Kultur, Live

„Wir haben von Anfang an versucht, unser Ding durchzuziehen.“ | Newcomer ECHOSMITH am Freitag im Feierwerk

Gloria Grünwald

ECHOSMITH, das sind die vier Geschwister Jamie, Noah, Sydney und Graham Sierota (Jahrgang ’93,’96,’97 und ’99) aus Los Angeles. Die erste Single aus ihrem Debut-Album Talking Dreams, „Cool Kids“, kam in den USA bereits 2013 raus, erhielt zu Beginn aber eher wenig Aufmerksamkeit. Im darauf folgenden Jahr aber wurde die Band dann durch Konzerte, Gastauftritte bei Ellen DeGeneres oder Jimmy Fallon und Berichte in einschlägigen Medien in den USA richtig gepusht und machte die vier Geschwister zu Berühmtheiten. Bei uns war „Cool Kids“ in den letzten Wochen und Monaten aus keinem Radiosender mehr wegzudenken. Ist aber auch echt ein Ohrwurm, dieser Song! Am Freitag spielen die IndiePop-Newcomer ihr erstes Live Konzert in München im Feierwerk. Wir haben die beiden Ältesten, Jamie und Noah, bei ihrer Promotour vor ein paar Wochen zum Gespräch getroffen und ein bisschen über den plötzlichen Wandel ihrer jungen Teenie-Leben ausgefragt.

Echosmith_Jamie & Noah Sierota_Credit Désirée Damm

MUCBOOK: Ihr bekommt diese Frage wahrscheinlich andauernd zu hören, aber: warum ECHOSMITH? Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen und was hat es damit auf sich?

Noah: Jede Band kommt früher oder später an den Punkt, an dem man sich auf einen Bandnamen einigen muss. Wir haben hunderte durchprobiert und fanden alle schrecklich. Bis wir dann die Idee eines Schmieds hatten, der Metall schmiedet, genau wie wir Klänge mit unserer Musik formen. Deswegen erfanden wir das Wort ECHOSMITH und machten es zu unserem Bandnamen.

MUCBOOK: Ihr seid vier Geschwister, die zusammen Musik machen. Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr gemeinsam eine Band gründen wolltet? Habt ihr euch eines Tages zusammengesetzt und gesagt: „okay, wir lernen jetzt alle Instrumente und starten dann eine Band“? Hatten eure Eltern da ihre Finger im Spiel oder wie war das?

Noah: Wir sind in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Unser Vater ist Musiker, unsere Mutter Künstlerin, wir waren also schon immer von Kunst und Kreativität umgeben. Wir haben alle unabhängig voneinander angefangen, ein Instrument zu lernen, ohne überhaupt an so etwas wie eine Band zu denken. Dass wir dann alle unterschiedliche Instrumente ausgewählt haben, war eigentlich purer Zufall. Ich entschied mich für Bass, Jamie für Gitarre und so weiter. Eigentlich ziemlich lustig, dass es sich am Ende dann ausging. Wir spielten unsere Instrumente schon lange bevor wir angefangen haben, als Band zusammen zu spielen. Vor sieben Jahren ergab sich dann eine Gelegenheit, als in der Nähe eine Band gesucht wurde, um bei einem Benefizkonzert zu spielen. Wir dachten uns: „Das könnten wir doch mal ausprobieren!“, und so spielten wir diesen ersten Gig mit Cover-Versionen von Rage Against the Machine, The Cure und so. Es hat prima funktioniert und wir hatten einen Riesenspaß! So langsam hat sich die Sache dann zu dem entwickelt, was sie heute ist.

MUCBOOK: Also habt ihr zunächst viele Songs anderer Bands gecovert, bevor ihr eure eigenen Lieder geschrieben habt?

Jamie: Ja, klar. Besonders ganz am Anfang. Wir haben damals nicht daran gedacht, eine Band zu starten, deswegen haben wir einfach nach Songs gesucht, die wir gut finden und die wir spielen konnten. Rihanna’s „Umbrella“ war zum Beispiel ziemlich angesagt zu der Zeit, also haben wir den auch gespielt. Aber weil wir alle auch selbst schreiben, haben wir dann ziemlich schnell angefangen, an eigenen Songs zu arbeiten.

MUCBOOK: In der ersten Single eures Debutalbums Talking Dreams, „Cool Kids“, geht es darum, stark zu sein, selbstbewusst und stolz darauf, wer man ist. Ihr seid selbst noch sehr jung. Glaubt ihr, dass ihr deswegen einen noch größeren Einfluss auf eure jüngeren Fans habt, als das vielleicht bei anderen Bands der Fall ist?

