer waren am Ende nur die Gläser.

Feldforschungsfazit: Ein kühles Bier in einer gemütlichen Kneipenrunde bildet eher ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl als eine Stimmung des Verlassenseins. Die „Katerprobe“ am nächsten Tag allerdings führt uns eindrucksvoll vor Augen, wie sich der Alkoholiker Buk jeden Morgen fühlen musste. Trotz Kater dem Produktionszwang nachgehen – das musste Charles Bukowski, das müssen wir.

Mehr Bilder auf: TRY – BUKOWSKI – VERSUCHT

Foto: Laura Spes.

Foto: Laura Spes.

TRY – BUKOWSKI – VERSUCHT
nach Charles Bukowski
Am 9.10., 15.10., 16.10., 29.10., 30.10., 12.11., 13.11., 14.11.2014 jeweils um 20 Uhr. 16/8 Euro
Im Rationaltheater
Hesseloherstraße 18
80802 München
Reservierungen unter: bukowski@rationaltheater.de
Wir sind auf facebook.
Wir sind auf vimeo.
Mit: Hannah Bader, Naima Laube, Kalas Liebfried, William Newton, Lev Semenov, Laura Spes, Ayna Steigerwald, Danijel Szeredy, Daphne Weber, Isabel Will, Olga Zipplies.

Technik: Jonaid Khodabakhshi.

Produktion: Rationaltheater München e.V. und Dietmar Höss.

Mit der freundlichen Unterstützung des Junior Year in Munich – LMU.

 

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