Kultur, Nach(t)kritik

„Zwischen Welten“ – Die Jahresausstellung des IMAL

Die diesjährige Sommerausstellung „Zwischen Welten“ zeigte Arbeiten junger Münchner und Münchnerinnen aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Bildhauerei, Installation und Film.


Das IMAL (International Munich Art Lab) ist inzwischen fast münchenweit ein Begriff. Für alle, die noch nichts davon gehört haben: Es ist ein einzigartiges Kunstprojekt, in dem kunstinteressierte und –begabte junge Menschen ein Jahr die Unterstützung von Künstlern, Künstlerinnen und Sozialpädagoginnen genießen, um damit ihrem künstlerischen Selbst und dem Leben im Allgemeinen ein bisschen näher zu kommen. Das IMAL bietet genau das Mittelmaß an Struktur, Offenheit und Möglichkeiten, die vielen jungen Menschen fehlt.

Als ehemalige Teilnehmerin ist es immer ein bisschen mit Melancholie verbunden auf die IMAL Ausstellungen zu gehen, man wird zurückkatapultiert in alte Zeiten. So hat sich auch die diesjährige Jahresschau „Zwischen Welten“ wie eine Entdeckungsreise angefühlt. Man (Frau eingeschlossen) hat den Titel der Ausstellung zwar nicht in jedem einzelnen Werk wieder gefunden, aber jedes Werk war wie eine eigene Welt. Wer sich die Zeit genommen hat, genau hinzuschauen, hinzuhören und hinzufühlen, konnte erstaunliche Dinge entdecken. Zwei Räume, in denen man als Ausstellungsbesucher nicht einfach nur Beobachter war, sondern (wieder) zum Teilnehmer geworden ist.

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Man konnte seine Waffe des Widerstandes wählen (meine war der Text, beliebt waren auch Liebe, Musik und der Bleistift), alte Taschen zum Singen bringen, in selbst gebundenen Büchern blättern und eine Lippenstiftbohrmaschine routieren lassen. Oder man hat sich in einen gemütlichen alten Sessel gesetzt, um das aus einer Kindheitszeichnung rekonstruierte Hörspiel „Vogelkind“ anzuhören und die anderen Besucher zu beobachten, ein Nickerchen in einer dicht bewaldeten Höhle gemacht oder ein paar Pfannkuchen in Nudelform aus der laut vor sich hin scheppernden Pfannkuchenmaschine gegessen. Langweilig wurde es nicht.

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Zwischen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Bildhauerei, Installationen und Film waren wunderbar viele Dinge dabei, die ich auf Anhieb in keine Schublade stecken könnte. Die große Anzahl an filmischen Arbeiten dieses Jahr sind vor allem der neuen lehrenden Künstlerin Stefanie Maier, einer ausgebildeten Regisseurin und Grafikerin zu verdanken und damit hat sich definitiv eine Lücke im IMAL geschlossen.
In der Ausstellung spürt man die Jugendlichkeit und Leichtigkeit, hier sind keine ausgebildeten Künstler am Werk und man sieht weniger von den Strukturen und Zwängen der modernen Kunst. Es ist die Neugier, das freie Ausloten aller Möglichkeiten, was das IMAL und seine Ausstellungen ausmacht.

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