Noah: Ich glaube, dass wir eine sehr starke Verbindung zu unseren Fans haben, eben weil wir zur selben oder einer ähnlichen Altersgruppe gehören. Das ist etwas sehr Besonderes. Zwar haben wir einen Song geschrieben über ein Gefühl, dass jeder in jedem Alter kennt und das eigentlich auch total altersunabhängig ist. Aber weil wir eben im gleichen Alter sind, wie unsere Fans, ist es total cool, sie alle an unseren Konzerten zu sehen. Sie sind so alt wie wir und in der selben Ära aufgewachsen und deswegen ergibt das eine noch stärkere Verbindung zu unserer Musik.

MUCBOOK: Ihr könnt euch also gut in eure Fans hineinversetzen und umgekehrt?

Noah: Ja, das geht total leicht! Wir sprechen viel mit unseren Fans. Es ist sehr einfach ein Gespräch mit jemandem zu beginnen, der genauso alt ist wie du selbst. Fast als wären wir wieder in der Schule.

MUCBOOK: Lastet da nicht auch ein enormer Druck auf euch, so als Vorbilder?

Jamie: Ich glaube nicht, dass man das so sehen sollte. Ich selbst tue es zumindest nicht. Für mich ist es immer noch ein etwas seltsames Gefühl, auf der Straße erkannt zu werden – wenn jemand zu mir herkommt und mit mir reden will, weil er oder sie eben ein Fan von unserer Musik ist. Aber ich lasse mich nicht auf einmal unter Druck setzen, weil man uns jetzt kennt. Wir machen auch wirklich nichts anders als früher. Wir konnten uns schon immer über Musik und Kunst gut ausdrücken und haben von Anfang an versucht, unser eigenes Ding durchzuziehen.

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MUCBOOK: Wenn ihr einen Song schreibt, wie läuft das dann ab? Kommt einer von euch mit einer Idee an oder arbeitet ihr immer alle vier gemeinsam an einem neuen Song?

Noah: Kommt ganz auf den Song an. Das liegt zum einen an unserem Set up und zum anderen daran, wie wir aufgewachsen sind: wir haben früh gelernt, dass wir mit der Musik praktisch machen können, was wir wollen. Und unser Schreibprozess ist sehr ähnlich. Manchmal fängt es damit an, dass wir alle vier einfach in einem Raum zusammen abhängen und ein bisschen jammen, manchmal kommt einer von uns mit einer Idee zu den anderen – einer Gitarren Line, einer Melodie, einer Struktur, egal was – und dann arbeiten wir gemeinsam daran. Wichtig dabei ist, dass es am Ende ein Song unserer Band, der Song zu unser aller Message wird. Wir alle müssen daran glauben, sonst funktioniert es nicht. Wenn Sydney da vorne etwas singen würde und der Rest von uns würde sich dabei denken: „Ach, interessiert mich nicht, ich fühle nichts davon“, dann wäre das nicht in unserem Sinne. Wir wollen, dass jeder einzelne Song eine Message hat, an die jeder Einzelne von uns glaubt und ein Teil davon ist.

MUCBOOK: Könntet ihr kurz die grobe Hintergrundgeschichte zu „Talking Dreams“ beschreiben, also welche Erfahrungen habt ihr gerade so durchgemacht, als ihr „Talking Dreams“ geschrieben habt?

Jamie: Wir haben es so betitelt, weil das einer der letzten Songs war, den wir für das Album geschrieben haben. Und es fühlte sich so an, als würde der Song die allgemeine Grundstimmung des Albums tragen. Natürlich gibt es noch viele andere Geschichten darauf – „Cool Kids“ erzählt davon, man selbst zu sein und so weiter – aber „Talking Dreams“ fängt irgendwie diese ganze Gefühl ein, als wir an unserem ersten Album arbeiteten und nicht so genau wussten, was danach passieren würde. Das war damals sehr aufregend für uns, natürlich auch ein wenig angsteinflößend, aber hauptsächlich aufregend! „Talking Dreams“ entstand in diesem Moment, als wir fast fertig waren mit dem Album, und spiegelt deshalb dieses Gefühl, diese Aufregung wieder, die sich durch das gesamte Album zieht… deswegen bekam das Album den Namen „Talking Dreams“.

MUCBOOK: Wie hat sich euer Leben seit der Veröffentlichung von „Talking Dreams“ und besonders seit dem Charterfolg von „Cool Kids“ verändert?

Noah: In jeder Hinsicht! Wir haben viel mehr zu tun als früher und sind viel mehr unterwegs. Wir waren jetzt schon dreimal in Europa in den letzten vier Monaten und das ist schon was Besonderes. Wir erleben so viele tolle Dinge! Klar ist es manchmal hart, man kriegt nicht so viel Schlaf wie man vielleicht gerne hätte und muss meistens sehr früh raus, Urlaub haben wir zur Zeit auch keinen. Aber da muss man durch. Es macht auch so wahnsinnig viel Spaß, zu sehen, was unsere Liebe zur Musik schaffen kann,und wir sind bereit für unsere Liebe zu kämpfen!

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v.l.n.r.: Jamie Sierota, Gloria Grünwald (MUCBOOK), Noah Sierota, Désirée Damm (MUCBOOK).

MUCBOOK: Im Februar und März habt ihr eine große Headliner Tour in den USA und dann im April und Mai seid ihr wieder zu Besuch in Europa. Auf welche europäische Stadt freut ihr euch am meisten?

Noah: Oh, das ist schwer zu sagen. Das Konzert in Paris wird bestimmt toll! Wir freuen uns aber auf jede einzelne Stadt. Wir haben bisher nur in London ein ganzes Konzert gespielt, deswegen sind wir ganz aufgeregt auf all die anderen Städte hier.

Jamie: Als wir letztes Mal in Paris waren, hatten wir nur acht Stunden Aufenthalt und konnten überhaupt nichts sehen von der Stadt. Sogar den Eiffel Turm haben wir nur von weit weg durch ein Fenster eines Restaurants gesehen. Ich freue mich einfach darauf, all die Städte zu entdecken, in denen wir spielen werden!

MUCBOOK: Ihr hofft also neben der vielen Arbeit auch ein bisschen Sightseeing machen zu können während ihr hier seid?

Jamie: Ja, total! Einfach loslaufen und eine neue Stadt entdecken.
Noah: Trotz unseres vollen Terminplans können wir meistens ein bis zwei Stunden Zeit finden, um auf Entdeckungstour zu gehen. Zumindest versuchen wir es.
Jamie: Wir waren zum Beispiel schon im ältesten Restaurant der Welt in Spanien. Das war super, sehr traditionell, da sieht alles noch aus wie früher. Das mussten wir einfach auf unseren Instagram Account stellen, weil es so cool war.

MUCBOOK: Letzte Frage: Ihr seid Geschwister und gleichzeitig Bandkollegen. Was sind die Vor- und Nachteile?

Noah: Das ist glaube ich Segen und Fluch zugleich. Wir kennen uns einfach schon ewig und können deswegen gut zusammenarbeiten. Ich glaube, dass jede Band an einem gewissen Punkt wie eine Familie wird – bei uns war das von Anfang an der Fall. Wir wissen, wie wir miteinander umgehen müssen; meistens wissen wir, was in den anderen gerade vorgeht und wie man in bestimmten Situationen reagieren soll. Wir sind zusammen aufgewachsen, da weiß man sowas einfach! Und natürlich hat das auch seine Schattenseiten, zum Beispiel wenn wir müde sind oder schlecht drauf, wissen wir ganz genau, wie wir die anderen auf die Palme bringen können. Wir diskutieren auch häufig und es ist nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen, aber da muss man eben durch. Dann muss man sich selbst daran erinnern, dass das, was wir hier gerade tun, eine tolle Sache ist und wir uns nicht mit blöden Streitereien davon ablenken lassen dürfen. „Komm drüber weg“, heißt es dann oft.

MUCBOOK: Wenn ihr euch mal streitet, wer ist dann der Streitschlichter in der Gruppe?

Jamie: Meistens streiten wir nicht alle auf einmal, sondern zwei von uns. Dann ist es auch einfacher, dem ganzen wieder ein Ende zu setzen. Ich glaube wenn wirklich mal ein übler Streit zwischen uns allen vier ausbrechen würde, dann hätten wir ein kleines Problem! (lacht).
Noah: (lacht). Das passiert zum Glück aber nie!

ECHOSMITH
Wann? Freitag, 17. April (Achtung: das Konzert wurde vom Mai in den April vorverlegt!)
Wo? Hansa 39, Feierwerk, Hansastr. 39 – 41
Tickets? Leider schon ausverkauft. Erfahrungsgemäß hat aber häufig kurzfristig noch jemand Ticktes abzugeben, also Augen offen halten!

Fotocredits:
Pressefoto: Warner Music Group
weitere: Désirée Damm

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